Presseschau vom 20.11.2002
Sieben Monate nach dem Start muss die Schweizer Fluggesellschaft Swiss Kosten sparen und legt acht Flugzeuge still. 300 Stellen werden abgebaut.
Das wird nicht die letzte Kostenanpassung sein, vermutet die Schweizer Presse in ihren Kommentaren.
Die BERNER ZEITUNG stellt in diesem Zusammenhang zwei Dinge fest. Erstens: Das Swiss-Konzept mit einer Flotte von 132 Flugzeugen und 100 Destinationen habe von Anfang an so etwas wie «Grossmannstum» ausgestrahlt.
«Zweitens: Vom versprochenen raschen Anschluss an eine Allianz ist man derzeit so weit entfernt wie eh und je.»
Die Swiss sei schlicht zu gross, meint die BERNER ZEITUNG weiter.
Sparmassnahmen nicht realistisch
Skeptisch ist auch der Zürcher TAGES ANZEIGER. Nun müsse Swiss-Chef Dosé doch noch das Messer ansetzen, und es werde wohl nicht bei diesem einen Schnitt bleiben. Der TAGES ANZEIGER weiter:
«Doch selbst mit den angekündigten Sparmassnahmen ist es nicht realistisch, dass die Swiss ihr Ziel erreicht, in den kommenden Jahren aus der Verlustzone zu fliegen.»
Zahlen nicht schlecht
Die AARGAUER ZEITUNG beschreibt den «steinigen Weg» der Schweizer Fluggesellschaft. Die Zeitung gibt zu bedenken, dass die Zahlen nach neun Kalender- und sieben Vollbetriebsmonaten deutlich über dem Businessplan lägen. Trotzdem sei nun sparen angesagt, weil es eben für 2003 düster aussehe:
«Der Swiss aufgrund dieser Vorbehalte ein baldiges Ende zu prophezeiten, ist indessen übertrieben. Dass der Aufbau einer neuen Fluggesellschaft kein Schleck sein wird, war allen Beteiligten von Anfang an klar.»
Die BASLER ZEITUNG fragt sich, wie lange die angekündigten Sparmassnahmen denn reichen werden: «Nicht allzu lange, ist zu befürchten.»
Die Swiss werde es kaum schaffen, trotz steigender Auslastung, die Erträge zu steigern. CEO Dosé habe sämtliche Gefahren für die Fluggesellschaft aufgezählt: von Billig-Airlines bis hin zur Nichtmitgliedschaft in einer Allianz. So kommt die BaZ zum Schluss:
«Der logische Schluss müsste lauten: Swiss ist auch nach diesem Abbau schlichtweg zu gross für die Schweiz, eine weitere Redimensionierung ist nicht auszuschliessen.»
Zögerliche Sparmassnahmen
Die Swiss sei auf den Boden der Wirklichkeit zurückgekehrt, schreibt die Genfer LE TEMPS. Der Maximalplan, 26 Langstrecken- und 26 Kurzstreckenflugzeuge der ehemaligen Swissair zu übernehmen, das Modell 26/26, sei nun zum Modell 25/25 geworden:
«Das ist keine grosse Sache, eigentlich fast nichts. Doch man kann sich vorstellen, wenn es dem Fluggeschäft weltweit nicht endlich gelingt, den Kopf zu erheben, dann werden in Zukunft bei der Swiss drastischere Einschnitte unumgänglich sein.»
Die TRIBUNE DE GENEVE sieht es genau so. Die angekündigten Massnahmen, so die Zeitung, werden nicht genügen, wenn man sich die Aussichten im Fluggeschäft für 2003 vor Augen hält:
«Wie kann man schwarze Zahlen erwarten, wenn die Sparmassnahmen so zögerlich ausfallen.»
Der CORRIERE DEL TICINO sieht es auch so. Er bemängelt, dass bei Swiss eine «wirkliche Strategie für die Zukunft» fehle.
Und 24 HEURES: «Swiss hat sich für halbpatzige Massnahme entschieden.»
Politische Dimension
Noch aus einem andern Grund, so der BLICK, sei Swiss-Chef Dosé in der Zwickmühle, wenn er das Modell 26/26 zu stark nach unten anpasse. Dann ernte er wohl ein politisches Gezänk:
«Damit würde der Swiss-Chef all jene Politiker gegen sich aufbringen, die sich nach dem Swissair-Bankrott für den Aufbau einer neuen Airline mit Milliarden von Bund, Kantonen und Städten stark gemacht haben. Dieser ordnungspolitische Sündenfall könnte für Dosé zur Plage werden.»
Wie schnell kann die Swiss regieren, wenn zum Beispiel ein Krieg in Irak die Branche in eine neue Krise stürzt? Der Berner BUND wird da ein «schales Gefühl» nicht los,
«dass Parallelen zu den unrühmlichen Swissair-Zeiten bestehen. Damals wurde viel zu lange gewartet, bis – halbherzige – Sparmassnahmen beschlossen wurden, weil die Verantwortlichen den Ernst der Lage nicht erkannt hatten.»
swissinfo, Urs Maurer
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