The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Die Unsicherheit verringern

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) teilt Fritz Blasers Einschätzung der Schwäche der Schweizer Wirtschaft, unterstützt aber nicht seine Lösungen.

SGB-Sprecher Pietro Cavadini im Gespräch mit swissinfo.

Die Lösungsvorschläge von Fritz Blaser zur Wiederbelebung der Schweizer Wirtschaft sind eindeutig: Der Chef der Chefs stützt sich auf eine liberale Doktrin, um zu verhindern, dass die Schweiz von ihren Wirtschaftspartnern abgehängt wird.

Sein Credo: Weniger Staat, weniger Sozialausgaben, mehr Flexibilität, bessere Rahmenbedingungen, insbesondere bezüglich der mittel- und langfristigen Finanzierung.

SGB-Sprecher Pietro Cavadini nimmt Stellung.

Wie reagieren Sie auf die Vorschläge von Fritz Blaser?

Pietro Cavadini: Fritz Blaser ist selbstkritisch, und dies aus gutem Grunde. Seit gut zehn Jahren sind die wirtschaftlichen Bedingungen weder für Arbeitnehmer noch Arbeitgeber gut. Sicher müssen die Rahmenbedingungen neu angepasst werden. Hingegen sind wir gegen einen weiteren Abbau der Sozialleistungen.

Wieso?

P.C.: Dieser Ansatz wird seit zehn Jahren verfolgt – mit den bekannten Resultaten. Die Versicherungsbranche steckt in der Krise, Swissair gibt es nicht mehr und zahlreiche weitere Unternehmen, die zum guten Ruf der Schweiz beitrugen, stecken in Schwierigkeiten oder gingen ein.

Auf welche Lösungen drängen Sie?

PC: Es ist absolut notwendig, dass die Bevölkerung und die Arbeitnehmer nicht weiter verunsichert werden, wie etwa durch den Vorschlag von Sozialminister Pascal Couchepin, die Lebensarbeitszeit zu erhöhen bei gleichzeitiger Reduktion der AHV-Leistungen.

Die Menschen reagieren mit einer Reduktion ihres Konsums, was wiederum das Wirtschaftwachstum hemmt.

In den letzten zehn Jahren war das Wirtschaftswachstum in der Schweiz kleiner als in vergleichbaren europäischen Ländern, beispielsweise kleiner als in den Niederlanden. Wie könnte man das aus Ihrer Sicht ändern?

P.C.: Die Gründe für dieses Phänomen sind vielfältig. Doch ich glaube, dass die Politik, welche die Schweizer Nationalbank bis Mitte der 90er Jahre verfolgte, hauptsächlich dafür verantwortlich ist.

Seit einigen Jahren ist ihre Politik viel effizienter und dürfte den Wiederaufschwung begünstigen. Die Entwicklung der letzten Zeit hat gezeigt: es reicht eine Wiederaufnahme des Wachstums, welches weltweit ins Stottern geraten ist, damit die Maschine wieder in Gang kommt.

Auch die Statistiken der OECD zeigen, dass die Schweiz im internationalen Vergleich weniger wettbewerbsfähig ist als noch vor 10 Jahren.

P.C.: Dieses Argument geistert in solchen Situationen immer umher. Doch ich glaube, man müsste die verschiedenen Sektoren separat betrachten.

Es gibt Bereiche, in denen die Schweiz weiterhin an der Spitze mit dabei ist. Und unter der Bedingung, dass der Staat weiterhin die nötigen Investitionen tätigt, gibt es keinen Grund, dass sich das ändert.

Andererseits ist es in Bereichen, wo die Arbeitskräfte im Ausland sehr viel billiger sind, schwierig mitzuhalten. Auch mit leistungsstarken Maschinen geht das nicht.

swissinfo-Interview: Jean-Didier Revoin

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft