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Neue Welle von Militärschlägen in Afghanistan

Junge Pakistani protestieren in Peschawar gegen die US-Angriffe. Keystone

Die USA und Grossbritannien haben am Montag eine neue Welle von Luftangriffen in Afghanistan gestartet. Der US-Nachrichtensender CNN zeigte Bilder vom nächtlichen Himmel über Kabul, der von Lichtblitzen erhellt wurde. Auch in der Umgebung von Kandahar sei Artilleriefeuer zu sehen gewesen. Ob es auch in anderen Regionen zu Angriffen kam, wurde zunächst nicht bekannt. Die erste Welle der Luftangriffe sei wie geplant verlaufen, sagte US-Präsident George W. Bush am Montag. Darüber habe ihn Verteidigungsminister Donald Rumsfeld informiert. Die meisten Länder reagierten positiv auf die ersten nächtlichen Angriffe. Vorab in islamischen Ländern gab es aber auch Proteste.

Die USA haben den Befehl für weitere Luftangriffe gegen Afghanistan erteilt. Dies verlautete am Montag aus dem Pentagon. In Kabul war am Abend Flugabwehrfeuer zu hören. Kurz darauf fiel der Strom aus. Der Radiosender der Taliban forderte die Bevölkerung auf, die Fenster zu verdunkeln und in ihren Häusern zu bleiben. Die Taliban-Miliz schoss offenbar auch Boden-Boden-Raketen ab, die vermutlich gegen Stellungen der Nordallianz nördlich von Kabul gerichtet waren.

Zuvor hatte US-Präsident George W. Bush gelobt, die Terroristen zu Verantwortung zu ziehen. Bereits am Sonntagabend hatten amerikanische und britische Kampfflugzeuge Ziele in Afghanistan bombardiert.

Zivilisten getötet?

Über Schäden und Todesopfer nach der ersten Angriffsnacht gibt es keine gesicherten Angaben. Gemäss den Taliban wurden bei den Angriffen rund 25 Menschen getötet, darunter 20 Zivilisten. Rumsfeld bestritt dies. Sein britischer Amtskollege Geoff Hoon betonte, einziges Ziel sei, die Stützpunkte und Nachschubwege der Organisation El Kaida des mutmasslichen Terrorführers Osama Bin Laden zu beschädigen.

Nach den Worten des britischen Aussenministers Jack Straw wird die Militäroperation «eher Wochen als Tage» dauern. Hoon schloss dabei auch den Einsatz von Bodentruppen nicht aus.

Die USA haben den UNO-Weltsicherheitsrat darüber informiert, dass sie nach den Angriffen auf Afghanistan Militäraktionen gegen weitere Staaten nicht ausschliessen. «Wir könnten zu dem Schluss kommen, dass unsere Selbstverteidigung weitere Aktionen hinsichtlich anderer Organisationen und anderer Staaten erfordern», heisst es in einem am Montag veröffentlichten Brief an den Rat.

Vier Angriffswellen in der ersten Nacht

Ziele der ersten Angriffsnacht, die bis zum frühen Montagmorgen dauerte, waren vor allem die Taliban-Hochburg Kandahar, die Stadt Dschalalabad im Grenzgebiet zu Pakistan sowie die Hauptstadt Kabul. Nach Angaben von Rumsfeld waren 40 see- und landgestützte Flugzeuge und 50 Tomahawk-Marschflugkörper beteiligt.

Gleichzeitig warfen zwei US-Transportflugzeuge 37’000 Lebensmittelrationen für die notleidende afghanische Bevölkerung ab.

Kurz nach Beginn der Bombardements griff auch die Nordallianz im Norden des Landes an. Sie meldete die Eroberung des Flughafens der Provinzhauptstadt Tschagtscharan.

Die Angriffe lösten in den grossen Städten Afghanistans eine Massenflucht aus. Nach dem Ende der nächtlichen Ausgangssperre verliessen Tausende Kabul.

Unbeeindruckte Taliban

Die Taliban zeigten sich nach einer Sitzung der Minister in Kabul von den US-Schlägen unbeeindruckt. «Wir haben uns entschieden, den Amerikanern Widerstand zu leisten, wie wir den Russen Widerstand geleistet haben», sagte Taliban-Sprecher Amir Khan Muttaki.

Auch Bin Laden hatte in einer Videoaufzeichnung, die der arabische Fernsehsender «El Dschasira» ausstrahlte, gedroht, die USA dürften sich in Zukunft «nie mehr» sicher fühlen, solange sich die Muslime nicht sicher fühlten.

Solidarität, Besorgnis, Kritik

Mit wenigen Ausnahmen stiessen die US-Militärschläge weltweit auf Zustimmung, so auch in Russland, China und Japan. UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat die
Rechtmässigkeit der amerikanischen und britischen Angriffe bestätigt. Die EU bekräftigte ihre uneingeschränkte Solidarität mit den USA und stellte gleichzeitig 314 Mio. Euro (rund 465 Mio. Franken) für das afghanische Volk bereit.

Kritik kam insbesondere aus Irak und Iran. In weiteren Ländern kam es zu anti-amerikanischen Demonstrationen. So griffen in der pakistanischen Grenzstadt Quetta aufgebrachte Demonstranten Büros von Hilfsorganisationen an. Auch in Ägypten und in Gaza sowie im indischen Teil Kaschmirs demonstrierten die Gegner der US-Angriffe.

Aus Angst vor weiteren terroristischen Anschlägen wurden in den USA und vielen anderen Ländern die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Die Bundespolizei FBI erklärte für ihre Beamten die höchste Alarmstufe. Zahlreiche Länder stellten britische und US- Einrichtungen unter besonderen Schutz, so auch die Schweiz.

swissinfo und Agenturen

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