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Hitzige Diskussionen an allen Fronten

Die Swissair ist weiterhin dabei, für die Sabena eine gangbare Lösung zu finden. Keystone

Am Dienstag ((26.06.) fanden an allen Fronten der Swissair-Beteiligungen in Belgien und Frankreich heftige Debatten statt. Die Sabena sagte kurzfristig eine entscheidende VR-Sitzung ab. In Belgien und Frankreich machten die Gewerkschaften mobil.

Laut Sabena-Sprecher Olivier Gillis ist die Verwaltungsrats-Sitzung auf einen «unbestimmten Zeitpunkt» verschoben worden. Einen Grund für die überraschende Verschiebung nannte er nicht.

«Intensive Diskussionen»

Der Verwaltungsrat der angeschlagenen Sabena hätte am Dienstag die Beratungen über Sanierungsplan aufnehmen sollen. Der belgische Staat hält mit 50,5 Prozent die Mehrheit der Sabena-Anteile. Die Swissair Group kontrolliert 49,5 Prozent.

Bei der Swissair wurde lediglich erklärt, man habe «von der Verschiebung Kenntnis genommen». Swissair führe «intensive Diskussionen mit dem belgischen Staat», sagte Swissair-Sprecher Jean-Claude Donzel auf Anfrage.

Cortis Weigerung

Der Dienstag galt als Schicksalstag für die Sabena, nachdem Swissair-Konzernchef Mario Corti in Zeitungsinterviews erklärt hatte, keinen Rappen mehr in die Sabena investieren zu wollen. Die Sabena hatte 2000 einen Verlust von 500 Mio. Franken eingeflogen.

Am Montagabend waren in den belgische Medien Elemente des von Sabena-Chef Christoph Müller ausgearbeiteten Sanierungsplans durchgesickert. So sollen 2000 Vollzeitstellen gestrichen werden.

«Unerträglich»

Dem Personal werde Unerträgliches zugemutet, erklärte John Gilbert, Delegierter der Gewerkschaft FGTB. Trotzdem wäre es laut Gilbert ein grosser Irrtum, in der jetzigen Situation an einen Streik zu denken. In der belgischen Bevölkerung macht sich zunehmen Besorgnis wegen des bevorstehenden Ferienflugverkehrs breit.

Am Dienstagnachmittag hatten sich mehrere Dutzend Gewerkschafter und Angestellte vor dem Regierungs-Gebäude in Brüssel zu einer Protestkundgebung versammelt. Sie forderten die Regierung auf, zusammen mit der Swissair Group ihre Verantwortung gegenüber der Sabena wahrzunehmen und einen Stellenabbau oder gar Entlassungen zu verhindern.

AOM/Air Liberté: Verantwortlichkeiten abklären

In Paris appellierten die Gewerkschaften der AOM/Air Liberté an die französische Regierung, im Debakel um die Fluggesellschaft gerichtlich vorzugehen. Es sei die Pflicht der Regierung, die Verantwortlichkeiten der Aktionäre – Baron Ernest-Antoine Seillière (50,5 Prozent an AOM/Air Liberté, 18 Prozent an Air Littoral), Swissair Group (49,5 Prozent an AOM/Air Liberté, 49 Prozent an Air Littoral) – gerichtlich abklären zu lassen.

Air Littoral: 20 bis 30 Prozent weniger Stellen

Bei der Air Littoral, der dritten Swissair-Beteiligung in Frankreich, zeichnet sich seit Anfang Woche eine mögliche Lösung ab. Der ehemalige Air Littoral-Chef Marc Dufour zeigt sich an der Übernahme der Fluggesellschaft interessiert.

Gegebenenfalls würde er proportional zum reduzierten Betrieb 20 bis 30 Prozent der insgesamt 1’200 Arbeitsplätze streichen. Zu Entlassungen würde es aber nicht kommen, sagte Dufour in einem Interview mit der Zeitung «Figaro Economie» vom Dienstag. Der Plan soll am Mittwoch der Betriebskomission vorgestellt werden.

Mit dem Sanierungsplan sieht Dufour eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen innerhalb von zwei Jahren vor. Laut Dufour könnte sich auch die Swissair Group mit 800 bis 850 Mio. französischen Franc am Sanierungsplan beteiligen, bevor sie sich vollständig aus der Air Littoral zurückziehe. Swissair-Sprecher Donzel bezeichnet die von Dufour genannten Beträge als «Spekulationen».

swissinfo und Agenturen

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