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Preisüberwacher fordert massive Preissenkung bei Augen- Operationen

Überrissene Preise für Augenoperationen: Der Preisüberwacher empfiehlt Tarifanpassungen. Keystone

Laut dem schweizerischen Preisüberwacher Werner Marti verlangen Ärzte für Operationen des Grauen und des Grünen Stars in der Schweiz heute deutlich zu viel. Er fordert für grundversicherte Patientinnen und Patienten eine Halbierung der Tarife.

Preisüberwacher Marti unterzog die Tarife für so genannte Katarakt- und Glaukomoperationen einer Prüfung, wie er am Donnerstag (10.08.) mitteilte. Für die sehr häufige Kataraktoperation (Grauer Star) hätten grundversicherte Patientinnen und Patienten heute zwischen 3’000 und 4’000 Franken zu bezahlen. Glaukomoperationen (Grüner Star) seien nur unwesentlich günstiger.

Infolge der Fortschritte bei der Operationstechnik könnten die ehemals komplizierten und zeitaufwendigen Eingriffe heute oft routinemässig und ambulant vollzogen werden, hält der Preisüberwacher fest. Eine entsprechende Anpassung der Operationstarife sei bislang aber nicht erfolgt. Die heutigen Preise – so Marti weiter – seien im Sinne des Peisüberwachungsgesetzes missbräuchlich.

Halbierung der Tarife empfohlen

Der Preisüberwacher berechnete die zulässigen Tarife gemäss dem neuen gesamtschweizerischen Arzttarif TarMed durch. Demnach wäre heute für die meist ambulant durchgeführte Operation des Grauen Stars noch ein Tarif von höchstens 1’500 Franken zulässig. Die Behandlung des Grünen Stars dürfte noch zwischen 500 und 1’500 Franken kosten, je nach dem, ob der Eingriff ambulant oder stationär erfolgt.

Die dringend notwendigen Tarifsenkungen beinhalteten ein Einsparpotenzial für die soziale Krankenversicherung von jährlich mindestens 50 Mio. Franken, gab Marti weiter bekannt. Die Kantone sollten Tarifabschlüsse auf heutigem Niveau nicht mehr genehmigen. Entsprechende Empfehlungen seien kürzlich bereits an die Kantone Genf, Waadt, Tessin und Solothurn gegangen.

Versicherer begrüssen Initiative des Preisüberwachers

Das Konkordat der Schweizerischen Krankenversicherer (KSK) begrüsste in einer Mitteilung die Empfehlung zur Preissenkung. Es teile die Meinung von Marti, dass diese ehemals aufwendigen Operationen heute häufig ambulant vollzogen werden könnten.

Das KSK erwartet mit dem neuen Ärztetarif im ambulanten Sektor spürbare Kosteneinsparungen, nicht aber bei stationären Operationen, weil hier die Krankenversicherer meist Tagespauschalen bezahlten.

Verbindung der Schweizer Ärzte mit Tarifanpassung einverstanden

Es sei an und für sich richtig, dass die Entschädigungen für diese Operationen zu hoch seien, bestätigte auch der Sprecher der Verbindung der Schweizer Ärzte (FMH), Reto Steiner, auf Anfrage. Sie seien vor vielen Jahren ausgehandelt worden. Die Tarife seien bis jetzt auch noch nie aus betriebswirtschaftlicher Sicht angeschaut worden.

Dies sei erst beim TarMed der Fall. Steiner wies aber darauf hin, dass die Aushandlung der Tarife bis jetzt Sache der Kantone gewesen und die FMH nicht daran beteiligt gewesen sei. Als überraschend bezeichnete der FMH-Sprecher den Zeitpunkt der Kritik des Preisüberwachers und wies auf die geplante Inkraftsetzung des TarMed auf den 1.1.2001 hin.

Bei den Verhandlungen zum TarMed habe Marti für solche Augenoperationen noch viel tiefere Tarife gefordert als jetzt, sagte Steiner. Deshalb habe der FMH die heutigen Äusserungen mit grossem Vergnügen zur Kenntnis genommen.

swissinfo und Agenturen

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