Kontroverse um Piste 28
24 Tote und 9 Verletzte, dies die traurige Bilanz des Jumbolino-Absturzes. Fehlende Anflug-Anlagen an der Piste 28 kommen mehr und mehr unter Beschuss.
Während die Aufräum- und Untersuchungs-Arbeiten an der Unglückstelle im Gange sind, mehren sich die Fragen nach der Ursache des Unfalls. Immer wieder ist dabei die Rede vom Anflug-Ost zur Piste 28. Infolge fehlender Anlagen wird diese Piste in einem Nicht-Präzisionsanflug angeflogen.
Bei Anflügen unterscheidet man gemäss Christian Gerber vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) zwischen Präzisions- und Nicht-Präzisions-Anflug. Beim Präzisions-Anflug (in der Fachsprache ILS genannt) werden sowohl seitliche wie vertikale Abweichungen von der vorgegebenen Linie im Cockpit automatisch angezeigt. Beim Nicht-Präzisions-Anflug (VOR) gilt dies nur für seitliche Abweichungen.
Einfacher, jedoch nicht sicherer
Wie BAZL-Sprecher Daniel Göring gegenüber swissinfo betonte, mache eine ILS-Anfluganlage den Anflug einfacher, jedoch nicht unbedingt auch sicherer. «Seit zwölf Jahren wird die Piste 28 auf diese Art angeflogen und auch sonst gehört der Nicht-Präzisions-Anflug zum internationalen Standard.»
Die Installierung eines ILS sei jedoch in Folge des Staatsvertrages geplant, sagt Gerber. Das Bewilligungs-Verfahren laufe. Geplant ist, dass die Piste 28 innerhalb von 12 bis 16 Monaten eine zeitgemässe Anflug-Anlage besitzt und in Zukunft auch als Haupt-Landepiste benutzt werden kann.
Opposition bei den Anwohnern
Ob dies allerdings so rasch und problemlos voran gehen wird, ist fraglich. Flughafen-Gemeinden wie Bassersdorf, Birchwil oder Nürensdorf wehrten sich bis anhin gegen die Installation einer solchen Anlage. Die Bevölkerung fürchtete, dass die Anlage mehr Flugverkehr anziehen und mehr Lärm produzieren würde.
«Nach diesem Unfall», erklärte der Nürensdorfer Gemeindepräsident Franz Brunner im TagesAnzeiger, «werden sich die Leute noch stärker gegen den Ostanflug wehren, weil ihnen wieder bewusst geworden ist, dass er wegen der schwierigen Topographie und des fehlenden Instrumenten-Landesystems riskanter ist als andere Anflugrouten.»
Vor Absturz Instrumenten-Landesystem gewünscht
Die Crossair hat bereits vor dem Unfall von Bassersdorf ZH den Wunsch geäussert, beim Anflug auf die Klotener Piste 28 ein Instrumenten-Landesystem zur Verfügung zu haben. Die Instrumente aller Crossair-Jumbolinos werden derzeit überprüft.
Der Wunsch der Crossair nach einem Instrumentelandesystem (ILS) für die Piste 28 habe bestanden, sagte Crossair-Chef André Dosé am Montagabend vor den Medien. Dennoch könne man nicht sagen, dass die ohne ILS durchgeführten sogenannten «nicht-präzisen Anflüge» per se unsicher seien, sagte er weiter.
Schlussendlich sei aber die Entscheidung beim Pilot gelegen, wegen der Wetterverhältnisse den Anflug auf die Piste zu verweigern, sagte der Leiter des Krisenstabes Krisenst Thomas Brandt: «Ein Anflug auf eine andere Piste wäre wohl sinnvoller aber nicht zwingend gewesen.»
Die Crossair habe sofort nach dem Unfall begonnen, bei ihren Jumbolinos Instrumente wie den Höhenmesser, das Flugleitsystem, das Navigationssystem und andere Instrumente zu überprüfen, sagte Brandt. 15 der verbleibenden 19 Jumbolinos seien bereits überprüft; Mängel seien nicht gefunden worden.
Überprüfung der Anflughilfen aufgenommen
Die Überprüfung des Drehfunkfeuers VOR Kloten im Anflug auf die Piste 28 ist am Montag aufgenommen worden. Dafür stand ein Vermessungsflugzeug der französischen Flugunfall-Untersuchungsbehörde Direction Generale de l‘ Aviation Civile im Einsatz.
Bei den Vermessungsflügen werde überprüft, ob die Navigationshilfe für die betroffenen Anflüge auf die Piste 28 in der technischen Toleranz liege. Die im Auftrag des BFU ermittelten Resultate werden der schweizerischen Flugüberwachung Skyguide und dem Bundesamt für Zivilluftfahrt übermittelt.
Das Bundesamt werde dann entscheiden, ob das am Sonntagnachmittag wegen des Crossair-Absturzes beim Anflug auf die Piste 28 sistierte Anflugverfahren via Drehfunkfeuer VOR Kloten wieder freigegeben werden könne.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch