Die Schweiz demonstriert gegen den Krieg

Grosskundgebung gegen den Krieg im Irak am 22. März 2003 in Bern. swissinfo.ch

An der zweiten nationalen Kundgebung gegen den Krieg im Irak nahmen rund 40'000 Menschen teil.

Dieser Inhalt wurde am 22. März 2003 - 19:58 publiziert

Am Rande der Demonstration setzte die Polizei Wasserwerfer und Tränengas ein.

In einem Meer von regenbogenfarbenen Fahnen zogen Zehntausende von Demonstranten in einem kurzen Umzug zum Bundeshaus in Bern, das vom Bundesplatz mit massiven Eisengittern getrennt war.

Illegaler Krieg

Vor allem Jugendliche und Familien mit Kindern fanden sich zur Kundgebung ein. Auf Transparenten machten die Demonstranten jeden Alters - von Schülern über junge Familien bis hin zu Rentnern - ihre Anliegen sichtbar und zeigten sich von der Illegalität des Golfkriegs überzeugt.

Zur Grossdemonstration hatte das "Bündnis gegen Krieg" aufgerufen, das bereits am 15. Februar eine Kundgebung gegen den drohenden Krieg in Irak organisiert hatte. Damals waren 40'000 Personen nach Bern gekommen.

Friedliche Demonstrierende führten teilweise Tänzchen auf. Viel Applaus ernteten RS-Soldaten in Uniform, die in regenbogenfarbene Friedensfahnen gehüllt waren.

Den Krieg stoppen

Die Rednerinnen und Redner auf dem Bundesplatz forderten, dass der Krieg im Irak gestoppt wird.

"Wir sind schockiert, empört und wütend", sagte Rita Schiavi, die Vizepräsidentin der Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI). Der Krieg im Irak "gegen den ehemaligen Verbündeten Saddam" sei von den "Leuten um George Bush" seit Jahren vorbereitet worden.

Der amerikanische Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair wurden denn auch auf unzähligen Plakaten und Transparenten mitgeführt - und meist von wenig schmeichelhaften Texten begleitet.

Gegen Waffenexporte

Pepo Hofstetter, der im Namen der Schweizer Hilfswerke an der Demonstration sprach, sagte gegenüber swissinfo, man fordere, dass die Botschafter der Schweiz in den USA und Grossbritannien aus Protest zurückgerufen werden.

Erstaunt sei man auch über die "sanfte Reaktion" von Bundespräsident Pascal Couchepin auf die Angriffe der Amerikaner.

Die Schweizer Regierung wurde von den einheimischen Rednerinnen und Rednern oft gerügt. Sie nehme keine klare Position ein. Einerseits drücke sie ihre grosse Betroffenheit über den Krieg aus, stoppe aber die Waffenexporte in die USA und nach England nicht.

Keine Saddam-Plakate

Alle Redner betonten aber auch, dass man die "meschenverachtende Diktatur" von Saddam Hussein verurteile. Etliche Redner forderten ihn zum Rücktritt auf.

Pepo Hofstetter: "Wir haben schon an der ersten Demo am 15. Februar in Bern keine Pro-Saddam-Plakate akzeptiert, und auch an der heutigen Kundgebung akzeptieren wir sie nicht." Es waren denn auch keine zu sehen.

In Bern gesprochen hat auch Aso Jabbar von der Kommunistischen Arbeiterpartei des Irak. Er sprach vom "tragischen Krieg" und von einem "Alptraum für die irakische Gesellschaft".

Wörtlich sagte Jabbar: "Die Menschen im Irak wollen das reaktionäre und despotische Regime von Saddam nicht."

Nicht nur Friedenstauben

Auf dem Bundesplatz durchbrachen rund 500 vermummte Mitglieder des "Schwarzen Blocks" die Abschrankung zum Bundeshaus und schlugen beim Bundeshaus West Scheiben ein und warfen mit Steinen und Flaschen.

Die Polizei drängte die Demonstranten ab. Diese rissen weitere Abschrankungen der Polizei nieder, worauf es zum Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen kam.

Rund 200 Personen zogen anschliessend zur amerikanischen Botschaft, wo sie von der Polizei eingekesselt wurden. Danach begaben sich die Kriegsgegner zur britischen Botschaft und von dort wieder Richtung Innenstadt.

Dort hatte die Polizei das Geschäft einer bekannten US-amerikanischen Schnellimbisskette abgesperrt. Mehrmals war der Ruf zum Boykott US-amerikanischer und britischer Produkte laut geworden.

Gegen 18 Uhr löste sich die Grosskundgebung auf.

Auch in anderen Städten Demos

In anderen Schweizer Städten kam es ebenfalls zu Protestaktionen, so etwa in Winterthur, wo rund 700 Personen friedlich demonstrierten.

In Zürich waren es rund 1000 Angehörige kurdischer Vereinigungen in der Schweiz, die für ein unabhängiges Kurdistan und gegen den Krieg in Irak demonstrierten. In Lugano begaben sich 2500 Menschen auf die Strasse.

Proteste in ganz Europa

Auch in anderen Städten Europas gingen am Samstag die Menschen auf die Strasse, um gegen den Krieg in Irak zu protestieren. In Paris demonstrierten mehrere 10'000 Menschen.

20'000 Finnen nahmen an einer Kundgebung in Helsinki teil, etwa gleich viele Personen wurden in Amsterdam gezählt. In Kopenhagen protestierten 10'000 Menschen gegen den Krieg.

Den Rekord dürfte am Samstag wohl Barcelona gebrochen haben, wo 500'000 Menschen protestierten. In Madrid demosntrierten 250'000 Personen, etwa gleich viele wie in London.

In Berlin und anderen Städten Deutschlands gingen ingesamt rund 150'000 Personen auf die Strasse. In Italien beteiligten sich vor allem Jugendliche an einem Marsch durch die Innenstadt Neapels. In Frankreich protestierten rund 100'000 Menschen gegen den Krieg im Irak.

Auch Kundgebungen in den USA

Zehntausende von Menschen demonstrierten am Samstag auch in New York gegen den Irak-Krieg. Die Polizei sprach von 40'000 Teilnehmern, die Organisatoren schätzten die Zahl auf 100'000.

Auch in anderen amerikanischen Städten gab es Proteste. In Washington demonstrierten einige hundert Menschen vor dem Weissen Haus. In Atlanta im Bundesstaat Georgia protestierten etwa 1000 Menschen vor dem Gebäude des Nachrichtensenders CNN. Die Demonstranten warfen CNN Verherrlichung des Krieges vor.

swissinfo, Urs Maurer und Agenturen

In Kürze

Zwischen 30'000 und 50'000 Personen nahmen an der Demo teil.

Die Demonstranten kamen mit Extrazügenaus Basel, Zürich und Genf.

Die Berner Rockgruppe "Patent Ochsner" spielte zum Auftakt "D Sunne geit im Weschte uf".

Die Demonstration stand unter dem Motto "Stoppt den Krieg".

Zur Kundgebung hatte das "Bündnis gegen den Krieg aufgerufen.

Es entstanden Sachbeschädigungen durch 300 bis 500 vermummte Mitglieder des "Schwarzen Blockes".

Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

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