Nahrungsmittel nähren Nestlés Wachstum
Am besten kann man die Geschäftskultur von Nestlé wohl mit "konservativ, aber beständig" umschreiben.
CEO Peter Brabeck erklärt die Strategie, die zum Erfolg von Nestlé führt, der Nummer 1 der Welt auf dem Nahrungsmittel- und Getränkemarkt.
In einem Interview mit swissinfo erklärt der Mann an der Spitze, Peter Brabeck, die Strategie, die hinter der Erfolgsgeschichte von Nestlé steht, einer Geschichte, die andere vor Neid erblassen lässt.
Die Zahlen des Schweizer Multis für die ersten neun Monate des Jahres 2002 waren eher enttäuschend, das reale interne Wachstum hatte sich verlangsamt. Aber Brabeck ist zuversichtlich, dass Nestlé für das ganze Jahr trotzdem wieder höhere Verkäufe und Profite wird ausweisen können.
Nestlé konzentrierte sich in den letzten fünf Jahren nicht auf Schokolade oder Kaffee, wie man bei einer Firma meinen könnte, die Nescafé und Kitkat produziert.
Brabeck erklärte im Hauptquartier der Nestlé in Vevey am Genfersee Robert Brookes, dass die Firma in den Bereichen Mineralwasser, Haustierfutter und Eiscreme bessere Wachstumschancen sah.
Jetzt aber will Nestlé nach genauem Studium der demographischen Trends die künftige Akquisitionsstrategie auf Nahrungsmittel ausrichten.
swissinfo: Warum ist Nestlé jahrein, jahraus so erfolgreich?
Das kommt wohl daher, dass wir eine sehr breite geografische Präsenz, ein sehr breites Produktefolio, und vor allem ein beständiges Management-Team sowie Mitarbeitende haben, die seit vielen Jahren in der Firma sind.
Ich glaube, diese Beständigkeit, dieses langfristige Denken, dass wir die Falle von kurzfristigen Modetrends umgehen konnten, ist wohl einer der wichtigsten Faktoren für den andauernden Erfolg von Nestlé.
Wie wollen Sie diesen Erfolg fortsetzen? Wie sieht Ihre Strategie aus?
Unsere Strategie ist bekannt, sie baut auf vier Säulen auf. Die erste ist operative Performance und Effizienz. Vor fünf Jahren lancierten wir das erste Effizienzprogramm «Market Heads 97», dank dem wir 4 Mrd. Schweizer Franken einsparen konnten. Es wurde inzwischen von «Target 2004» abgelöst.
Als zweite Säule sind Innovation und Renovation zu nennen, wobei wir auf unseren einzigartigen Kapazitäten für Forschung und Entwicklung aufbauen.
Dann haben wir die dritte Säule, die sich «Availability» nennt, das heisst wir sind immer, überall und in jeder Weise präsent. Wir wollen, dass unsere Produkte überall vorhanden sind, wo die Kunden sie wünschen.
Und schliesslich haben wir unsere Kommunikationsstrategie.
Als Nummer 1 auf dem Nahrungsmittelmarkt hat Nestlé auch Appetit auf Neues. Nach welchen Kriterien gehen Sie bei Akquisitionen vor?
Im Wesentlichen muss die Strategie sinnvoll sein. Vor vier oder fünf Jahren zum Beispiel legte ich klar fest, dass wir bestimmte Bereiche ausbauen sollten, in denen das Wachstum besser war als in anderen. Das waren Eiscreme, Mineralwasser und Haustierfutter. 95% der Akquisitionen der letzten fünf Jahre konzentrierten sich denn auch auf diese Bereiche. Diese Strategie stimmte genau.
Zweitens muss das Akquisitionsziel kulturell und in Bezug auf den Wert mit den Nestléwerten übereinstimmen, und in 99,9% der Fälle streben wir ein freundliches Fusionsklima an.
Sie erwähnten die drei Hauptbereiche Haustierfutter, Eiscreme und Mineralwasser. Was steht als Nächstes an?
Es stimmt, dass wir in diesen drei Bereichen nun das, was wir die «end game situation» nennen, praktisch erreicht haben, so dass es da keine weiteren Akquisitionen gibt.
Wir müssen nun vielmehr intern wachsen und suchen daher neue Möglichkeiten im Nahrungsmittelbereich. Dieser hat jetzt für Nestlé Top-Priorität. Das gilt auch für einige ausgewählte Nahrungsmittel- und Süsswarenbereiche.
Warum Nahrungsmittel?
Aus der Analyse der demografischen Trends geht klar hervor, dass es einerseits eine wachsende Zahl von Kindern gibt, die spezielle Nahrung brauchen. Dazu kommt aber auch das Phänomen der zunehmenden Zahl älterer Menschen, die ebenfalls spezielle Nahrung brauchen.
Diese Bereiche wurden bisher noch nicht genügend genutzt, und es sind Wachstumsbereiche für hochwertige Produkte. Weiter ist festzustellen, dass die Leute immer mehr Geld zur Verfügung haben, und dass das Essen nicht mehr einfach dem Überleben dient, sondern dass es auch Freude machen soll.
Der Bereich Nahrungsmittel und Wellness wird also immer wichtiger, und dann kommt schliesslich die Phase des Wohlgefühls. In diesem Entwicklungsprozess spielen Nahrungsmittel eine entscheidende Rolle, und deshalb wollen wir uns auf diesen Bereich konzentrieren.
swissinfo
1867: Henri Nestlé erfindet das so genannte Milch- oder Kindermehl.
1938: Nescafé, der lösliche Kaffee, kommt auf den Markt.
Nestlé betreibt 468 Fabriken in 84 Ländern.
Nestlé beschäftigt weltweit 229’765 Angestellte.
Nestlé besitzt an der weltweit grössten Kosmetik-Gruppe L’Oréal einen Anteil von 49%.
Zu Nestlés Übernahmen gehören: Carnation (1985), Buitoni (1988), Rowntree (1988), Perrier (1992), Sanpellegrino (1998), Spillers Petfoods (1998), Ralston Purina (2001).
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