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Neue Risikolandschaft

Die Swiss Re blickt nach dem schlechten Versicherungs-Jahr 2001 mit Optimismus ins nächste Jahr. Keystone

2001 war eines der schlechtesten Jahre in der Versicherungs-Geschichte. Relevant auch für die Schweiz.

Das Jahr 2001 wird in der weltweiten Versicherungs-Industrie als eines der schlechtesten in der Geschichte eingehen. Auch wenn in der Schweiz selbst weniger oder keine Terrorakte und Naturkatastrophen stattfanden, schlägt sich die weltweit erhöhte Unsicherheit über die global agierende Schweizer (Rück-)Versicherungsbranche auf die Schweizer Wirtschaft nieder.

Deshalb organisierte die Swiss Re (Reinsurance), weltweit Nummer zwei im Rückversicherungsgeschäft, Mitte dieser Woche in Zürich ein Risikowirtschafts-Forum («Die neue Risikolandschaft: Wirtschaftsperspektiven und Aussichten für die Versicherungsindustrie 2002»). Rückversicherer poolen die Risiken der einzelnen Versicherungsgesellschaften miteinander und gleichen somit die Risiken zwischen Erdteilen oder Industriebranchen über die Jahre hinweg aus.

Trotz der Rezession in den USA und Japan sowie in Teilen Europas sehen die Wirtschaftsexperten des Forums aber bereits wieder einen rosa Schimmer am Horizont. Die Weltwirtschaft dürfte sich in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres wieder erholen, hiess es.

Historischer Schadenswert

Während das Geschäft der fondsgebundenen Lebens-Versicherungen unter der Baisse der Aktienmärkte litt, sahen sich Nichtleben- und Rückversicherer nach den Anschlägen vom 11. September mit dem höchsten Versicherungs-Schaden der Geschichte konfrontiert, wie Swiss-Re-Chefökonom Thomas Hess ausführte.

Die Versicherungs-Wirtschaft schätzt den Schaden aus den Attentaten mittlerweile auf 30 bis 70 Mrd. Dollar. Eine abschliessende Bilanz kann allerdings noch nicht gezogen werden. Vorläufig sieht es Swiss Re zufolge so aus, dass das Gros der Versicherungsgesellschaften ihre Geschäfte im bisherigen Ausmass fortführen kann. Konkurse sollten die Ausnahme bleiben.

Neue Risiko-Wahrnehmung

Durch die verheerenden Ereignisse habe sich aber die Risiko-Wahrnehmung radikal verändert, sagte Michel Liès, Leiter der Division Europa der Swiss Re. Das werde sich in einer bisher beispiellosen Nachfrage nach Versicherungs-Schutz auswirken werde, hiess es weiter. Resultat werde ein kräftiger Anstieg der Nichtleben-Prämiensätze sein.

Zudem würden sich die Vertrags-Bedingungen verschärfen. Die Gewinne der Nichtleben- und Rückversicherung würden im kommenden Jahr stark steigen, sagte Lewis Phillips von Fox-Pitt Kelton, der Investmentbank der Swiss Re.

Auf Grund der Kapazitäts-Engpässe und eines harten Markts sei zusätzliches Kapital in der Höhe von 15 Mrd. Dollar in die Branche geflossen. Dies werde sich positiv auf das Wachstum auswirken. Versicherungs-Aktien würden auf Grund der drastischen Preis-Steigerungen im Nichtleben-Sektor ein gutes Jahr bevorstehen.

Bremsend werde aber die erhebliche Aufstockung der Rücklagen in der Asbest- und Umwelt-Haftpflicht wirken. Neuste Schadenschätzungen beliefen sich auf 121 Mrd. Dollar, wie Fox-Pitt Kelton in einer Studie schreibt. Hess warnte zudem, die Versicherer müssten sich bemühen, ihre Kostenstruktur zu verbessern.

Lebens-Versicherungen und Demografie

Das Geschäft mit Lebens-Versicherungen sei trotz deutlich verlangsamtem Wachstum stabil, hiess es weiter. Wegen der weiterhin tiefen Zinsen und der schwachen Aktienmärkte stehe es aber vor einer vorübergehenden Flaute.

Mit dem für Mitte 2002 prognostizierten Konjunktur-Aufschwung werde sich auch im Leben-Bereich eine verhalten wachsende Nachfrage einstellen. Die eigentliche Wende erwartet die Versicherungs-Branche auf 2003, wenn mit der Konjunktur- Erholung sich auch der – demografisch bedingte – Trend zur privaten Altersvorsorge verstärke.

Bezüglich der Entwicklung der Weltwirtschaft ging Karl Kurt, der Leiter des Swiss Re Economic Research für Nordamerika, von einer Zunahme des Wachstums des Bruttoinlandprodukts (BIP) in den USA und in Europa ab Mitte 2002 aus.

Rückblick auf 2000

Rückblickend war das Jahr 2000 für die Branche durch einen Boom im Lebensversicherungs-Bereich gekennzeichnet. Die von Swiss Re publizierte Studie Sigma zum Versicherungsjahr 2000 zeigte ein inflationsbereinigtes Prämien-Wachstum um 6,6% auf 2444 Mrd. Dollar weltweit.

62 % der weltweiten Prämien-Einnahmen entfielen auf die Lebens-Versicherungen. Über 90% davon stammten aus Industrieländern, wo pro Kopf im Durchschnitt 2384 Dollar pro Jahr für Versicherungen ausgegeben wurde. In den neuen Märkten flossen im Durchschnitt etwa 42 Dollar pro Kopf in Versicherungen (3,2% des BIP).

Schweizer Top bei Nicht-Leben

Die höchsten Ausgaben für Lebens-Versicherungen tätigten die Menschen in Japan, während Schweizer und Schweizerinnen im internationalen Vergleich am meisten für Nicht-Lebensversicherungen ausgaben.

Profitiert haben die Lebensversicherer im Jahr 2000 von der zunehmenden Bedeutung der privaten Altersvorsorge und vom Börsenboom. Dieser fand aber Mitte 2000 ein vorläufiges Ende. Dennoch stiegen die Einnahmen aus den Prämien um 9,1%.

Die Versicherer des Nichtleben-Bereichs mussten sich mit Wachstums-Raten von 2,7% begnügen, was jedoch im Vergleich zum Vorjahr eine Verbesserung bedeutete. Das leichte Wachstum habe die Ertrags-Situation der Versicherer aber trotz vergleichsweise geringer Gross-Schäden im Jahr 2000 noch nicht nachhaltig verbessert.

swissinfo und Agenturen

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