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Eine Schweiz jenseits der Klischees

Die Jugendlichen haben ein modernes und offenes Land kennen gelernt. Präsenz Schweiz

Die Schweiz hat 150 europäische Schülerinnen und Schüler zu einer einwöchigen Reise eingeladen, um das von Klischees geprägte Bild der Schweiz zu ergänzen.

Die Schulklassen sind Gewinner eines von Präsenz Schweiz durchgeführten Video-Wettbewerbs.

«Drehen Sie mit ihrer Klasse ein ehrliches Video zum Thema Schweiz», lautete die Aufgabe, mit der Anfang Jahr Präsenz Schweiz den Wettbewerb in acht europäischen Ländern lancierte.

Mit dem Projekt «experience switzerland» will die Image-Agentur des Bundes herausfinden, wie es um das Bild der Schweiz bei den Jugendlichen im Ausland steht.

Positive Klischees

Wie die Kurzvideos nun zeigen, ist dieses Bild geprägt von vorwiegend positiven Klischees: Berge, Kühe, schöne Landschaften, Schokolade, Käse, Uhren, Banken, Armeemesser, Fondue, Heidi und Wilhelm Tell. Erwähnung finden auch die Mehrsprachigkeit, das Abseitsstehen bei der EU sowie das billige Benzin.

Überraschend ist die starke Auslandspräsenz von Schweizer Marken: Toblerone, Swatch und Ricola, aber auch DJ Bobo werden gleich in mehreren Videos thematisiert.

Es scheint, dass die Schweiz ihre Klischees nicht los wird. «Es gelang uns einfach nicht, über banale Ideen hinauszugelangen», gesteht eine italienische Klasse in ihrem Video ein. Andere versuchten die Klischees ironisch zu brechen, ohne diesen jedoch ein anderes Schweiz-Bild entgegensetzen zu können.

Startpunkt Jungfraujoch

«Ich bin froh, dass die Klischees so präsent sind», sagte Botschafter Johannes Matyassy von Präsenz Schweiz an der Abschluss-Veranstaltung von «experience switzerland» in Biel. Dies zeige, wie viel die Leute über die Schweiz wissen. «Für Präsenz Schweiz sind die Klischees ein guter Startpunkt, um das Schweiz-Bild zu vertiefen.»

Den Siegerklassen bot sich nun diese Woche Gelegenheit, die Schweiz besser kennen zu lernen. «Ist die Schweiz wirklich so zauberhaft? Wir sind gespannt!», heisst es am Schluss des Siegervideos aus den Niederlanden.

Auf dem Programm standen das Jungfraujoch, ein Besuch bei Nestlé in Vevey, das Olympische Museum in Lausanne und natürlich die Expo.02. Während zwei Tagen haben zudem Partnerklassen aus der Schweiz die ausländischen Jugendlichen begleitet.

«Kranke» Expo

Am letzen Tag ihrer Reise hat swissinfo mit Jugendlichen aus Deutschland und Österreich gesprochen und gefragt, wie sich ihr Bild der Schweiz verändert hat.

«Die Schweiz ist von aussen ganz anders», meint die 15-jährige Doris aus Backnang, Baden-Württemberg. «Wenn ich an die Schweiz denke, denke ich immer an Hügelland und nicht an Hightech.» Vor allem an der Expo sehe man, wie modern die Schweiz sei.

«Bei der Expo hat mich fasziniert, dass absolut gar keine Kosten gescheut worden sind», sagt die 18-jährige Veronika aus Traun, Oberösterreich. «Dass man auch völlig kranke Ideen umgesetzt hat, finde ich super.» Mit «krank» ist unter anderem die künstliche Wolke in Yverdon gemeint. In Österreich wäre eine solche Ausstellung nicht möglich, ist Veronika überzeugt. «Das wäre viel zu teuer.»

Dass auch die Schweiz sehr teuer ist, haben die Schülerinnen und Schüler auf ihrer Reise zu spüren bekommen. Dies sei auch ein Grund, warum die meisten von ihnen noch nie in der Schweiz Ferien gemacht hätten, erklären sie. Einige von ihnen würden deshalb am liebsten noch länger hier bleiben, um noch mehr zu sehen.

Schoggi-Schweiz

«Wenn ich jetzt von hier nach Hause gehe, dann kann ich irgendwie nicht glauben, dass hier alles so toll ist», meint Christopher aus Backnang. Auch Rainer aus Traun ist skeptisch: «Wir haben erwartet, man würde uns ein differenzierteres Bild der Schweiz zeigen. Doch wir haben hier – auch an der Expo – eher die Schokoladenseiten der Schweiz präsentiert bekommen.»

Er denke nicht, dass man den Jugendlichen eine Hochglanz-Schweiz präsentiert habe, sagt Michel Hueter, Projektleiter von «experience switzerland», gegenüber swissinfo. Sie hätten bewusst ein kontrastreiches Programm geboten und verschiedene Facetten der Schweiz gezeigt. Es sei aber sehr schwierig, innerhalb von fünf Tagen und mit einem Tross von 300 Leuten alle Aspekte der Schweiz abzudecken.

Einen vertieften Einblick in den Schweizer Alltag hätte der Kontakt mit Partnerklassen bieten sollen. Doch die eingeplanten zwei Tage erwiesen sich als viel zu kurz, um das Eis schmelzen zu lassen. Die Schweizer seien zwar sehr freundlich, aber eben auch sehr schüchtern und verschlossen, so das Fazit der ausländischen Jugendlichen, die sich mehr Kontakt zu Schweizern gewünscht hätten.

Ziel erreicht

Dennoch haben die Jugendlichen in diesen fünf Tagen die Schweiz als modernes und offenes Land erlebt und konnten so ihr Schweiz-Bild ergänzen. Laut Projektleiter Hueter hat die Schweiz-Reise damit ihr Ziel erreicht. Ein nächstes Mal würde er aber weniger Klassen einladen, um mehr ins Detail gehen zu können.

Auch Präsenz Schweiz kann zufrieden sein, geht es doch laut ihrem Leiter Matyassy darum, möglichst früh eine emotionale und positive Beziehung zur Schweiz aufzubauen. Bei diesen Jugendlichen ist dies sicher gelungen.

swissinfo, Hansjörg Bolliger, Biel

Es machten mit: 70 Klassen mit 1200 Schülerinnen und Schüler aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Liechtenstein.
Kosten:600’000 Franken

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