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Erste Schweizerin zur katholischen Priesterin geweiht

(V.l.n.r.) Jane Via, Monika Wyss und Regina Nicolosi werden von zwei (selbst ernannten) Bischöfinnen zu Priesterinnen geweiht.

(Keystone)

Eine Theologin wurde am Samstag zur ersten "römisch-katholischen Priesterin" geweiht, obschon dies nach Kirchenrecht ausschliesslich Männern vorbehalten ist.

Monika Wyss, geschiedene Mutter von 4 Kindern, glaubt, ein Recht auf die Priesterweihe zu haben, obschon sie wahrscheinlich exkommuniziert wird.

Die Weihe-Zeremonie, organisiert von der theologische Gruppe "Römisch-katholische Priesterinnen Europa-West", fand am Samstag Nachmittag auf dem Linienschiff "Rhyneck" auf dem Bodensee zwischen Deutschland und der Schweiz statt. Die Weihe erfolgte nach katholischem Ritus.

Neben der Schweizerin Monika Wyss haben zwei weitere Frauen die Weihe empfangen: Regina Nicolosi, eine in den USA wohnhafte Deutsche, und die Amerikanerin Jane Via. Eine weitere Amerikanerin, die anonym bleiben möchte, wird zur Diakonissin geweiht.

Wyss, bisher Diakonin, hat sich ihr ganzes Leben lang gewünscht, Priesterin zu werden. "Der Gedanke kam mir, als ich 12 Jahre alt war", sagte sie gegenüber swissinfo. "Damals durften meine Brüder Messediener sein, aber ich durfte nicht. So spielte ich Priester zu Hause, und meine beiden Brüder assistierten."

Priesterinnen-Weihen schon vorher

Frauen sind schon vorher zu katholischen Priesterinnen geweiht worden. So fand 2002 auf einem Kreuzfahrtsschiff auf der Donau eine Weihe für sieben Frauen aus Deutschland, Frankreich und den USA statt.

Damals überwachten zwei männliche Bischöfe die Ordination, der exkommunizierte Argentinier Romulo Braschi und dem Oberösterreicher Ferdinand Regelsberger. Dieses Mal sind es drei Bischöfinnen gewesen, die die Zeremonie leiteten.

In der anglikanischen Kirche wurde erstmals 1992 eine Frau in Australien zur Priesterin geweiht, 1994 folgte England. Im Februar 2000 wurde in der Schweiz erstmals eine Alt- oder Christ-Katholikin zur Priesterin geweiht.

Der römisch-katholische Vatikan jedoch hat bisher keine Toleranz gegenüber weiblichen Priesterinnen gezeigt. Alle, die bisher ordiniert worden waren, inklusive die drei Bischöfinnen, sind exkommuniziert worden. Grund: Der Kanon, das Kirchenrecht, erlaubt nur getauften Männern das Recht auf Priesterweihe.

Kardinal Ratzingers Nulltoleranz

Diese Sanktionen waren damals von Kardinal Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst, angeordnet worden, als er noch Chef der römischen Glaubens-Kongregation war, der höchsten und zentralen Instanz für die Interpretation und Verteidigung der katholischen Lehre.

Wyss meint, dass die Kirche ohne Frauen wohl verfallen werde. Und wie viele andere zum Priester geweihte Frauen sagt sie, ihre Ordination sei etwas normales und keine Rebellion gegen die Kirche.

"Zu Zeit Christi waren Frauen in der Kirche willkommen", so Wyss. "Erst unter dem Einfluss des römischen Imperiums wurden sie wieder ausgeschlossen."

Laut den die Weihe begleitenden Bischöfinnen soll diese Ordination die Kirche nicht spalten. Auch eine Eskalation mit Rom soll vermieden werden.

Keine offizielle Stellungnahme

Der Sprecher der Schweizer Bischofskonferenz wollte gegenüber swissinfo zu dieser Frauen-Ordination nicht Stellung nehmen, obschon die Bischöfe in der Vergangenheit sagten, dass sie keine Möglichkeit sähen, die letzte Sanktion (die Exkommunikation) zu vermeiden.

Doch Wyss gibt sich nicht besonders besorgt für den Fall, das dies eintritt. "Römisch-katholisch bleibe ich ja trotzdem, nur bin ich nicht länger von der Kirche akzeptiert", stellt sie fest. "Und da ich ohnehin keine Chance hätte, mit meiner Denkweise innerhalb der Kirche eine Anstellung zu erhalten, verändert sich realistisch betrachtet nicht viel."

Keine Klerikerinnen

Die Theologin will nun ihren normalen priesterlichen Pflichten nachkommen, die Messe lesen, für Taufen oder Hochzeiten zur Verfügung stehen, und natürlich für jene einzustehen, die Hilfe benötigen. Sie werde keine Klerikerin sein, aber als Priesterin praktizieren.

Wyss glaubt, es sei heute normal für Frauen, Priesterinnen werden zu wollen, da ja die Gesellschaft auch nicht mehr männlich dominiert sei. Sie habe jedenfalls viel Unterstützung erhalten.

"Viele Frauen und Männer meinten mir gegenüber, es sei nach 2000 Jahren langsam an der Zeit für die Kirche, Frauen als Menschen zu akzeptieren."

swissinfo, Scott Capper
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle)

Fakten

In der Schweiz deklariert sich 42% der Bevölkerung als römisch-katholisch.

Die Schweiz kennt zwei Abtrennungen der katholischen Kirche:

Die Alt- (Christ-)Katholische Kirche trennte sich 1870 von Rom, da einige Priester das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit nicht akzeptieren konnten.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist traditionalistisch (Marcel Lefebvre) und widersetzt sich den Prinzipien des Zweiten Vatikanischen Konzils, anerkennt jedoch den Papst.

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In Kürze

Die Frauen-Ordination sorgt innerhalb der römisch-katholischen Kirche seit langem für Debatten.

Doch 1994 veröffentlichte der Papst den apostolischen Brief "Ordinatio Sacerdotalis", und das Thema wurde offiziell ad acta gelegt.

Laut der Kirche leitet sich die männliche Priesterschaft von der Person Jesus und seinen Aposteln ab.

Das Kirchenrecht erlaubt die Ordination nur männlichen Getauften.

Da aber der Priestermangel überhand nimmt, ist das Thema Frauen-Ordination eben doch nicht vom Tisch.

Befürworter sagen, es lägen Beweise vor, wonach in Westeuropa im 5. und 6. Jahrhundert die Frauen-Ordination existiert habe.

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