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Hilfe für Rechtsextreme

Wem die Begeisterung vergeht, der findet im Kanton Basel-Landschaft neu Unterstützung durch eine Beratungsstelle. Keystone Archive

Als erster Kanton führt Basel-Landschaft eine Anlaufstelle für ausstiegswillige Rechtsextreme ein. Im Kanton werden 70 bis 75 Jugendliche der rechtsextremen Szene zugerechnet.

«Wir erhoffen uns, dass der eine oder andere Jugendliche, der sich in dieser Szene bewegt, aber eigentlich nicht mehr Teil davon sein möchte, sich an die Beratungsstelle wendet», sagt Barbara Umiker, Informationsbeauftragte der Justiz-, Polizei- und Militärdirektion des Kanton Basel-Landschaft.

Die Beratungsstelle (Tel. 079/763 95 89) richtet sich nicht nur an Jugendliche, auch Eltern und betroffene Gemeinden sind angesprochen. Erreichen will man die angesprochenen Kreise durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, dies in erster Linie an Schulen.

Erste Kontaktstelle

Es geht darum, ausstiegswillige Jugendliche zu unterstützen in einer Phase, die von persönlicher Verunsicherung begleitetet ist. Bei der Beratung von betroffenen Eltern steht die Information im Vordergrund. Zudem sollen sie Tipps erhalten, wie sie handeln könnten.

«Die Beratungsstelle hat vor allem die Funktion, ein Erstgespräch zu führen», erklärt Barbara Umiker. Dies könne ein einstündiges Gespräch sein, wo der Berater feststellt, welche Hilfe gesucht werden müsse für die betroffene Person. Hilfe böten bestehende Angebote, etwa der schulpädagogischen Bereich, die Jugendanwaltschaft oder die Sozialdienste in den Gemeinden.

Paket von Massnahmen

Basel-Landschaft wappnet sich mit einem ganzen Massnahmenpaket gegen den Rechtsextremismus. Ausgearbeitet wurde es von einer im letzten Jahr eingesetzten Arbeitsgruppe.

Gefordert wird neben der Schaffung einer Beratungsstelle im Bereich Politik, dass die Mitglieder des Regierungsrates den Rechtsextremismus ernst nehmen und mindestens einmal jährlich öffentlich dazu Stellung beziehen.

In der Jugendarbeit soll die Sensibilität für gefährdete oder ausstiegswillige Jugendliche erhöht werden. Im Sport werden Fanprojekte und die gegen den Hooliganismus gerichtete Kampagne «Begeisterung braucht keine Gewalt» unterstützt. Betroffene Eltern erhalten einen Informationsbrief und eine Ansprechperson. In den Schulen wird die Aufklärungs- und Präventionsarbeit verstärkt.

Auf der Ebene Polizei und Strafjustiz soll der Kontakt in die rechtsextreme Szene verstärkt und die Orientierung von Gemeinden und Vereinen verbessert werden, wenn es ums Vermieten von Lokalen an rechtsextreme Gruppierungen geht. Die Zahl der Jugendsachbearbeiter bei der Polizei wird auf sechs verdoppelt.

Rund 70 rechtsextreme Jugendliche

Ein im letzten Jahr verfasster Grundlagenbericht zeigt: rund 70 bis 75 Jugendliche unterschiedlicher sozialer Herkunft gehören zur rechtsextremen Szene in Baselland.

Diese Zahlen hätten nur indirekt Einfluss gehabt auf die nun beschlossenen Massnahmen, sagt Barbara Umiker. «Ich glaube, es ist falsch, hier zu quantifizieren. Es gilt: wehret den Anfängen. Wir haben im Lauf unserer Arbeit gemerkt, dass der präventive Ansatz eben ein sehr guter Ansatz ist»

Im Sommer 2000 stark betroffen

Baselland war im Sommer 2000 in grösserem Ausmass mit dem Phänomen Rechtsextremismus konfrontiert. Kurz nach der Störaktion Rechtsextremer an der 1. Augustfeier auf dem Rütli marschierten am 17. August anlässlich des Todestages des Hitler-Stellvertreters Rudolf Hess 15 Skinheads durch Liestal und skandierten Parolen.

Kathrin Boss Brawand und Agenturen

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