Hexagon schiesst bei Leica Geosystems nach
Hexagon hat sein Übernahmeangebot für die schweizerische Leica Geosystems erhöht. Die Börse regierte mit einem Preissprung der Aktie.
Der schwedische Technologie-Konzern teilte am Montag mit, 31% mehr zu offerieren. Leica Geosystems wäre laut Angebot somit 1,44 Mrd. Franken wert.
Der Übernahmekampf um Leica Geosystems ist voll entbrannt. Der schwedische Hexagon-Konzern hat sein Übernahmeangebot am Montag überraschend um fast einen Drittel von 436 auf 573 Franken je Aktie erhöht.
Die Schweizer Börse reagierte am Vormittag begeistert. Der Preis für eine Leica-Aktie kletterte an der Börse SWI in Zürich um 11,67% vom Freitagskurs von 514 auf das Mehrjahres-Höchst von 574 Franken. Am Abend war immer noch ein Zuwachs von 9,9% auf 565 Franken zu verzeichnen.
Neu offeriert Hexagon den Aktionären des Vermessungstechnik-Konzerns Leica Geosystems im st.gallischen Heerbrugg 440 Franken je Aktie in bar sowie fünf Klasse-B-Aktien von Hexagon, wie die schwedische Unternehmung in Zürich mitteilte.
«Eigene Schuhe essen…»
In der «SonntagsZeitung» vom 19. Juni hatte Hexagon-Chef Ola Rollen auf die Frage, ob die damals gebotenen 440 Franken pro Aktie das letzte Angebot seien, geantwortet:
«Wenn ich sage, es sei unser letztes Angebot, dann gilt dies auch. Wenn ich mein Wort nicht halte, dann esse ich meine Schuhe.»
Nun bleibt im neuen Hexagon-Angebot zwar der Preis für die Leica-Aktie gleich, doch gibt es noch dazu noch Hexagon-Aktien.
14,5% mehr als das Gegenangebot von Danaher
Basierend auf dem Schlusskurs dieser Hexagon-Aktien vom vergangenen Freitag entspricht dies einem Gesamtpreis von 573 Franken pro Leica-Aktie und 1,44 Mrd. Franken für Leica Geosystems als Ganzes.
Dies sind 31% mehr als die ursprüngliche Hexagon-Offerte und 14,5% mehr als das Gegenangebot des US-Konzerns Danaher.
Falls die Übernahme zu Stande käme, will Hexagon ihre Klasse-B-Aktien an der Schweizer Börse kotieren lassen. Hexagon ersuchte die Übernahmekommission, die Angebotsfrist zu verlängern und die Bedingungen der verbesserten Offerte zu genehmigen, die am kommenden Donnerstag veröffentlicht wird.
Die Angebotsfrist soll vom 23. August bis 23. September laufen.
Höherer Wert dank Due Diligence
Laut Hexagon-Konzernchef Ola Rollen folgte die Aufbesserung des ursprünglichen Übernahmeangebots einer in den vergangenen Wochen durchgeführten eingehenden Prüfung von Leica (Due Diligence).
Diese habe gezeigt, dass das ursprünglich angenommene Synergie- und das Leica-Wachstumspotenzial zu tief gewesen seien.
Der Deal muss noch von einer ausserordentlichen Hexagon-Generalversammlung abgesegnet werden. Laut Mitteilung haben aber die Hexagon-Hauptaktionäre Melker Schörling und Maths Sundqvist, die zusammen 62% der Aktienstimmen kontrollieren, der Aufbesserung bereits zugestimmt.
Hexagon sei überzeugt, mit dem sehr attraktiven Angebot die Leica-Aktionäre dazu bewegen zu können, in Hexagon zu investieren, um diese zur weltweit führenden Unternehmung in der Vermessungstechnik zu machen, wurde Rollen zitiert.
Leica-VR prüft aufgebessertes Angebot
Der Leica-Verwaltungsrat (VR) teilte in Heerbrugg mit, er werde das aufgebesserte Angebot prüfen. Seine formelle Stellungnahme werde in wenigen Tagen veröffentlicht.
Gemäss Übereinkunft mit dem US-Konzern Danaher nahm der Leica-VR nicht weiter Stellung. Von Danaher lag vorerst keine Stellungnahme vor.
«Es ist hart für uns»
Finanzanalysten nahmen die Aufbesserung positiv überrascht auf. Unklar war, ob Danaher nachziehen wird. Die Anleger reagierten geradezu euphorisch.
Anders reagiert der CEO von Leica Geosystems, Heinz Hess. Gegenüber swissinfo sagte er letzte Woche: «Für uns ist es hart. Wir wären lieber eine breit gestreute Publikums-AG geblieben.»
Doch übernommen zu werden, sei wohl auch nicht das Ende der Welt. «Der Unternehmen kann auch als Privatfirma erfolgreich bleiben. Wir wollten das zwar nicht, aber für unsere Kunden und Angestellten ist eine valable Alternative.»
swissinfo und Agenturen
Seit bald 200 Jahren bietet Leica Geosystems Lösungen für die Vermessung an.
Das Unternehmen ist global tätig und hat seinen Sitz in Heerbrugg, Kanton St. Gallen.
Es beschäftigt über 2400 Mitarbeitende in 23 Ländern, davon 900 in der Schweiz.
Leica Geosystems hat im vergangenen Geschäftsjahr 2004/2005 773 Mio. Franken. umgesetzt.
Reingewinn 04/05: 50,4 Mio. Franken.
Die Offerten für Leica Geosystems:
Das neueste Angebot von Hexagon schliesst die Abgabe eigener Aktien mit ein.
Das Paket ergibt dann 573 Franken pro Leica-Aktie.
Das sind 1,44 Mrd. Franken für das gesamte Unternehmen.
Danahers Offerte lautet auf 500 Franken pro Leica-Aktie.
Dies entspricht einer Unternehmens-Bewertung von 1,17 Mrd. Franken.
Am 27. Juli hatte der Leica-Verwaltungsrat seinen Aktionären die Danaher-Offerte empfohlen.
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