Presseschau vom 14.08.2003
Ein heisser Herbst auf einen heissen Sommer? Die Lohnforderungen des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes werden angesichts des konjunkturellen Umfelds unterschiedlich bewertet.
Vorsichtig begrüsst wird von den Kommentatoren der Konzerngewinn der grössten Schweizer Bank UBS. Und Freudenstürme löste der 1:0-Heimsieg der Grasshoppers gegen AEK Athen aus.
Als «Säbelrasseln» bezeichnet der Zürcher TAGES-ANZEIGER den Auftakt der neuen Lohnrunde. Das gehöre zum Ritual, denn die Gewerkschaften müssten übers Ziel hinaus schiessen, damit Spielraum bleibe. Aber:
«So realistisch und taktisch geschickt die Forderungen politisch auch sind, volkswirtschaftlich sind sie schlecht begründet. Wer den Konsum und damit die Konjunktur mit mehr Lohn stützen oder beleben will, ist auf dem Holzweg. Die Leute kaufen weniger, wenn sie verunsichert sind, wenn sie Angst um ihren Arbeitsplatz haben.»
Allfällige Lohnerhöhungen, so der TAGI, würden in dieser Situation aufs Sparkonto und nicht in den Supermarkt gehen. Sie seien also ebenso wenig ein Konjunktur-Impuls wie Steuersenkungen.
In der Schweiz überwiegt die Vernunft
Die NEUE LUZERNER ZEITUNG geht davon aus, dass der Lohnherbst nicht besonders heiss werden wird – zumindest nicht so heiss wie das jetzige Wetter:
«Am Anfang schlagen alle Parteien mächtig auf die Pauke, am Ende wird jedoch in den einzelnen Fällen die ökonomische Vernunft überwiegen.»
Zum Masshalten fordert die BERNER ZEITUNG, BZ, auf, unter dem Titel «Lieber mal verzichten». Fordern könne man immer, aber es sei immer noch besser, einmal bei den Löhnen zurückhaltend zu sein als keinen Job zu haben. Das sieht die andere Berner Zeitung, der BUND, ähnlich:
«Man kann fordern, die Defizite sollen zulasten der nächsten Generationen noch höher sein. Wer das fordert, soll dabei aber seinen Kindern in die Augen schauen.»
Nicht eben bescheiden seien die Lohnforderungen von minimal zwei Prozent, findet erwartungsgemäss die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, – im Gegensatz zur welschen LE TEMPS: zwei bis drei Prozent seien im europäischen Vergleich überhaupt nicht übertrieben. Und der Gewerkschaftsbund verhehle seine Absicht nicht, auf den Wahlherbst hin eine breite politische Allianz gegen das Sozialabbau-Programm von rechts zu schaffen.
Wirtschaftsaufschwung in Sicht?
Ob die ausgezeichneten Gewinnzahlen der Grossbanken CS Group und UBS bereits das Ende der Wirtschaftsflaute anzeigt, scheint fraglich. Das Vertrauen in die Finanzmärkte fehle weiterhin, schreibt etwa die AARGAUER ZEITUNG. Man könne also nicht wissen, ob das Schlimmste bereits überstanden sei, wie UBS-Chef Peter Wuffli glaube.
Die UBS überzeuge zwar mit ihrer Performance – aber nicht die Börse, heisst es in mehreren Berichten, so auch in der BASLER ZEITUNG.
Champions-League für GC
«Nunez jubelte GC aus der Krise!»
titelt der BLICK zum Siegertreffer von Richard Nunez im Qualifikations-Hinspiel der Champions Leage im Hardturm: Aus Grassfloppers seien Himmelsstürmer geworden:
«Wer hätte das gedacht: der Meister, bisher eine Lachnummer, darf nach diesem 1:0 gegen AEK Athen allen Ernstes von den Champions-League-Millionen träumen.»
swissinfo, Monika Lüthi
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