Die Maître Chocolatiers und die Goldhasen

Urs Liechti zaubert einen Goldhasen aus seinem Hut.

Der Gold-Osterhase mit Glöckchen ist ein Markenzeichen für Lindt & Sprüngli. Die Maître Chocolatiers der Firma stellen aber auch noch andere Köstlichkeiten her.

Dieser Inhalt wurde am 08. April 2007 - 10:11 publiziert

swissinfo besuchte den Firmenhauptsitz am Zürichsee und beobachtete Schokoladenmeister Urs Liechti bei der Arbeit.

Seit Rodolphe Lindt im 19. Jahrhundert die "Conche-Methode" erfand, um seidig zarte Schokolade herzustellen, die im Mund schmilzt, steht der Name der Firma für Qualität.

Die Lindt Schokoladen-Palette bietet ausser den Goldhäschen die Lindor Schokoladekugeln, ein breites Angebot an dunkler Schokolade und viele weitere Spezialitäten.

Urs Liechti hat einen beneidenswerten Job. Er ist Chef der Produkte-Entwicklung für Lindt Schweiz. Er und sein Team verbringen den ganzen Tag damit, Schokolade-Kombinationen zu kreieren und zu probieren.

In seiner Werkstatt, aus der köstliche Düfte entströmen, entwickeln die Maître Chocolatiers die nächste Serie von leichten und fruchtigen Chocoletti für den Frühling 2008.

Liechti und sein Team stellen für ein Endprodukt zwischen 100 und 300 Proben von Hand her. Die Rezepte werden sorgfältig notiert, damit die Schokoladen reproduzierbar sind.

"Pro Tag esse ich zwischen 100 und 150 Gramm Schokolade", sagt Liechti, der trotzdem sehr fit aussieht.

Für Liechti ist die Kreation einer Pralinen-Mischung für eine Schachtel die grösste Herausforderung. Denn jede Schokolade müsse verschieden, die Kombination von Design und Geschmack aber ausgeglichen sein. Kürzlich hat das Team die Auswahl "Petits Desserts" erneuert. Sie soll im Herbst auf den Markt kommen.

Schokoloade-Schachteln

Es braucht bis zu zweieinhalb Jahre, um eine Schachtel assortierter Schokolade zu kreieren. Als Vorgabe bei den "Petits Desserts" machte die Marketingabteilung einen Trend aus in Richtung Hausmannsküche und Grossmutter-Rezepte. Der nächste Schritt war, diesen in Schokolade umzusetzen.

Das Team probierte Hunderte von Rezepten aus, um festzustellen, welche am besten in Schokoladeform gebracht werden könnte. Nicht alle Versuche waren von Erfolg gekrönt.

"Eines versuchten wir mit Rüeblitorte, das ist echt schweizerisch. Die Frage war, wie bekommen wir die Karotten in die Schokolade? Eine fast unmögliche Sache. Aber schlussendlich gelang es uns", sagt Liechti.

Das Team konnte zur Marzipanherstellung keine frischen Karotten verwenden, weil diese schimmeln würden. So benutzte man stattdessen getrocknete Karotten und kombinierte sie mit gerösteten Haselnüssen und Mandeln.

"Es schmeckte wie ein guter, mit Milchschokolade überzogener Rüeblikuchen. Die Marketing-Abteilung war jedoch nicht sehr glücklich darüber, denn unser Produkt war für den Schweizer Markt geschaffen. Für den internationalen Markt hielten sie es jedoch als nicht sehr geeignet", erklärt Liechti.

"Die Marketingleute äusserten Bedenken, dass man in anderen Ländern denken würde, Rüeblitorte sei etwas für Hasen, nicht für Schokoladeliebhaber."

Sobald das entwickelte Produkt von Testkunden geprüft worden war, musste man die industrielle Fertigung so gestalten, dass der hausgemachte Geschmack bewahrt werden konnte.

Dunkle Schokolade

Liechti hat auch die Exellence–Serie dunkler Tafelschokoladen entwickelt.

Die positiven Auswirkungen von grossen Kakao-Anteilen auf die Gesundheit ist weit herum bekannt. Lindt bewegt sich bei den dunklen Schokoladen zwischen 55 und 99 Prozent.

Liechti ist aber auch der Ansicht, dunkle Schokolade werde einfach trendiger – wie guter Wein oder Kaffee.

"Du nagst nur kleine Stücke, das ist wie einen Espresso schlürfen, machst eine kleine Pause, setzt dich, entspannst dich, lässt es auf deiner Zunge vergehen – und dann kannst du die verschiedenen Aromen geniessen!"

Eine ziemlich ungewöhnliche Variante ist dunkle Schokolade mit Chili, deren Balance aus Süsse und Schärfe bei den Konsumenten seit ihrer Lancierung im letzten Herbst sehr gut angekommen ist.

Dunkle Schokolade bahnt sich sogar ihren Weg in das sonst traditionell eher Milchschokolade-liebende Deutschland und in die angelsächsischen Länder. Auch in Japan ist sie sehr populär.

Die Berücksichtigung regionaler Geschmäcker ist ein andere Aufgabe für Lindt. Die Firma betreibt weltweit acht Produktions- und Entwicklungs-Standorte.

So können Pfefferminz-Lindorkugeln in den USA gekauft werden, nicht aber in der Schweiz, wo die Konsumenten eher Nuss-Kombinationen bevorzugen.

Was Liechti anbetrifft, so bleibt er der Schokolade zugetan, jeden Tag isst er ein Stück - auch wenn er nicht arbeitet.

"Ich bin der glücklichste Mann der Welt", sagt er über seinen Job.

swissinfo, Isobel Leybold-Johnson in Kilchberg
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)

Fakten

Schokolade-Konsum pro Kopf:

Schweiz (2006): 11,9 kg
Belgien (2004): 9,5 kg
Deutschland (2004): 11,1 kg
Österreich (2004): 10,1 kg
Grossbritannien (2004): 9,4 kg
USA (2004): 5,3 kg
Japan (2004): 2,2 kg

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Lindt & Sprüngli

Die Geschichte von Lindt & Sprüngli begann 1845 als kleine Konditorei Sprüngli & Sohn. 1899 wurde die Berner Schokoladenmanufaktur Rodolphe Lindt erworben.

Lindt war der Erfinder der "Conche"-Methode, welche bewirkt, dass die Schokolade im Mund schmilzt. Dies hat die moderne Schokolade-Produktion total umgekrempelt.

Lindt betreibt weltweit 8 Produktionsstandorte. In ihrem Besitz befindet sich unter anderen auch die italienische Caffarel und die Marke Ghirardelli aus San Francisco.

Die Firma beschäftigt über 7000 Personen. 2006 erreichte der Umsatz 2,6 Mrd. Franken.

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Goldhase

Der goldene Hase wurde 1952 geboren. Es heisst, ein kleiner Junge sei in seinem Garten einem Kaninchen begegnet und habe seine helle Freude daran gehabt – allerdings tieftraurig gewesen, nachdem das Tier wieder davon gehoppelt war.

Sein Vater, ein Maître Chocolatier bei Lindt, wollte ihn aufmuntern, indem er ihm einen Schokolade-Hasen machte. Er fertigte ihn aus Milchschokolade, wickelte ihn in Goldfolie ein und fügte ein rotes Band mit einem Glöckchen dazu, damit ihn der Junge leicht finden konnte.

Der Goldhase ist seither eine Ostertradition. Er wird in verschiednen Grössen angefertigt, auch in dunkler und weisser Schokolade, und in über 50 Ländern verkauft.

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