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Muslime in der Schweiz gegen US-Angriffe

swissinfo.ch

Vertreter muslimischer Organisationen in der Schweiz haben am Dienstag die Angriffe gegen Afghanistan verurteilt. Im Kampf gegen Terrorismus setzen sie auf Dialog und Recht. Auch sind sie gegen die Vermengung von Islam und Terrorismus.

«Krieg ist keine Lösung», sagte Ibrahim Salah, Sprecher der Vereinigung islamischer Organisationen in der Schweiz. Zum Einen gebe es in Afghanistan nichts mehr zu zerstören, zum Anderen würde dadurch auch nicht die Wurzel des Übels angepackt.

Laut Salah muss im Kampf gegen den Terrorismus auf Dialog gesetzt werden. Allen Menschen müsse Friede, Recht und Wohlstand garantiert werden. Es dürfe nicht sein, dass sich die USA mehr erlaubten, als sie anderen Staaten zugeständen, sagte Salah. Das verursache Verstimmungen und Probleme – wie zum Beispiel in Palästina.

In die gleich Kerbe schlägt der Sprecher der Moschee in Genf, Hafid Ouadiri: Die Muslime erwarteten, dass der Westen in der islamischen Welt die Unterstützung von Diktatoren beende. Die Unkenntnis des Westens werde den Graben zwischen den Regierungen und dem Volk noch vertiefen, was Radikalisierung und Terror fördere, sagte Ouadiri gegenüber der Nachrichtenagentur afp.

«Humanitär-militärische Masche»

Ouadiri verurteilte den Abwurf von Lebensmitteln und Bomben auf Afghanistan. Diese «humanitär-militärische Masche» führe zur weiteren Ausweitung des Terrorismus unter der unterdrückten muslimischen Bevölkerung der Welt. Laut Ouadiri gibt es andere Massnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus.

Auch Farhad Afshar, Vize-Präsident der Schweizerischen Koordination der islamischen Organisationen (Kios), findet das militärische Vorgehen in Afghanistan fragwürdig. Es sei ein Denkfehler, den Terrorismus mit Bomben bekämpfen zu wollen, sagte er.

Taliban sind Usurpatoren

Laut Afshar sind die in der Schweiz lebenden Muslime über das Schicksal der Zivilbevölkerung besorgt. Der Sturz der Taliban würde jedoch als legitim betrachtet, weil diese in der islamischen Welt als Usurpatoren gälten.

Dadurch erkläre sich auch die mangelnde Anerkennung der Taliban in islamischen Ländern, sagte Afshar weiter. Die Taliban hätten auch kein Recht, zum Heiligen Krieg gegen Ungläubige aufzurufen.

Auch die Liga der Muslime der Schweiz spricht sich gegen eine Vermengung von Islam und Terrorismus aus. Die Liga wünscht sich, dass «Muslime, Islam und Terrorismus nicht jedesmal vermischt werden, wenn sich irgendwo eine Tragödie abspielt» wie die Anschläge in den USA.

Aufruf zum Dialog zwischen den Religionen

Die Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) ruft zum Dialog zwischen den Religionen auf. Die Ereignisse in den USA und in Afghanistan hätten die Spannungen zwischen Juden, Christen und Muslimen beängstigend angeheizt.

Der VIOZ sind insgesamt 11 islamische Organisationen angeschlossen. Im Grossraum Zürich leben rund 40’000 Menschen muslimischen Glaubens.

Als Zeichen für eine Kultur des Religionsfriedens und der Gewaltlosigkeit findet am kommenden Sonntagabend im Zürcher Grossmünster ein Friedenskonzert statt. Dabei werden jüdische, christliche und muslimische Musiker gemeinsam auftreten. Zudem werden spirituelle Texte aus den drei Religionen vorgetragen. Die Kollekte ist für Flüchtlinge aus Afghanistan bestimmt.

swissinfo und Agenturen

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