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Barnevik: 148 Mio. Bezüge

Müssen die ex-ABB-Konzernleiter Göran Lindahl (links) und Percy Barnevik einen Teil ihrer Pensionsbezüge zurückerstatten? swissinfo.ch

Der frühere ABB-Chef hat bei seinem Abgang 148 Mio. Franken erhalten. Folge der Debatte: Er trat nun als Aufsichts-Rat der dänischen Investor zurück. 2001 schrieb ABB Milliarden-Verlust.

Während der Technologiekonzern ABB für 2001 einen Riesenverlust von 1,2 Mrd. Franken ausweist, soll der bekannte frühere ABB-Konzernleiter Percy Barnevik 1996 für 148 Mio. Franken Pensionskassenbezüge erhalten haben.

Sein Nachfolger Göran Lindahl erhielt Bezüge in der Höhe von 85 Mio. Franken, wie ABB an der Bilanz-Medienkonferenz am Mittwoch bekannt gab. Nun sollen diese Bezüge unter die Lupe genommen werden.

Betrag «überraschend hoch»

In der Schweizer Öffentlichkeit beschäftigt man sich momentan stark mit dem Thema Transparenz in Sachen Verwaltungsrats-Tantiemen und Führungs-Salairen. Auch eine parlamentarische Kommission setzt sich damit auseinander.

Noch sitzt im Zusammenhang mit dem Swissair-Debakel der Schock rund um die 12 Mio. Franken tief, die der Swissair-Chef Mario Corti zum voraus erhielt. Doch die 148 Millionen eines Barnevik relativieren Cortis 12 Mio. Franken stark.

Für den heutigen ABB-Chef Jörgen Centerman ist klar: «Die Zahlen sind überraschend hoch. Daran gibt es keinen Zweifel.»

Folgen für Barnevik

Noch ist unklar, wie der ABB-Verwaltungsrat mit den Einkünften seiner früheren Konzernleiter Percy Barnevik und Göran Lindahl umgehen wird: Es werde eine Rückerstattung jener Beträge angestrebt, die über die üblichen Verpflichtungen hinausgingen, hiess es. Der Verwaltungsrat hofft, dass die Angelegenheit einvernehmlich gelöst werden kann.

Derweil machte die Neuigkeit bereits europaweit die Runde – und zeitigte Folgen: Barnevik ist am Donnerstag mit sofortiger Wirkung von seinem Posten im Aufsichtsrat der Finanzgesellschaft Investor zurückgetreten. Barnevik wies die Vorwürfe zurück, weiter wollte er sich aber weder zu möglichen Geld-Rückzalungen noch zu seinem Rücktritt bei Investor äussern.

ABB: Absturz nach 2000

Immerhin hatte ABB 2000 noch einen Gewinn von über 2,4 Mrd. Franken ausgewiesen. Der Absturz während des vergangenen Geschäftsjahres sei vor allem auf Rückstellungen für die Asbest-Klagen in den USA zurückzuführen, wie der Konzern schon letzte Woche mitgeteilt hatte.

Die Zahl neuer Asbest-Klagen gegen die ehemalige ABB-Tochter Combustion Engineering war im letzten Jahr auf 55’000 (Vorjahr: 39’000) geklettert. Die Zahl aller hängigen Klagen stieg damit bis Ende 2001 auf 99’000 (66’000).

Neben den Asbest-Klagen belasteten Abschreibungen auf einzelnen Anlagen sowie Kosten und Rückstellungen für Projektverluste die Rechnung. Andererseits vermochte ABB die Nettoschulden im vierten Quartal 2001 massiv zu senken.

Im Gespräch mit swissinfo beschrieb Centerman das Jahr 2001 als das schwierigste in der Geschichte von ABB.

Restrukturierungsprogramm – Stellenabbau

Mit dem Restrukturierungsprogramm, das unter anderem einen massiven Stellenabbau vorsieht, liegt ABB dem eigenen Fahrplan voraus. Es seien 2001 bedeutende Schritte unternommen worden, um ABB wieder auf Kurs zu bringen, so Konzernchef Jörgen Centerman. «Ich will die Schulden reduzieren», sagte Centerman weiter. «Aber es ist klar, dass ich die Kronjuwelen nicht hergeben werde.»

Der Umsatz des ABB-Konzerns nahm im Vergleich zum Vorjahr um 3% auf 23,73 Mrd. Dollar zu. Die Bestellungen gingen dagegen um 7 (-2) Prozent auf 23,78 Mrd. Dollar zurück.

Der Verwaltungsrat beantragt, wegen des hohen Verlustes und um die Bilanz zu stärken, keine Dividende an die Aktionäre auszuzahlen. Für das laufende Jahr rechnet ABB wieder mit einem Gewinn.

Analysten enttäuscht – Kurse fallen

An der Börse verloren die Titel am Vormittag in einem zunächst volatilen Handel 4,6% auf 13,45 Franken, um sich gegen Mittag wieder leicht auf 13,60 Franken zu erholen. Seit Jahresbeginn sanken die Kurse um 16%.

Die Analysten zeigten sich enttäuscht: Besonders der Reinverlust von 691 Mio. Dollar fiel deutlich schlechter aus als erwartet. Insgesamt liege das Ergebnis klar unter den Erwartungen des Marktes, hielt ein Analyst fest.

Gut aufgenommen wurde dagegen der unerwartet starke Abbau der Verschuldung um 3,72 Mrd. Franken. Angesichts der mit der Gesellschaft verbundenen Unsicherheiten sei ein Kursabschlag von 3% gegenüber anderen Branchenwerten gerechtfertigt, hiess es.

swissinfo und Agenturen

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