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Euro 2008: Schweiz erwartet grossen Schub nach vorne

Die Erfolge der Schweiz an der WM 2006 brachten die Fans zum Jubeln.

(Keystone)

Genau in einem Jahr beginnt die Euro 2008. Die Schweiz verspricht sich davon wirtschaftlich und emotional viel Schubkraft: Als Ko-Gastgeberin beherbergt sie die Crème der europäischen Fussball-Teams.

Mit der Europa-Meisterschaft findet erstmals seit 1954 wieder ein grosser Fussball-Anlass in der Schweiz statt. Er startet nächsten Juni in der Schweiz und Österreich.

Der Präsident des Schweizerischen Fussball-Verbands, Ralph Zloczower, kann sich noch gut an die Weltmeisterschaften vor mehr als 50 Jahren in der Schweiz erinnern. Doch zum noch grösseren Ereignis, so glaubt er, werde die Euro 2008.

"1954 kam die ganze Welt in die Schweiz gereist. Obwohl das Fliegen weltweit noch nicht so üblich war wie heute", sagt er gegenüber swissinfo. "Deshalb war der Anlass damals zwar einzigartig - aber dennoch nicht so einzigartig wie es Europa-Meisterschaften heute sind."

Das Vorrücken des Schweizer Nationalteams bis ins Viertelfinale während der WM in Deutschland letztes Jahr habe im Land selbst zu viel Jubel und Stolz geführt. So ein ungehemmtes Ausleben der fussballerischen Begeisterung sei 1954 noch nicht üblich gewesen.

Zloczower hofft, dass diese patriotischen Gefühle wieder hochkommen, wenn es darum geht, die eigene Mannschaft – und die Sonne – in Schönwetter-Stimmung zu bringen.

"Vor fünfzig Jahren, so kurz nach dem Weltkrieg, blieben die Leute noch viel ruhiger und verhielten sich ganz anders als heute", bemerkt er.

Er erwartet viel Gefühl und Emotionen. Damit Euro 2008 aber wirklich zum Erfolg werde, brauche es schönes Wetter und eine eigene Nationalmannschaft, die gut abschneide.

Erhörte Bitten

Die Spieler scheinen Zloczowers Bitten erhört zu haben. Gegen Argentinien schnitten sie Anfang Monat mit einem respektablen 1:1-Unentschieden ab. Damit fand eine Serie von schlechten Resultaten ihr Ende. Auch die Turbulenzen rund um den ersetzten Mannschafts-Kapitän Johann Vogel sollten sich gelegt haben.

"Es scheint mir normal, dass wir nach den WM-Resultaten von 2006 nicht auf gleichem Niveau weiterfahren konnten. Für eine so kleine Fussball-Nation wie die Schweiz wäre das unmöglich gewesen", sagt der SFV-Präsident. "Doch nach dieser schwierigen Zwischenphase sollten wir jetzt unseren Weg wieder gefunden haben."

Man erwartet, dass die Euro 2008 Zugewinne in Form von 1,5 Mrd. Franken Einnahmen liefert und rund 6000 Jobs kreiert werden.

Die erwarteten 5,4 Mio. Besucherinnnen und Besucher dürften der Tourismusbranche willkommen sein. Auch Baubranche, Nahrungsmittelsektor, Medien und Werbung werden sich ihren Anteil am Kuchen abzuschneiden versuchen.

Ein geschätzter Reingewinn von 860 Mio. Franken sollte mithelfen, die gesamten Gastgeber-Kosten der Schweiz zu decken.

Die Schätzungen sind kürzlich vom Bundesamt für Sport nach oben revidiert worden, nachdem der Einfluss von Grossleinwand-Anlässen nachträglich noch miteinbezogen wurde. Diese hatten sich an der WM in Deutschland als Riesenerfolg erwiesen.

Weg mit den Stereotypen

Die Meisterschaften werden die Schweiz zum Vorzeigeobjekt machen, wie Sportminister Samuel Schmid vor einem Monat erwähnt hat.

Auf diese Weise lassen sich der übrigen Welt die traditionellen Schweizerischen Qualitäten wie Pünklichkeit und Verlässlichkeit, Sauberkeit und Korrekheit vorführen, und ausserdem negative Vorurteile abbauen.

Im Ausland denken viele, dass die Schweiz ein langweiliges Land sei, und dass auch die Schweizer etwas fade seien, sagte Schmid. "Wir möchten zeigen, dass man bei uns auch festen kann, und dass die Leute offen und hilfsbereit sind."

Zloczower stimmt dem zu. Der Umstand, dass die Schweiz nächstes Jahr im internationalen Rampenlicht steht, eröffne viele Möglichkeiten.

Nächstes Jahr werde eine grosse Anzahl an Gästen in der Schweiz anzutreffen sein. Deshalb müsse man den Anlass gut organisieren. "Ich bin sicher, dass wir bereit sein werden", so Zloczower. "Ich wünsche mir, dass diese Meisterschaft als ein erfreulicher und vergnüglicher Anlass in Erinnerung bleibt."

swissinfo, Matthew Allen
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander P. Künzle)

In Kürze

Die Schweiz erhielt 1954 die Ehre, die Fussball-WM durchzuführen – zum 50. Geburtstag des Weltfussball-Verbands Fifa, der seinen Sitz in Zürich hat.

Das Schweizer Team drang damals bis ins Viertel-Finale vor. Die WM wurde jedoch im Endspiel im Berner Wankdorf-Stadion von Deutschland gegen Ungarn gewonnen.

Für die Europa-Meisterschaften qualifizierte sich die Schweiz erstmals 1996. Doch blieben Erfolge, wie auch 2004, aus.

Das jeweilige Gastgeber-Team erreichte in 11 der bisher 12 EM-Austragungen zumindest das Halbfinale. Spanien, Italien und Frankreich gewannen die Meisterschaften als Gastgeber, Portugal verlor 2004 als Finalist.

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Fakten

15 der insgesamt 31 Euro-2008-Fussballmatchs werden in der Schweiz gespielt, 16 in Österreich.

Das Eröffnungsspiel findet am 7. Juni 2008 im Basler St. Jakobs-Stadion statt.

Das Endspiel folgt am 29. Juni in Wien.

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