Presseschau vom 15.04.2003
Die Drohungen gegen Syrien und die Entschlüsselung des menschlichen Genoms beherrschen die Titelseiten der Schweizer Presse.
US-Präsident Bush setzt Syrien wegen seiner Unterstützung des Saddam-Regimes unter Druck.
«Washington verschärft seine Rhetorik gegen den westlichen Nachbarn Iraks», titelt der Berner BUND.
Go West?
«Nach dem Sturz Saddam Husseins wird die ‚Achse des Bösen‘ jetzt westwärts verschoben. Hat der rasche Erfolg die USA siegestrunken gemacht?»
Direkt an den US-Präsidenten wendet sich der BLICK: «Nicht schon wieder, Sheriff Bush!» Das Boulevardblatt wundert sich über die Unordnung, die derzeit im Irak herrscht.
«US-Präsident George W. Bush schämt sich nicht für das Chaos, das er hier angerichtet hat. Im Gegenteil, er glaubt, er hätte Bagdad befreit.»
Und der Kommentator befürchtet: «Jetzt will er seine Fehler von Bagdad in Damaskus wiederholen.»
Die Macht der Falken
Auch die AARGAUER ZEITUNG fürchtet, den neokonservativen Falken werde eine reine Drohkulisse gegen Syrien kaum genügen. «Lust auf mehr?», titelt die AZ.
«US-Präsident Bush scheint noch zu wanken und streitet ab, dass ein Feldzug gegen Syrien geplant ist. Doch bisher haben sich die neokonservativen Falken in der Administration Bush meistens durchgesetzt.»
Warum Syrien, fragt sich die NEUE LUZERNER ZEITUNG: «Es hat kein Erdöl wie Iran, dafür aber eine Grenze mit Israel, das gerne die 1967 besetzten Golanhöhen will. Zudem ist Syrien als Schutzmacht des Libanons auch Oberherrin über die schiitische Hisbollah, deren militärischer Arm Israel immer noch beunruhigt.»
Und die Westschweizer LE TEMPS fragt: «L’invasion de l’Irak: guerre éclair ou première bataille?»
War die Invasion des Iraks ein Blitzkrieg oder nur die erste Schlacht?
Gendaten verantwortlich nutzen
«GEN-IAL: Mensch ist entschlüsselt», jubelt der BLICK und nennt den Bauplan des Menschen einen «Meilenstein für die Medizin».
Doch der BUND relativiert:
«Was die Forscher gestern zu bieten hatten, waren keine grundlegenden neuen Erkenntnisse, sondern die Verfeinerung der Gendaten, die schon seit bald drei Jahren vorliegen.»
Es gehe jetzt darum, «die Erkenntnisse dieser Grundlagenforschung auf eine menschenwürdige Art umzusetzen».
Das ST. GALLER TAGBLATT schliesst sich dieser Meinung an:
«Es liegt deshalb auch in der Verantwortung der Forscher, dafür besorgt zu sein, das aus dem nun aufgeschlagenen ‚aufregendsten Kapitel im Buch des Lebens‘ – wie einer der beteiligten Wissenschaftler formulierte – nicht ein Horrorkapitel wird.»
swissinfo, Christian Raaflaub
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