Neuer Fahrplan hat Härtetest bestanden
Der neue Fahrplan der Schweizerischen Bundesbahnen hat sich am Montagmorgen auch im Berufsverkehr bewährt - mit einer Ausnahme.
Ein Computerabsturz legte die Neubaustrecke lahm, nach dem Stossverkehr. Doch blieben fast alle Züge mit Hunderttausenden von Pendlern im Fahrplan-Takt.
Nach dem gelungenen Start am Sonntag folgte am Montag mit dem Einschluss des Berufsverkehrs der erste Härtetest für die «Bahn 2000».
Denn zu dieser «Bahn 2000» gehört der grösste Fahrplanwechsel in der Schweizer Bahngeschichte. Dabei ändern sich 90% der Abfahrts- und Ankunftszeiten.
Rechnerabsturz: Neubaustrecke fiel aus
Einzelne technische Störungen und ein Lokomotiv-Defekt blieben praktisch ohne Auswirkungen auf den Bahnverkehr.
Der neue Fahrplan für die Bahn 2000 bestand am Montag, dem ersten Werktag, auch diese Bewährungsprobe: Bis gegen Mittag kam es im Fern- und Regionalverkehr zu keinen wesentlichen Verspätungen, wie ein SBB-Sprecher sagte.
Am späten Vormittag führte dann ein Rechnerabsturz in einem Stellwerk zur ersten grossen Panne. Sieben Intercity-Züge blieben auf der Neubaustrecke zwischen Mattstetten BE und Rothrist AG stecken.
Sechs weitere mussten über die alte Strecke umgeleitet werden. Laut der SBB kam es wegen dieser Störung zu Verspätungen von bis 25 Minuten.
Kleinere Betriebsstörungen
Auch einzelne kleinere Betriebsstörungen, wie sie laut SBB täglich auftreten, blieben nicht aus. Zwischen dem Zürcher Hauptbahnhof und dem Flughafen-Bahnhof fiel ein Interregio-Zug aus Luzern wegen einer Steuerwagenstörung aus.
Wegen eines Lokomotiv-Defekts musste zudem ein Regio-Express zwischen Langnau und Luzern durch Busse ersetzt werden.
In Thun gab es schliesslich ein Problem mit der S-Bahn durch das Aaretal, wie ein Bahnmitarbeiter im «Regionaljournal Bern» von Schweizer Radio DRS sagte.
Verkehrsminister Leuenberger: «Mit 160 Sachen durchs Dossier»
Verkehrsminister Moritz Leuenberger, Berufspendler zwischen Zürich und Bern, befand sich am Montag früh ebenfalls im Zug. Er fand am Schluss gar keinen Sitzplatz mehr, weil ihm zu Beginn der Fahrt so viele Fragen gestellt worden seien. «Einsam auf der Treppe des Doppelstockwagens» musste er seine erste Bahn-2000-Reise antreten.
Die ersten Angebote für einen Sitzplatz habe er abgelehnt. Schliesslich habe ihm das Bahnpersonal dennoch einen Platz freigeboxt: «Da bin ich mit 160 Kilometer pro Stunde direkt in das Dossier zum neuen Luftfahrtbericht gerast.»
Frische Croissants in Olten
In Olten wurden die Bahnreisenden am Montag-Morgen mit frischen Croissants empfangen. Mitglieder des Stadtrats, des Gemeindeparlaments und der Stadtverwaltung verteilten von 06.30 bis 07.30 Uhr insgesamt 1000 Croissants als Ausdruck der Freude, welche die Behörden über die Angebots-Steigerung im öffentlichen Verkehr empfinden.
Auch auf dem Netz der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) rollte der Berufspendler-Verkehr auf der Schiene abgesehen von ein paar technischen Störungen an Fahrzeugen oder Türen ebenfalls grundsätzlich gut an.
Ein Zug von Thun in Richtung Bern fiel aus, und in Kerzers mussten Fahrgäste ebenfalls wegen einer technischen Störung an einem Zug unplanmässig umsteigen.
Rhätische Bahn: Feiertags-Spitze
Die Rhätische Bahn (RhB), welche die Umstellung auf den neuen Fahrplan ebenfalls problemlos schaffte, rechnet damit, dass auf dem Bündner Bahnnetz der grosse Höhepunkt über die Feiertage erreicht wird.
Deshalb wird die RhB bis nach Neujahr einen verstärkten Pikettdienst einsatzbereit haben.
Die SBB setzten über 2000 Hilfskräfte auf den Bahnhöfen ein, um die Passagiere bei der Suche nach dem richtigen Zug zu unterstützen.
Und noch der Güterverkehr
Eine weitere Bewährungsprobe steht für die Nacht zum Dienstag bevor, wenn der Güterverkehr erstmals seit dem Fahrplanwechsel auf Volllast hochgefahren werden soll.
swissinfo und Agenturen
Am Sonntag früh um 3 Uhr trat der neue SBB-Fahrplan in Kraft.
Dabei kam es, abgesehen von einem Rechnerausfall, zu keinen grösseren Problemen.
Der Fahrplan-Wechsel ist der grösste in der Geschichte der Schweizer Bahnen.
Er trifft 90% aller Züge.
Der Montags-Test war die Nagelprobe, weil erstmals der Berufsverkehr mit eingeschlossen wurde.
In der Nacht zum Dienstag kommt dann noch der Güterverkehr dazu.
Das Stimmvolk sprach sich 1988 für die Bahn 2000 aus.
Diese hat fast 6 Mrd. Franken gekostet.
12% mehr Züge fahren im neuen Fahrplan, die Wartezeiten werden reduziert.
Die Billette werden teurer, durchschnittlich um 4%.
Die einfache Fahrt schlägt um 1,6% auf.
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