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FIFA-Boss: Nun 100 Tage Ruhe

Weniger Fehlentscheide der Schiedsrichter - Sepp Blatter sieht Verbesserungs-Bedarf.

(Keystone)

Nach der Übergabe des WM-Pokals an die Brasilianer muss sich der Walliser Sepp Blatter den heiklen Dossiers zuwenden, die auf ihn warten.

Die Krise des Weltfussball-Verbandes, die schwerwiegenden Anschuldigungen von FIFA-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen, der stürmische Kongress in Seoul, der schliesslich mit der triumphierenden Wiederwahl Blatters endete; dann einen Monat lang Weltmeisterschaft zwischen den beiden Austragungs-Ländern: Der FIFA-Chef war mitten in den Auseinandersetzungen und musste sich recht oft mit Störfaktoren herumschlagen, insbesondere im Zusammenhang mit überlastetem Kalender und Schiedsrichter-Problemen.

Doch in wenigen Stunden ist die WM vorbei. Eine Bilanz und ein Ausblick.

Sepp Blatter, wie ist Ihr Gesamt-Eindruck von dieser WM?

Es war sicher nicht die spektakulärste WM, aber zweifellos die interessanteste der Geschichte. Sei es auch nur deshalb, weil sie in Asien stattgefunden hat, in einem besonderen Klima, in zwei Ländern, welche sich näher gekommen sind.

Speziell war auch die Atmosphäre in den Stadien und die zahlreichen Überraschungen, welche die WM bereichert haben.

Ich habe es schon früher gesagt: Es kann immer Überraschungen geben, doch beinahe nie Wunder. Diese Aussage hat sich bestätigt, sogar mit vielen Überraschungs-Mannschaften. Doch schliesslich haben wir nun den Final Brasilien - Deutschland, zwei der grössten Fussball-Nationen.

Frankreich, Portugal, Italien oder auch Spanien schieden früher aus als erwartet. Fehlte den Spielern die Frische nach einer ermüdenden Saison, in der viele bis rund 10 Tage vor der WM für ihre Klubs auf dem Rasen standen?

Die FIFA muss sich nach dem Kalender der Europameisterschaften richten. Es ist Sache der betroffenen Länder, eine Lösung zu finden.

Wir haben die Ligen mit maximal 16 Mannschaften gelobt. In England, Spanien oder Frankreich bestehen die ersten Divisionen aus 20 Mannschaften. Wie dem auch sei, diejenigen, die sich über ungenügende Vorbereitung beklagen, sind dafür selber verantwortlich. Die WM-Daten sind seit über zwei Jahren bekannt: Die Verantwortlichen hätten ihre Kalender anpassen können.

Sie haben nach mehreren Schiedsrichter-Fehlentscheiden eingeriffen. Wie wird die FIFA da reagieren?

Die Fehler werden nicht nur von der Schiedsrichter-Kommission analysiert werden. Wir werden Lösungen suchen - beispielsweise mit der Einführung eines Zusatzrichters hinter den Toren oder mittels dreier Schiedsrichter, die jeweils bereits während mindestens zwei Jahren zusammenarbeiten.

Insgesamt - d.h. sämtliche Spiele eingeschlossen - waren übrigens nicht mehr als 10% Fehler zu verzeichnen; und zwar unter ungünstigen Umständen mit grossen Mannschaften, die eine Ausscheidung bewirkte.

Von nächster Woche an ist Michel Zen-Rufinen nicht mehr Generalsekretär der FIFA. Wird in der Organisation wieder Ruhe einkehren?

Als Präsident fühle ich mich dafür verantwortlich. Ich habe am Freitag in Tokio vom Exekutivkomitee eine Frist von 100 Tagen verlangt. Dann werde ich Vorschläge präsentieren, wie das FIFA-Generalsekretariat wieder in Ordnung gebracht werden kann.

Aber nach all dem Unrecht, welches der FIFA und ihrem Präsidenten widerfahren ist: Wir sind seit dem Kongress eine geeinte Familie. Ich bin ja immerhin mit über 70% der Stimmen wiedergewählt worden.

Interview: Gabriel Nadav, Tokio


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