«Grenzenlose Gerechtigkeit»: Kampf-Flugzeuge in Golfregion
Der amerikanische Präsident George W. Bush hat auf Donnerstagabend überraschend eine Rede vor beiden Häusern des Kongresses angekündigt. Gleichzeitig haben die USA die erste Verlegung von Kampf-Flugzeugen in den Persischen Golf vorbereitet - eine Operation unter dem vorläufigen Code-Namen "Infinite Justice".
Die Rede des Präsidenten ist auf 21.00 Uhr Ortszeit festgelegt. Er wolle die Gelegenheit nutzen und dem amerikanischen Volk erklären, «wer dies unserem grossartigen Land angetan hat und warum», sagte Bush.
Berater des Präsidenten sagten, Bush wolle das Volk noch einmal darauf einstimmen, dass der Feldzug gegen den Terrorismus lang und nicht ohne Risiko für die Soldaten und die Zivilbevölkerung sein werde. Die Rede diene jedoch nicht dazu, militärische Angriffe bekannt zu geben, sagte Bushs Nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice.
«Schock für die Wirtschaft»
Bush sprach am Mittwoch mit den Kongressführern über die Auswirkungen der Terroranschläge vom Dienstag voriger Woche auf die Wirtschaft. «Wir gehen harten Zeiten entgegen», sagte der Präsident. «Dies ist ein Schock für die Wirtschaft, und wir werden darauf reagieren.»
Die «harten Zeiten» mit Wirtschafts-Einbruch und Entlassungen haben in der Luftverkehrsbranche der USA bereits begonnen. Seit dem vergangenen Wochenende haben amerikanische Fluggesellschaften die Entlassung von insgesamt 66’000 Beschäftigten angekündigt.
Die Parlamentarier und der Präsident erklärten, man habe noch keine Entscheidung über mögliche Gesetzgebungsschritte getroffen.
Notenbankpräsident Alan Greenspan hatte zuvor an die Mitglieder von Senat und Repräsentantenhaus appelliert, sich auf die Wiederherstellung des wirtschaftlichen Vertrauens zu konzentrieren, anstatt Gesetze zu verabschieden, deren Auswirkungen nicht abzusehen seien.
Chirac: Verantwortung der UNO
Für den geplanten Feldzug gegen den Terrorismus bat Bush Regierungen in aller Welt um offene oder verdeckte Hilfe.
Bei seinem Besuch in den USA hat der französische Staatspräsident Jacques Chirac die Vereinten Nationen aufgerufen, sich an die Spitze des Kampfes gegen den Terrorismus zu stellen. Nach einem Gespräch mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan sagte Chirac am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz in New York, es handle sich um einen langen Kampf, der über militärische Aktionen hinausgehe. Gefordert seien vor allem Entschlossenheit und internationale Zusammenarbeit.
Nach Gesprächen mit dem britischen Premierminister Tony Blair hat sich Chirac für einen «angemessenen und effizienten Gegenschlag» nach den Terroranschlägen in den USA ausgesprochen. «Sollten die USA über einen Gegenschlag entscheiden, wären Frankreich und Grossbritannien nach Diskussionen und Konsultationen mit uns zur Stelle, wenn der Gegenschlag angemessen und effizient wäre», sagte Chirac nach einem einstündigen Gespräch mit Blair am Donnerstag im Elysee-Palast.
Erste konkrete Anzeichen für Vergeltungsschlag
Aus dem Pentagon kamen unterdessen erste konkrete Anzeichen für die Vorbereitungen auf einen Vergeltungsschlag. Das Ministerium ordnete die Entsendung von Kampfflugzeugen auf Stützpunkte in der Golfregion an. Die Operation trägt den Namen «Grenzenlose Gerechtigkeit» («Infinite Justice»), wie ein ranghoher Vertreter der Streitkräfte mitteilte.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte zuvor erklärt, es gebe umfangreiche Beweise über eine Zahl von Ländern, die weltweit operierende Terroristen beherbergen. Bei den Ermittlungen zu den Anschlägen in New York und Washington gehe es nicht allein um Osama Bin Laden und seine Organisation El Kaida. «Wir müssen diese Kampagne zur Wurzel des Problems bringen, und das sind die Terroristen und die Länder, die sie aufnehmen», sagte Rumsfeld.
swissinfo und Agenturen
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