Bank Sarasin: Holland steigt ein
Die holländische Rabobank-Gruppe übernimmt 28 Prozent der traditionsreichen Basler Privatbank Sarasin. Damit verliert das Basler Finanzinstitut ihren Status als Privatbank.
Die Allianz mit der Rabobank-Gruppe geschehe zur Zukunftssicherung der Bank Sarasin, sagte Verwaltungsrats-Präsident Georg Krayer am Montag in Basel vor den Medien: «Wer wächst, braucht neue Kleider.» Es handle sich nicht um einen Verkauf sondern um ein «Zusammenlegen der Kräfte», betonte Krayer.
Die Allianz mit der drittgrössten niederländischen Bank erlaube es der Bank Sarasin, in einem hart umkämpften internationalen Markt ihre Private-Banking-Aktivitäten weltweit weiterzuführen.
Die Rabobank integriert demnach die eigenen Vermögensverwaltungs-Aktivitäten mit Sitzen in der Schweiz, in Luxemburg, auf Guernsey sowie in Hongkong und Singapur in die Bank Sarasin.
Arbeitsplätze gehen verloren
In der Schweiz sind Standorte in Zürich und Genf von der Zusammenlegung betroffen, wie Firmenchef Peter Merian sagte. An den beiden Standorten dürften zusammen rund 80 Arbeitsplätze abgebaut werden.
Das traditionsreiche Basler Finanzinstitut muss in der neuen Allianz seinen Status als Privatbank aufgeben. Rabobank übernimmt in einem ersten Schritt 28 Prozent des Sarasin-Aktienkapitals. Zugleich wird die Rechtsform der Privatbank von einer Kommandit-Aktiengesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
Mehrheits-Übernahme geplant
Rabobank erwirbt zudem eine Call-Option auf 100 Prozent der Eichbaum-Holding AG, über welche die zehn Sarasin-Teilhaber ihre Eigentumsinteressen zusammenfassen. Die Option läuft über einen Zeitraum von sieben Jahren.
Wie ein Rabobank-Kader vor den Medien in Basel sagte, wird diese Option wahrgenommen. Über die finanziellen Aspekte des Deals wurden keine Angaben gemacht.
Anstieg der verwalteten Vermögen um ein Drittel
Mit der Übernahme der durch die Rabobank betreuten Vermögen von 16,3 Mrd. Franken steigen die verwalteten Vermögen der Bank Sarasin auf einen Schlag um fast ein Drittel auf rund 56 Mrd. Franken. Durch die Integration der Geschäfte sollen ab 2003 Synergien in der Höhe von 15 Prozent des pro forma-Gewinns 2001 geschaffen werden.
Wenig glanzvoller Jahresabschluss
Wenig glanzvoll präsentiert sich der Abschluss der Bank Sarasin für das Jahr 2001. So sank der Reingewinn der Gruppe im Vergleich zum Vorjahr um 46,5 Prozent auf 70,1 Mio. Franken. Dabei ging der Ertrag in allen Sparten zurück.
Auch die verwalteten Vermögen bildeten sich zurück, und zwar um 6,1 Prozent auf 38,9 Mrd. Franken. Dies bewertete Finanzchef Matthias Hassels in dem für Vermögens-Verwalter schwierigen Jahr allerdings als nicht so ungünstig. Der Bank seien nämlich im vergangenen Jahr neue Gelder zugeflossen: «Die Zuwächse wurden allerdings durch die Performance-Entwicklung aufgezehrt.»
Bei der genossenschaftlich organisierten Rabobank sind laut Konzern-Leitungs-Mitglied Rik van Slingelandt rund 9 Millionen der insgesamt 16 Millionen Holländer Kunden. Die Bilanzsumme der Rabobank-Gruppe beträgt per Ende 2000 342,9 Mrd. Euro.
swissinfo und Agenturen
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