The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Hitze macht die Schweiz zur Sommerdestination

Wandernde und Velofahrende
Wandernde und Velofahrende entlang des Trübsees oberhalb von Engelberg im Kanton Nidwalden am 7. August 2020. Keystone/Urs Flueeler

An Hitzetagen fliehen viele in die Berge. Der Sommertourismus könnte für mittelhohe Lagen zur Chance werden.

Die Schweiz ist ein beliebtes Reiseland, auch bei den Schweizern selbst. Fast 44 Millionen Übernachtungen wurden im Jahr 2025 gezählt. Das ist ein neuer Rekord. 22,8 Millionen Übernachtungen gehen auf das Konto von ausländischen Gästen, ein Allzeithoch.

Inländische Gäste generierten 21,1 Millionen Übernachtungen, ebenfalls eine neue Bestmarke, wobei der Juli der beliebteste Monat war.

Hören Sie dazu den Beitrag von SRF:

Externer Inhalt

Sommertourismus als Zugpferd – Gewinnmargen im Winter höher

Im Sommerhalbjahr liegt die Anzahl der Übernachtungen höher als im Winter und macht etwa 60% der Gesamtzahl aus. Zudem zeigt der Sommer stärkere Wachstumsraten: Zum fünften Mal in Folge sind im vergangenen Jahr die Übernachtungszahlen gestiegen – um 2.3% auf rund 25 Millionen. Das war ein neuer Rekord.

Externer Inhalt

Grund dafür waren im letzten Jahr zwar Grossveranstaltungen wie der Eurovision Song Contest in Basel oder auch die Fussball-EM der Frauen. Doch auch die günstigen Wetterbedingungen trugen zum Wachstum bei.

Das Winterhalbjahr bringt etwas weniger Übernachtungen (18,6 Millionen), ist aber margenstärker, wie Tourismusexperte Jürg Stettler von der Hochschule Luzern erklärt. Das heisst, Hotels und Bahnen verdienen mehr, weil die Hotelzimmer oder auch Tickets teurer sind.

Mehr

Tourismusgebiete verändern sich durch Hitze

Ursprünglich kamen Touristen vor rund 150 Jahren im Sommer in die Schweiz. «Die Sommerhitzeflüchtlinge gab es schon früher», sagt Jürg Stettler. «Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es die Phase des Wintersports, und nun erfolgt durch die Klimaveränderung und durch die zunehmende Nachfrage aus den Wachstumsmärkten in Asien eine strukturelle Verschiebung», sagt er.

Unter Druck stehen klassische Wintersportorte, die aber für Schneesicherheit nicht hoch genug liegen. Die Region Trübsee zum Beispiel auf 1800 Metern setzt darum im Sommer vermehrt auf Wanderer oder Biker.

Norbert Patt, Chef der Bahnen Engelberg-Trübsee-Titlis, spricht von einem immersiven Erlebnis, das viele suchen – etwas erleben, körperliche Erfahrungen machen. «Wandern, Biken, auf einen Kinderspielplatz – dafür bietet sich diese Höhenlage an.» Zielgruppe sind vor allem Schweizer Gäste, während die ausländischen Gäste auf den Titlis gehen.

Die Wortkombination aus «cool» und «vacation» wird in der Vermarktung von Tourismus eingesetzt. Erfinder des Begriffs sind nordische Länder wie etwa Schweden. Auch in der Schweiz vermarkten sich einige Regionen bewusst als kühle Gegenden. So etwa die Region Arosa oder Aletsch. Dieses Marketing zielt auf Schweizer Gäste.

International wird die Schweiz von der Tourismusorganisation Schweiz Tourismus vermarktet. In den Kampagnen spielen die Natur und die Berge jeweils immer eine Rolle, wie die Organisation auf Anfrage sagte. Coolcation spielt darum implizit eine Rolle.

Investitionen nötig – Zwischensaisons werden wichtiger

Einige Tourismusregionen haben bereits ein Angebot, das sich für Sommer- und Zwischensaisons eignet – sei es mit genügend Wanderwegen oder mit Bikerouten. Doch auch grössere Gebiete wie die Region Titlis investieren in die Infrastruktur.

Touristen vor dem Titlis Tower
Asiatische Tourist:innen geniessen den Schnee, der bei der Einweihung des Titlis Tower am 29. Mai 2026 von einer kleinen Schneekanone erzeugt wurde. Keystone / Urs Flueeler

150 Millionen fliessen zum Beispiel in das Projekt Titlis Tower. Ziel des Aussichtsturms ist es, den Berg als Ganzjahresdestination in den Alpen zu positionieren und international konkurrenzfähig zu bleiben.

Externer Inhalt

Zugleich seien die Investitionen in den Tower und in die Bahnprojekte Teil eines Nachhaltigkeitsgedankens. Es gehe darum, grosse Touristenströme gezielt zu lenken. «Nützen und Schützen», sagt Norbert Patt. «Was wir nicht wollen, ist, ungesteuert Menschenmassen irgendwo in unberührte Gebiete hineinzulassen.»

Mit der Klimaveränderung verschwindet auch die Trennschärfe von Sommer- und Wintertourismus. Die sogenannten Zwischensaisons werden wichtiger, denn gerade in tiefergelegenen Regionen können Ferienreisende Aktivitäten planen, unabhängig vom Schnee. Auch Schweiz Tourismus setzt seit einigen Jahren nicht mehr auf reine Sommer- oder Winterkampagnen.

Externer Inhalt

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft