The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Presseschau vom 03.04.2003

Am 15. Tag des Krieges gegen Irak scheint die tückische Lungenkrankheit SARS den Krieg von den Frontseiten zu verdrängen.

Ausserdem: Die Arbeitslosigkeit der Jungen in der Schweiz.

«25’000 Junge ohne Arbeit – und es werden täglich mehr.» Das Magazin FACTS widmet seine Titelgeschichte der Misere der Jungen auf dem Arbeitsmarkt Schweiz.

«Niemand braucht sie. Sogar gut Qualifizierte finden keine Stelle. Die sozialen Folgen sind gravierend.»

Lungenkrankheit: Keine Panik

Gravierender ist die Lungenkrankheit SARS, die derzeit die Zeitungs-Kommentare dominiert. Der Berner BUND titelt: «Das Neue und die Angst» und kommentiert, die Verbreitung von Krankheiten sei einfacher geworden in einer Welt, in der mehr Menschen unterwegs seien als je zuvor.

«Wenn die unbekannte Krankheit nicht zu verharmlosen ist, so ist umgekehrt mit künstlich angefachter Hysterie niemandem gedient.»

Die AARGAUER ZEITUNG kommt zum gleichen Schluss, nämlich dass zunehmende Mobilität die «grenzenlose Ausbreitung von Virusinfektionen» zwangsläufig mit sich bringe.

«Massnahmen, wie sie nun vom Bundesamt für Gesundheit mit dem Arbeitsverbot für Personal aus Hongkong, Singapur, Vietnam und China an der Uhren- und Schmuckmesse Basel verhängt werden, sind bestenfalls ein Zeichen der Hilflosigkeit gegenüber einer solchen Bedrohung.»

Die 2500 Personen, die nun in Zürich festsässen, fühlten sich «zu Recht vor den Kopf gestossen».

Kein Verständnis

Kein Blatt vor den Mund nimmt die BASLER ZEITUNG: «Protest gegen Messe-Ausschluss». Der Entscheid der Regierung habe zu einem Chaos und zu grosser Verunsicherung geführt.

«Die betroffenen Aussteller können die bundesrätliche Weisung nicht verstehen, und gestern fand sich in Basel auch niemand vom zuständigen Bundesamt für Gesundheit ein, um ihnen eine plausible Erklärung zu geben.»

Der Tipp vom TAGES ANZEIGER: «Ruhig durchatmen.» Die Krankheit sei nicht zu unterschätzen, aber:

«Sars ist kein Todesurteil. Die Seuche ist zwar ansteckend, aber nicht immer gleich stark.»

Und der TAGI vergleicht die bisher 75 Toten weltweit mit den jährlich 400 bis 1000 Grippetoten in der Schweiz:

«Sich diese Zahl vor Augen zu halten, hilft, in einer panikgeschwängerten Atmosphäre die Relationen zu sehen.»

Bissig die Karikatur in der Westschweizer Zeitung LE TEMPS: Die Welt-Gesundheits-Organisation fordert China auf, doch bitteschön ihre Masthühner wieder mit Antibiotika zu füttern.

«Nous demandons à la Chine de remettre des antibiotiques dans ses poulets!»

Erneut Schweizer Kriegsmaterial

In der WOCHENZEITUNG dominiert der Krieg noch immer die Titelseite und einen guten Teil des Blattes. Neben dem Titel «Kriegsvehikel aus Kreuzlingen» beäugt ein Schweizer Manager auf dem Foto kritisch ein Schweizer Rüstungsfahrzeug, hergestellt von der Firma Mowag, die Anfang Jahr vom US-Rüstungskonzern General Dynamics aufgekauft wurde. Die Zeitung geht der Frage nach:

«Wie ist es, in Zeiten des Kriegs für einen Betrieb zu arbeiten, der unter US-Flagge Kriegsmaterial herstellt?»

Die WELTWOCHE geht der Frage nach, was denn die «Araber» ausmacht.

«Ist der Nahe Osten reif für die Demokratie? Pro und Contra einer politischen Erneuerung.»

Und die WELTWOCHE schiebt ein Lexikon der arabischen Machtpolitik und der Könige und Autokraten nach.

Gewaltspirale

«Wettlauf mit Tod und Verderben», schreibt die NEUE LUZERNER ZEITUNG.

Die Angreifer würden an einer teuflischen Gewaltspirale drehen, indem sie das tödliche Spiel Saddams mitmachen würden.

«Die Falken in Washington wissen genau, dass nur schnelle Erfolge die wachsende Empörung über die vielen zivilen Opfer in Schach halten können. Sie setzen alles auf die Karte Angriff, zynisch spekulierend, dass, wenn Saddam fällt, kaum jemand nach dem Preis für den Tyrannensturz fragen wird.»

Und der BLICK warnt: «Wir dürfen nicht wegschauen.» Der Chefredaktor selber hat heute in die Tasten gegriffen.

«Das Blut unschuldiger Opfer ertränkt die Botschaft der Freiheit, der Menschenrechte und der Demokratie. Können die USA mit dieser Hypothek noch das neue Irak aufbauen?»

swissinfo, Christian Raaflaub

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft