Presseschau vom 03.02.2003
Der Absturz der Raumfähre Columbia und die Wahlschlappe von Schröders Sozialdemokraten in Deutschland, diese beiden Themen dominieren die Schweizer Presse.
Praktisch einig sind sich die Kommentatoren, dass die bemannte Raumfahrt wenig sinnvoll sei.
«Ohne Sinn und Nutzen», titelt die BERNER ZEITUNG.
«Sinnvoll oder nutzbringend ist die bemannte Raumfahrt nicht. Kein Hungernder ist je durch sie gesättigt und kein Kranker je geheilt worden.»
Es handle sich vielmehr um eine Wissenschaft, die den einzigen Zweck habe, sich selber zu erforschen.
«Die Wissenschaft braucht keine Helden», meint der TAGES ANZEIGER.
«Gefragt sind vielmehr kreative Ideen und viel unspektakuläre Feinarbeit im Labor oder am Computer.»
Nichts mit Wissenschaft zu tun
Die bemannte Raumfahrt diene allein der Eroberung des Weltalls.
«Ein Mythos, ein Menschheitstraum, der seine Berechtigung haben mag. Nur: Mit Wissenschaft hat dies nichts zu tun.»
Die NASA habe ausserordentlich professionell reagiert, meint der Berner BUND. Zynischer Schluss: Man habe gelernt, mit solch furchtbaren Ereignissen umzugehen.
«Es gibt heute – so grauenhaft das klingen mag – eine gewisse Art, Absturzroutine zu entwickeln. Katastrophen wie die der ‚Columbia‘ stellen, anders als zur Zeit des ‚Challenger‘-Absturzes, nichts mehr prinzipiell in Frage.»
Es erstaune daher kaum, dass Präsident Bush sofort betonte, am Raumfahrtprogramm festzuhalten.
Auch die Genfer LE TEMPS thematisiert die ungebremste Lust des Menschen am Unbekannten. Doch der Unfall habe uns mit Gewalt wieder an die Feindlichkeit des Weltalls erinnert.
«Ce que Columbia rappelle avec force, c’est que l’espace est un monde terriblement hostile.»
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG macht auf die Verzögerung im Aufbau der Internationalen Raumstation ISS aufmerksam und kommt zum Schluss:
«Der bemannten Raumfahrt drohen nach der Katastrophe vom Samstag harte Zeiten.»
USA geschockt, doch nicht geschwächt
Ein Rückschlag, keine Niederlage, sei das tragische Ende des Shuttle-Fluges gewesen, schreibt die BASLER ZEITUNG. Die USA seien nicht geschwächt.
«Wenn am Mittwoch die Fahnen in den USA wieder auf Masthöhe gezogen werden, wird Aussenminister Colin Powell vor dem UNO-Sicherheitsrat Anklage gegen Saddam Hussein erheben.»
Und der BLICK rätselt in grossen Lettern: «Setzt Bush erst recht auf Krieg?»
Die AARGAUER ZEITUNG schliesslich meint, dass ein Irak-Krieg neue Helden schaffen werde, die für ihr Vaterland sterben würden.
«Ob Präsident Bush dann auch wieder vor die Kameras treten und Gott in die Verantwortung nehmen wird? Vermutlich wird er es tun.»
Eine bitterböse Quittung
Nachdem die deutschen Sozialdemokraten mit Gerhard Schröder am Sonntag in zwei Bundesländern massive Verluste einstecken mussten, schliesst die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG messerscharf:
«Nach der aussenpolitischen Isolation könnte es nach diesem Wahlsonntag auch in der Innenpolitik für Gerhard Schröder so richtig eng werden.»
Denn dass diese «Quittung» einzig Schröder und seiner Partei gegolten habe, davon ist auch die NEUE LUZERNER ZEITUNG überzeugt:
«Dass die Ohrfeige allein den Sozialdemokraten und ihrem Kanzler und nicht einer linken Politik an sich galt, zeigt das gute Abschneiden der Grünen.»
swissinfo, Christian Raaflaub
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