ABB auf Schleuderkurs
Der Technologie-Konzern ABB hat am Freitag nach Gerüchten über Liquiditäts-Engpässe an der Börse massive Kursverluste von bis zu 12% hinnehmen müssen.
Bereits am Donnerstag war die ABB-Namenaktie zeitweise um 10% abgestürzt. Auslöser war der Vorabdruck eines Artikels der Wirtschaftszeitung «Cash», in dem über kurzfristige Liquiditäts-Engpässe berichtet wurde.
Am Freitagvormittag dauerte der Absturz der Aktie an. Zeitweise wurde sie noch zu 10,35 Franken gehandelt, 12% unter dem Vortages-Schlusskurs. Am Abend lag der Schlusskurs der ABB-Aktie bei 11,25 Franken, was einem Minus von 5,5% entspricht.
ABB-Dementi
ABB-Konzernsprecher Thomas Schmidt dementierte den genannten Fehlbetrag von rund 13 Mrd. Dollar. Es sei richtig, dass ABB kurzfristige Verbindlichkeiten in der Höhe von 19 Mrd. Dollar habe, der Konzern weise jedoch 19,5 Mrd. Dollar an Werten und Mitteln aus.
Die Zürcher Kantonalbank bezeichnete die finanzanalytischen Berechnungen in dem «Cash»-Artikel als zu stark vereinfacht. «Wir gehen nicht davon aus, dass ABB das gleiche Schicksal wie Swissair ereilen wird», hiess es.
ABB-Konzernsprecher Schmidt wies zudem auf die Einschätzung der Rating-Agentur Moody’s hin, welche ABB weiterhin das höchste Rating für die Zahlungsfähigkeit kurzfristiger Schulden ausstelle.
Image-Schaden
Bei der kritischen Finanzsituation und der schlechten Presse wegen der horrenden Managerbezüge brauche es momentan nicht viel, um die ABB-Aktie abstürzen zu lassen, sagte Andreas Riedel, Analyst bei der Bank Sarasin. Die ABB-Aktie sei zur Zeit aber nicht unterbewertet.
Bei der Eigenkapitalquote von 6% sei der Konzern in einer gefährlichen Nähe zum Konkurs. Andererseits generiere der Konzern einen positiven Cash-Flow, und die Zahlen vom vierten Quartal gäben Anlass zur Hoffnung auf einen Turnaround, sagte Riedel. Laut ZKB kann sich das ABB-Management keine kapitalen Fehler mehr erlauben.
Drei Millionen Franken für Centermann
Im jüngst publizierten Jahresbericht veröffentlichte ABB die Bezüge der Manager und Verwaltungsräte im vergangenen Jahr. Demnach verdiente ABB-Chef Jürgen Centermann 3 Mio. Franken, wobei die Hälfte des Lohnes aus Bonuszahlungen bestand. Die neun weiteren Geschäftleitungs-Mitglieder kassierten insgesamt 13 Mio. Franken inklusive Bonuszahlungen.
Percy Barnevik hatte als Verwaltungsrats-Präsident 1,5 Mio. Franken jährlich erhalten. Nach seinem Rücktritt im November war die Summe für seinen Nachfolger Jürgen Dormann auf eine Million reduziert worden. Vizepräsident Robert A. Jeker erhielt 400’000 Franken, die übrigen Verwaltungsrats-Mitglieder jährlich 250’000 Franken.
swissinfo und Agenturen
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