IPO immer noch interessant
Unternehmen wagen nur noch zaghaft den Gang an die Börse. Dennoch bietet die Schweizer Börse ausländischen Firmen einiges.
Unternehmen gehen an die Börse (Going Public), um sich mit Eigenkapital in Form von Aktien zu finanzieren. Dies ist vor allem in Zeiten steigender Aktienpreise für beide Parteien lukrativ. Doch nach der Euphorie Ende der 90er Jahre gingen die Börsengänge – in der Sprache der New Economy zum Initial Public Offering (IPO) umbenannt – stark zurück. Die Neukotierungen an der Schweizer Börse (SWX) brachen von 26 im Jahr 2000 auf 15 im letzten Jahr ein.
Bis Ende Juni 2002 wagten nur noch vier Gesellschaften – zwei schweizerische und zwei ausländische Unternehmen – den Gang an den SWX.
Guter Anfang im High-Tech-Pharma-Umfeld
Eine davon ist die die schwedische Nobel Biocare, die am 24. Juni in Stockholm und Zürich kotiert wurde. Der nach eigenen Angaben führende Hersteller von Zahnimplantaten legte einen guten Start hin: Die Aktie hatte nach dem ersten Handelstag um 6 Franken auf 106 Franken zugelegt. Erst der allgemeine Börsenstrudel in der letzter Woche liess den Kurs wieder auf 100 Franken einbrechen.
Wichtigstes Argument, das für einen Gang an die Schweizer Börse spricht: Der Schweizer Börsenplatz ist in den Bereichen Pharma, Medizinaltechnik, Biotechnologie und Halbleiterindustrie weltweit anerkannt und geniesst einen guten Ruf. Daher das Interesse von Firmen wie Nobel Biocare.
Kleine Börse, aber gutes Schaufenster
Die kleine Schweizer Börse ziehe neue Unternehmen an, weil die beschränkte Anzahl von Neukotierungen ein ausgezeichnetes Schaufenster sei, unterstreicht Sergio Terribilini von der Bank Vontobel.
Ausserdem seien sich die Privatinvestoren und die institutionellen Anleger aus der Schweiz gewohnt, wegen des beschränkten heimischen Börsenmarktes auch ausländische Aktien zu kaufen.
Aufmerksamkeit in der kleinen Schweiz
Für Unternehmen mit bescheidener Kapitaldecke sind das schlagende Argumente: An den grossen Börsen von Frankfurt oder Paris würden sie nie die gleiche Aufmerksamkeit erhalten, sondern in der Masse ertrinken.
Ausserdem geht es nicht nur darum, den Börsenauftakt zu meistern. Wichtig ist, im Blickfeld der Analysten und Investoren zu bleiben. Denn diese konzentrieren sich meist auf die Titel ihres heimischen Börsenplatzes, erklärt der Verantwortliche für die SWX New Market, Robert Wyss.
Günstiger als anderswo an die Börse…
«In der Schweiz braucht es ein Kapital von 150 bis 200 Mio. Franken, und die gesamte Transaktion sollte sich auf einige hundert Millionen belaufen, damit ein IPO Sinn macht», sagt Terribilini.
«In den USA ist es sehr schwierig für eine Gesellschaft mit weniger als 700 bis 800 Mio. Fr. an die Börse zu gehen», stellt Wyss fest.
… und trotzdem eine teure Angelegenheit.
Der Gang an die Börse ist trotzdem nicht billig zu haben. Die Kotierungskosten an sich sind im Vergleich zu den Gesamtkosten recht günstig. «Diese hängen von der Grösse der Aktien-Emmission und der Gesellschaft ab. Im Minimum muss man mit 20’000 bis 50’000 Franken rechnen», erklärt Wyss.
Die Totalkosten belaufen sich laut Terribilini auf 6 bis 8 Prozent der ausgegebenen Titel. Für juristische Arbeiten legen die Gesellschaften rund 300’000 Franken hin und für die Überprüfung der Bücher einige hunderttausend Franken.
Presselandschaft drückt die Kosten
Neben all den Börsen-Kosten müssen Unternehmen auch noch eine Werbekampagne führen um Käufer zu finden. Auch hier zeigt sich die Schweiz freundlicher als andere Börsenplätze: Ein paar Auftritte vor den Medien und der Finanzgemeinde sowie Inserate in den wichtigsten Zeitungen des Landes reichten in der Regel, sagt Terribilini.
swissinfo und Agenturen
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