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Die Hitzeblase der Strompreise platzt

Der lange, heisse Sommer liess einige Stromproduzenten gute Kasse machen. picswiss.ch

Die durch die Hitzewelle bis aufs Zehnfache gestiegenen Strompreise am Spotmarkt schrumpfen mit der einsetzenden Kühle.

Schweizer Stromhändler und -produzenten hatten von der Hitze und deren Auswirkungen auf die Preise im möglichen Rahmen, das heisst beschränkt, profitiert.

Diesen Sommer konnte mancher Schweizer Stromproduzent das eine oder andere hübsche Nebengeschäft machen. Die Hitze nämlich liess den Spotmarktpreis für schnell verfügbare Elektrizität teilweise praktisch explodieren.

Ist der Strom sonst im kalten Winter gefragt und teuer, heizten Klimaanlagen und Ventilatoren die Nachfrage in der sommerlichen Hitzeperiode zünftig an.

Und: Hitze herrschte europaweit während Wochen. Privilegiert war da die Schweiz mit ihrer insgesamt sicheren und stetigen Wasserkraft. Punkto Strom ist und bleibt in der Schweiz alles im grünen Bereich, wie Hansjörg Schnetzer, Pressesprecher beim Axpo-Konzern, versichert.

Die Strompreise auf dem europäischen Markt hätten sich recht heftig bewegt, sagt Schnetzer. Schon sonst volatil, habe sich der Preis für eine Megawattstunde (MWh) innert eines Tages schon einmal auf das Zehnfache erhöhen können.

Heftig schlägt die Strombörse vor allem aus, weil das dort frei gehandelte Angebot recht klein ist.

Inland-Versorgung geht vor

Schweizer Stromhändler setzen neben realem Strom auch so genannte Futures um. Der Umfang der Handelsware ist laut Schnetzer beschränkt:

Inländische Kraftwerkbetreiber müssen erst einmal die Versorgung ihrer Konzessionsgebiete sicherstellen. Im Sommer exportiert die Schweiz – vertraglich gebunden – Überschuss aus der Wasserkraft. Dafür liefern ihr die ausländischen Partner bei Engpässen im Winter Strom, wenn die Stauseen sich noch nicht gefüllt haben.

Nur was übrig bleibt, bei der Axpo sind dies 2 bis 3 Prozent, kommt auf den Markt. Dieser Strom wird an einer der Strombörsen in Paris, Amsterdam oder vorwiegend Leipzig gehandelt.

Richtgrösse für den Schweizer Strom bildet der Swiss Electricity Price Index (Swep). Vergangene Woche lag er mit fast 400 Franken pro Megawattstunde auf dem Achtfachen des «normalen» Sommerpreises.

Der Swep wird jeden Tag zwischen 11 und 12 Uhr ab Platz in Laufenburg festgelegt.

Nur Zugabe

Eine grosse Stromhändlerin der Schweiz ist die Aare-Tessin AG, Atel. Der Handel mit schnell und frei verfügbarem Strom ist auch für sie nur das «Schäumchen auf dem Espresso», wie ihr Sprecher Rolf Schmid sagt.

Auch bei Atel sei der grösste Teil des Volumens an Kontrakte gebunden. Das Interessante derzeit sei, dass sich Sommer- und Winterpreise annäherten. Das sei nachfragebedingt.

In diesem Sommer machte manch einer ein gutes Geschäft mit Strom. Dies beobachtete auch Schnetzer.

Die Leitungen nach Italien und Frankreich liefen buchstäblich heiss. In Frankreich hätten die stark erhitzten und entsprechend tief zwischen den Masten herabhängenden Hochspannungs-Leitungen sogar Brände ausgelöst.

Schnelle Abkühlung

Je kühler der Sommer nun werde, desto «cooler» würden die Stromhändler, prophezeien Schnetzer und Schmid. Die Rekordpreise dürften bereits nach einigen kühleren Tagen der Vergangenheit angehören.

Für die Schweizer Stromkonsumenten ergäben sich aber durch den langen, heissen Sommer keine Folgen, versichern sie. Die kurzfristigen Preisausschläge gelten für den Handel der Stromkonzerne untereinander.

Ein rasches Ende der Hitzeblase bei den Strompreisen hatte sich in Deutschland nach einer ersten Abkühlung bereits ab dem 14. August eingestellt. Die Spitzenpreise aus den letzten Tagen werde man zumindest diesen Sommer nicht wieder sehen, erklärte etwa Erik Saether, Geschäftsführer der Stromhandels-Gesellschaft Vattenfall Europe Trading nach deutschen Medienberichten.

swissinfo und Agenturen

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