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Ist das Matterhorn für Hobbybergsteiger zu gefährlich?

Wanderer beim Aufstieg zum Schwarzsee vor dem Matterhorn am 22. Juli 2013 oberhalb von Zermatt (VS).
Wanderer beim Aufstieg zum Schwarzsee vor dem Matterhorn am 22. Juli 2013 oberhalb von Zermatt (VS). Keystone / Arno Balzarini

Das Matterhorn ist mit 603 Todesopfern seit 1865 der tödlichste Berg der Schweiz, und die sozialen Medien verschärfen die Situation noch weiter. Ein Rettungshelfer, eine Hüttenwartin und eine traumatisierte Bergsteigerin berichten über dieses Phänomen und schlagen Alarm.

Die Bilanz ist erschreckend. «Es ist der tödlichste Berg», sagt Anjan Truffer, Bergführer und Rettungsleiter bei Air Zermatt.

Jedes Jahr versuchen mehr als 3000 Menschen, den 4478 Meter hohen Gipfel zu besteigen. Viele kommen schlecht vorbereitet an, angelockt von dem Bild eines leicht zu besteigenden Berges, das in den sozialen Netzwerken naiv vermittelt wird.

Schlecht vorbereitet

Edith Lehner, Hüttenwirtin der wichtigsten Hütte auf der Route, beobachtet dieses Phänomen täglich. «Man sieht Leute ankommen, die keine geeigneten Schuhe, kein Seil und keine Ausrüstung haben. Wir appellieren an ihre Vernunft, aber nur sehr wenige hören zu», berichtet sie.

Im Jahr 2024 gab es eine Reihe von Tragödien. Unter den Opfern war ein 17-jähriger Ukrainer. In einem stark begangenen Bereich trat er aus Höflichkeit einen Schritt zurück, um anderen Bergsteigern Platz zu machen. Dabei verlor er das Gleichgewicht und stürzte in die Nordwand. «Es war still, kein einziger Laut», erinnert sich Meli Rüfenacht, eine Bergsteigerin, die Zeugin der Szene war.

Eine Diskrepanz zwischen Fähigkeiten und Ambitionen

Flavia Bürgi von der Beratungsstelle für Unfallverhütung benennt das Problem: «Wenn jemand sich selbst überschätzt oder die Route unterschätzt, entsteht eine Diskrepanz. Seine Fähigkeiten entsprechen nicht den Anforderungen des Geländes.»

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Das Matterhorn ist eigentlich technisch nicht besonders anspruchsvoll. «Die eigentliche Schwierigkeit liegt in der Orientierung. An manchen Stellen gleicht es fast einem Labyrinth», sagt Anjan Truffer. Mentale Erschöpfung macht sich breit, die Konzentration lässt nach. Die meisten Unfälle ereignen sich beim Abstieg.

Soziale Medien verstärken das Phänomen

«Soziale Medien und Influencer spielen eine grosse Rolle bei dem Ansturm», sagt Flavia Bürgi. Spektakuläre Bilder werden massenhaft verbreitet. Jeder möchte die Leistung nachahmen und teilen. «Der Leistungsdruck ist stärker geworden. Man will sich in Szene setzen, schöne Bilder veröffentlichen.»

Die Notunterkunft Solvay auf 4003 Metern veranschaulicht diese Fehlentwicklung. Sie ist für acht Personen im Notfall ausgelegt, beherbergt aber manchmal bis zu 43 Bergsteiger, die sie als normale Etappenstation nutzen.

Mit dem Trauma leben

Meli Rüfenacht brauchte ein Jahr, bis sie zum Matterhorn zurückkehren konnte. «Dieses Bild werde ich wohl nie vergessen», gesteht sie.

Angesichts der zunehmenden Zahl von Verletzten und Todesfällen entwickeln die Rettungskräfte ihre eigenen Strategien. «Wenn ich Menschen retten kann, ist das äusserst befriedigend», erklärt Anjan Truffer.

Von der Hörnlihütte aus begleitet Edith Lehner regelmässig die trauernden Familien. «Diese Trauer dauert Jahre. Man muss ihnen diesen Raum geben», sagt sie.

Keine Wunderlösung

Soll man das Bergsteigen ohne Bergführer verbieten? Anjan Truffer wäre dafür. Doch in der Schweiz sind die Berge für alle zugänglich. Kontrollen einzuführen, wäre undurchführbar.

«Dieses Problem werden wir immer haben», räumt der Bergführer ein. In der Schweiz kommen durchschnittlich 24 Menschen pro Jahr in den Bergen ums Leben.

Meli Rüfenacht hat sich entschieden, weiterzumachen. «Die Berge sind Teil meines Lebens», bekräftigt sie, nachdem sie den Gipfel erreicht hat. Sie hat eine Lektion gelernt: «Man muss bescheiden bleiben. Man muss Respekt vor den Bergen haben.»

Ihre Botschaft klingt wie eine Warnung: Im Hochgebirge können selbst kleinste Fehler fatale Folgen haben.

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