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Presseschau vom 23. 09.2003

Wirtschaftlich beschäftigt sich die Presse mit dem Beitritt von Swiss zu Oneworld oder Lufthansa sowie mit der Rettungsaktion von Alstom.

Innenpolitisch im Vordergrund steht die Erhöhung der Krankenkassenprämien. Dies sorgt Jahr für Jahr für dieselbe Entrüstung.

Obschon entschieden oder erst vorgespurt: Der lang erwartete Beitrittsentscheid von Swiss bewegt den Blätterwald. «Swiss entscheidet sich für Oneworld», weiss der TAGES ANZEIGER schon schwarz auf weiss, obschon die Entscheidung erst am Dienstagvormittag bekannt gegeben wird.

«Swiss sagt Nein zu Lufthansa», schreibt der BLICK wohl zutreffender auf seiner Front, und doppelt nach: «Verwaltungsrat entschied gegen die Deutschen.»

Aber auch die anderen Zeitungen, die den Entscheid nicht vorwegnehmen, bringen das Thema auf der Titelseite. «Oneworld oder Lufthansa», fragt sich der BUND.

Zu schreiben gab ferner der Umstand, dass der Swiss-Titel gestern vom Börsenhandel suspendiert wurde. Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG fragt sich, ob die Swiss denn eine «attraktive Braut oder ein Sanierungsfall» sei.

Sanierung auch bei Alstom

Sanierung ist auch beim zweiten dominanten Thema der Presse angesagt: Alstom. Die Rettungsaktion für den angeschlagenen französischen Industriekonzern ist für die Schweiz deshalb wichtig, weil hier 5000 Arbeitsplätze mit auf dem Spiel stehen.

«Die Zustimmung der Banken (…) zu dem auf 3,2 Mrd. Euro bewerteten Rettungsplan und das grüne Licht aus Brüssel haben die Gefahr einer akuten Insolvenz (…) beseitigt», schreibt die NZZ.

Die BERNER ZEITUNG kombiniert dann die beiden Schlüsselthemen im Frontkommentar: «Ist Alstom ein Vorbild für Swiss?», fragt der BZ-Kommentator. «Als es um Leben oder Sterben für den Prestigekonzern ging, (…) wäre der französische Staat sogar bereit gewesen, das Unternehmen de facto wieder zu verstaatlichen.»

Dank dem Pariser Interventionismus werden in der Schweiz nun über 4500 Jobs gerettet. Die BZ schliesst: «Ob das französische Beispiel den Vorwand für ein Umdenken (in Sachen Swiss) bieten wird? (…) Man kann auch in Schönheit sterben.»

Das ST. GALLER TAGBLATT bringt den Gedanken dann auf den Punkt: «Denkbar ist (…), dass Lufthansa eine weitere staatliche Finanzspritze für Swiss fordern könnte.»

Auch bei den Krankenkassen…

Um staatliche Intervention geht es auch bei den Krankenkassen. «Die Prämien steigen um bis zu 40 Prozent», titelt fett die NEUE LUZERNER ZEITUNG. Im entsprechenden Kommentar ärgert sich die Kolumnistin, dass die Franchise abgebaut wird. «Umverteilungsmassnahmen dieser Art bringen unser Gesundheitswesen nicht weiter.»

Offensichtlich fehle der Mut für echte Reformen. «Eine der dringendsten wäre, die Krankenkassen von der Pflicht zu befreien, mit allen Ärzten einen Vertrag abzuschliessen.»

Ins gleiche Horn stösst auch der Kommentar im LE TEMPS: «Les caisses n’ont aucune prise sur la densité medicale et hospitalière» – «Die Krankenkassen haben keinen Einfluss auf die Häufigkeit ärztlicher und Spitalleistungen.»

Innenminister Pascal Couchepin habe es diesmal vorgezogen, auf ein Defilé zu verzichten und habe es den Krankenkassen überlassen, die schlechte Nachricht von der Prämienerhöhung selbst zu überbringen.

Deutlich wird ebenfalls der CORRIERE DEL TICINO, der auf der Front titelt: «La nuova stangata con le casse malati» – «Der neue Hammer mit den Krankenkassen.» Im Kommentar dazu heisst es: «Es bestätigt sich das Versagen eines Systems.» Auch der CORRIERE versteht jetzt, weshalb Bundesrat Couchepin es diesmal vorzog, sich zu verziehen.

swissinfo, Alexander Künzle

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