EKZ sind nach wie vor am Kauf von Energie 360° interessiert
Trotz politischer Blockade geben die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich ihre Übernahmepläne für den Stadtzürcher Gas- und Wärmeversorger Energie 360° nicht auf. Doch wie es weitergeht, ist unklar. Die Stadt hat eine Standortbestimmung angekündigt.
(Keystone-SDA) Der Plan der Stadt Zürich war eigentlich, ihren Energieversorger Energie 360° an die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) zu verkaufen. Mit diesem «Schulterschluss» der beiden Unternehmen könnten die EKZ die Energieversorgung im Kanton Zürich zu einem grossen Teil aus einer Hand sicherstellen, so die Absicht.
Noch am gleichen Tag, als dieser geplante Verkauf publik wurde, formierte sich Widerstand: Die Linke kritisierte den «Ausverkauf städtischer Infrastruktur». Und so kam es schliesslich so weit, dass das Stadtparlament den Verkaufsprozess stoppte, bevor er überhaupt richtig begann: Bei der Budgetdebatte im Dezember strich die rot-grüne Mehrheit jene 240’000 Franken, die der Stadtrat für die Verkaufsvorbereitungen beantragt hatte.
Die Bürgerlichen kritisierten die linke Ratsseite als «Totengräber dieses Geschäfts» und als Saboteure. FDP-Stadtrat Michael Baumer sagte damals: «Wird dieses Geld gestrichen, ist der Prozess beendet.»
Stillschweigen über Angebot
Ganz beendet scheint der Prozess jedoch nicht: Nur einen Tag nach dieser Abfuhr im Stadtparlament, am 12. Dezember, legten die EKZ trotzdem ein verbindliches Angebot für den Kauf von Energie 360° vor, wie EKZ-Mediensprecher Julien Duc auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte. Die Höhe dieses Angebots werde aber öffentlich nicht kommentiert.
Und auch heute beteuert das Unternehmen: «Die EKZ sind weiterhin am Kauf von Energie 360° interessiert.» Bei einer Übernahme seien die EKZ «fest entschlossen», den eingeschlagenen Dekarbonisierungspfad konsequent und mit den damit verbundenen Investitionen – die grösstenteils ausserhalb der Stadt anfallen – weiterzuverfolgen.
Eine Angelegenheit «für die nächste Legislatur»
Die EKZ verweisen auf eine Standortbestimmung, die der Zürcher Stadtrat nach dem Scherbenhaufen im Stadtparlament angekündigt hatte. Dabei solle geklärt werden, wie es weitergehe und ob es allenfalls Projektanpassungen brauche, so der EKZ-Mediensprecher.
Es werde eine Standortbestimmung geben, bestätigte Philippe Klein von der städtischen Medienstelle gegenüber Keystone-SDA. Wann, ist jedoch unklar. Dies sei eine längerfristige Angelegenheit, eine für die nächste Legislatur. Nach den Wahlen werde nun ja auch ein neues Gremium über die Sache beraten.
Neuer Chef für Energie 360°
Bei Energie 360° kam es in Zwischenzeit zu einem Wechsel an der Führungsspitze: Seit Mitte März ist Romeo Deplazes neuer Chef. Dies, nachdem sein Vorgänger Jörg Wild das Unternehmen im November per sofort und unter Misstönen verlassen hatte. Damals wurde publik, dass sich Wild als Geschäftsführer beim potenziellen Käufer EKZ beworben hatte – just während der Verkaufsverhandlungen.
Was bedeutet der Chef-Wechsel für die Verkaufspläne? Das Unternehmen äusserte sich auf Anfrage zurückhaltend. Eine allfällige Anpassung der Aktionariatsstruktur liege in der Hoheit der Eigentümerschaft, teilte ein Mediensprecher auf Anfrage von Keystone-SDA mit.
Für das Unternehmen sei es wichtig, dass es über klare Strukturen verfüge, um «die rasche Transformation» vorantreiben zu können. Die Strategie des Unternehmens sei eine schweizweit rasche Transformation von fossil zu erneuerbar. Entsprechend seien Investitionen von 600 Millionen Franken bis 2028 geplant.