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Astroconsulter statt Finanzanalysten

Beliebt bei Aktionären - der Blick in die Sterne. Keystone Archive

Dezemberrallys gehören statistisch zu den belegbaren Fakten der Schweizer Börse. Doch für 2002 liegt das Schicksal des Aktionärs noch in den Sternen.

Unschweizerisches zeichnet sich ab am helvetischen Börsenhorizont: Astrologen erleben einen Boom als Börsenberater. Was als Methode für Liebes- und Erfolgssaussichten nie aus der Mode kommt, zieht nun als Fortsetzung der Finanzanalyse und der Chartistenmethode im Finanzsektor ein: Sterndeuterei als Finanz-Astroconsulting.

Zur (Zu-)Flucht in diese Börsenesotherik trägt die allgemeine Unsicherheit der vergangenen Börsenjahre bei. Jahrelang galten an der Börse simple, aber effektive Regeln: «Kaufe im Frühling, verkaufe im Dezember». Die Dezemberrally in der Schweiz war der sichere Tipp, um die letzte Steuerrechnung zu finanzieren. Doch diese sicheren Werte zerbröckelten mit der Globalisierung und gehören nun zur vergangenen Blüte des Finanzplatzes Schweiz.

Dass die Rally statistisch gesehen immer noch kommen kann, wie die Zürcher Kantonalbank jüngst bewies, glauben die Anleger in der Zwischenzeit nicht mehr. Obwohl die ZKB vorrechnet, dass seit 1988, als der SMI eingeführt wurde, der Index jeden Dezember um drei Prozent wuchs.

Rendite liegt in den Sternen

Ein Börsenastrologe, Rudolf Mayr aus Münchenbuchsee, kann sich der Anfragen kaum noch erwehren, wie die Berner Zeitung im Dezember schreibt. Der 67-jährige hatte den 87iger Börsencrash vorausgesagt. Mayr behauptet gegenüber der BZ, dass auch Banken zu seiner Kundschaft gehören. Letzten Frühling habe er sogar den Krach im Herbst vorausgesagt – anders als viele Finanzanalysten, die zumindest schweigen mussten.

Besserung erst ab Mai 2002

Mayr deutet den Upswing erst ab Mai 2002. Vorher soll man sich an Obligationen halten. Europäische Aktienstrategen erwarten demgegenüber fürs nächste Jahr zweistellige Kurszuwächse, wie die «Financial Times Deutschland» Mitte Dezember ihre Umfrage interpretiert.

Astroconsulting im «Courant normal»

Ausserhalb der Börse sind Astrofirmen in der Schweiz besser etabliert als in Europa. Der Pro-Kopf-Umsatz für Astroconsulting betrage das Fünffache des europäischen Durchschnitts, so Alois Treindel vom Astrodienst, Zollikon ZH, gegenüber der Berner Zeitung. Der Astrodienst und andere Firmen spüren zwar die Rezession, weil sie sich als konjunkturanfälligen Luxusservice definieren.

Nur im Dezember, da herrscht saisonal bedingt Branchen-Hochkonjunktur: Denn Astroconsulter verzeichnen im Gegensatz zur Börse seit jeher eine Dezemberrally. Jahresend-Vorschauen und Sterndeutungen fürs kommende Jahr werden wohl auf die Länge auch die Börse selbst überleben.

Alexander P. Künzle

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