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Neue Welle von Anschlägen – Proteste in Europa

Tausende haben am Montag in Europa gegen die US-Militär-Angriffe auf Afghanistan protestiert, so auch diese Schülerinnen und Schüler in Berlin. Keystone

Die USA haben ihre Angriffe auf Ziele in Afghanistan den zweiten Tag in Folge fortgesetzt. 24 Stunden nach den ersten Militärschlägen wurde am Montagabend eine neue Angriffswelle eingeleitet, wie das US-Verteidigungsministerium bestätigte. Die US-Regierung wertete den Beginn der Militäraktion als Erfolg. Nach Angaben des Taliban-Regimes kamen bei den Angriffen vom Sonntag 20 Menschen ums Leben, unter ihnen auch Frauen und Kinder. In europäischen Städten demonstrierten Tausende für den Frieden.

Laut dem US-Fernsehsender NBC wurden die Hauptstadt Kabul, die Taliban-Hochburg Kandahar und die Stadt Dschalalabad am Montag erneut bombardiert. In Kabul waren nach Angaben eines AFP-Korrespondenten mehrere Explosionen zu hören.

Wie das Pentagon mitteilte, starteten die USA ihre zweite Angriffswelle ohne Beteiligung Grossbritanniens mit zwei Langstreckenbombern und zehn seegestützten Flugzeugen. Ausserdem seien Marschflugkörper abgefeuert worden. Ziel war nach Meldungen der privaten afghanischen Nachrichtenagentur AIP erneut der Flughafen der Hauptstadt Kabul. Auch sei der Fernsehsender unter Feuer genommen worden. Eine Bombe sei neben einem Krankenhaus eingeschlagen.

Die in Afghanistan herrschenden Taliban ordneten die Verdunkelung der Hauptstadt Kabul an. Die Bürger sollten zu Hause bleiben, hiess es in einer Anweisung, die im staatlichen Radio verlesen wurde.

Dutzende Ziele getroffen

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte, die Angriffe richteten sich ausschliesslich gegen militärische Ziele. Rund 31 Ziele – darunter Militärflugplätze, Kampfflugzeuge, Flugabwehrstellungen und Stützpunkte der Organisation Bin Ladens – seien bei der ersten Angriffswelle getroffen worden. Die Militärschläge seien «sehr erfolgreich» gewesen, sagte Rumsfeld.

Angaben der Taliban, bei den Angriffen in der Nacht von Sonntag auf Montag seien auch mindestens 20 Zivilisten getötet worden, wies Rumsfeld ebenso zurück wie Meldungen, die Taliban hätten ein Flugzeug abgeschossen.

Annan bestätigt Rechtmässigkeit

UNO-Generalsekretär Kofi Annan bestätigte inzwischen die Rechtmässigkeit der Angriffe. Bereits kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September habe der UNO-Sicherheitsrat seine «Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht, Bedrohungen des internationalen Friedens und der Sicherheit durch Terrorakte mit allen Mitteln zu bekämpfen», erklärte Annan am Montag in New York.

Solidarität und Demonstrationen

Rund 15’000 Personen haben am Montag in Rom an einer Demonstration gegen den Krieg teilgenommen. Tausende von Gegnern der US-Angriffe auf Afghanistan haben sich in weiteren Städten Europas versammelt.

In Berlin demonstrierten rund 2’700 Menschen, in Athen rund 2’000, rund 500 in Wien. In Helsinki marschierten etwa 1’000 Menschen vor die diplomatischen Vertretungen der USA und Grossbritanniens. 200 Menschen demonstrierten in Zürich für eine zivile Lösung, ebensoviele in Bern und Genf.

Die EU bekräftigte ihre uneingeschränkte Solidarität mit den USA und stellte gleichzeitig 314 Mio. Euro (rund 465 Mio. Franken) für das afghanische Volk bereit.

Blair: «Langer Feldzug»

Der britische Premierminister Tony Blair unterstrich an einer Dringlichkeits-Sitzung im Unterhaus erneut, dass die Auseinandersetzung mit den Urhebern der Terroranschläge in den USA «sehr lange dauern» werde. Weiter sagte er, es sei eine «Lüge»,zu behaupten, dass sich die Militäraktionen gegen den Islam richteten.

Blair teilte weiter mit, dass unter anderem Frankreich, Deutschland, Spanien, Kanada und Australien ihre Beteiligung an künftigen Militäraktionen zugesagt hätten.

Unruhen in Pakistan

In Pakistan geriet die Lage am Montag zum Teil ausser Kontrolle. Islamische Parteien riefen zum Heiligen Krieg gegen die pakistanische Regierung auf, die den Militärschlag der USA und Grossbritanniens unterstützt. Die Polizeikräfte in der südwestlich gelegenen Stadt Quetta feuerten mit scharfer Munition in die Luft, um eine Menge von 4’000 aufgebrachten Demonstranten aufzulösen.

Angegriffen wurden auch Büros von UN-Organisationen: Das Gebäude des Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Quetta wurde mit Steinen beworfen, die Vertretung des Kinderhilfswerks UNICEF ging in Flammen auf.

Gewalt und Tod in palästinensischen Gebieten

Gewaltsame Proteste gegen die Luftangriffe gab es auch in den palästinensischen Autonomiegebieten. In der Folge haben israelische Soldaten im Gazastreifen insgesamt fünf Palästinenser getötet. Drei weitere Palästinenser kamen in Gaza ums Leben. Nach Spitalangaben wurden mehr als 70 Palästinenser zum Teil schwer verletzt.

Bin Laden offenbar überlebt

Der mutmassliche Drahtzieher der Terroranschläge von New York und Washington, Bin Laden, und Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar überlebten nach Darstellung des Regimes in Kabul die ersten Angriffe. Omar habe 15 Minuten vor dem Einschlag der ersten Raketen sein Büro verlassen, hiess es.

Bin Laden hatte unmittelbar nach Beginn der Angriffe die Moslems in aller Welt zum Heiligen Krieg gegen die USA aufgerufen. «Die Schlacht zwischen dem Glauben und dem Unglauben hat begonnen», hiess es in einem Video, das der arabische Fersehsender «Al-Dschasira» ausstrahlte. Aus Angst vor weiteren terroristischen Anschlägen wurden in den USA die Sicherheits-Vorkehrungen verstärkt.

swissinfo und Agenturen

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