Raus aus den Aktien
Nur noch knapp jeder vierte Schweizer besitzt Aktien: Der Anteil der Aktienbesitzer in der Schweiz hat sich innert zweier Jahre von 31,9% auf 24,3% reduziert.
Abgesprungen sind rund 400’000 Anleger – vor allem jene mit tieferen Einkommen.
Die Schweiz zählt heute noch rund 1,3 Mio. Aktionäre gegenüber 1,7 Millionen im Jahr 2000. Dies zeigt eine Studie des Swiss Banking Institute der Universität Zürich.
«Börsenentwicklung und Aktionärszahl scheinen sich parallel zu entwickeln», sagte der Studienleiter Teodoro D. Cocca bei der Präsentation der Studie am Dienstag in Zürich. Der Aktionärsanteil liege aber immer noch doppelt so hoch wie 1995.
Rendite minus 10%
Als Ziel ihrer Aktien-Investitionen gaben die befragten Aktionäre wie vor zwei Jahren an erster Stelle den Aufbau eines Vermögens und zweitens die Vorsorge fürs Alter an. Eher ernüchternd ist daher der Befund, dass ihre durchschnittliche Rendite minus 10% beträgt.
Dass sie damit fast doppelt so gut abschneiden wie der SMI, mag überraschen. Allerdings ist laut Cocca davon auszugehen, dass diejenigen Aktionäre, die eine sehr schlechte Aktienperformance erzielten, ausgestiegen sind und damit bei der Berechnung nicht mehr berücksichtigt werden konnten.
Ende des «Volkskapitalismus»
War vor zwei Jahren von einem eigentlichen «Volkskapitalismus» die Rede, wo sich alle Einkommens- und Vermögensklassen an der Börse beteiligen, sieht es heute anders aus. «Die Reduktion des Aktienanteils gegenüber 2000 ist in den tieferen Einkommens-Kategorien weitaus stärker ausgefallen», heisst es.
In der tiefsten Einkommens-Kategorie mit weniger als 3000 Franken Monatslohn ist der Anteil der Aktienbesitzer von 15,5 auf 8,1% gefallen, in jener mit 10’000 bis 15’000 Franken Monatslohn nur von 51,0 auf 45,2%.
Wesentliche Veränderungen gab es bei der Zusammensetzung der Vermögensportfolios: Der Anteil «Börseler», die Aktien im Portfolio halten ist von 29,6 auf 21,8% gesunken. Der Anteil bei den Anlagefonds sank von 37,8 auf 32%. Derivate werden von 2,3% (2,9%) eingesetzt.
Gefragte Lebensversicherungen
Gemäss den Experten bedeutet dies, dass die Anleger nicht von Aktien zu Anlagefonds gewechselt haben, sondern aus der einen wie der anderen Anlagekategorie ausgestiegen sind. In der Vermögens-Zusammensetzung der Aktionäre hätten dafür beispielsweise die Lebensversicherungs-Anteile von 48,5 auf 61,3% zugelegt.
Nicht überraschend sind folgende Resultate: Das Aktienportfolio eines Privatanlegers setzt sich vorwiegend aus Schweizer Blue-Chips zusammen. Im Durchschnitt besitzt ein Anleger Titel von drei verschiedenen Unternehmen.
Amerikaner regieren gelassener auf Baisse
In der letzten Studie schnitt die Schweiz im internationalen Vergleich mit ihrem Aktienanteil von 31,9% auf Platz 3 ab, nach Australien (41%) und Schweden (35%) aber vor den USA (26,1%).
Laut dem Direktor des Swiss Banking Institute, Rudolf Volkart, liegen heuer keine vergleichbaren Studien vor. Bekannt sei allerdings, dass die Reduktion in den USA weniger drastisch ausgefallen sei.
Ein weiteres Resultat: Die Unterschiede zwischen den Landesteilen haben sich akzentuiert: Der Anteil der Aktionäre in der deutschen Schweiz liegt heute bei 25,3% (32,4%), in der französischen Schweiz 13,6% (23,1%) und in der italienischen Schweiz 12,8% (18,1%).
Die Studie des Swiss Banking Institute wurde letzten Mai und Juni zum zweiten Mal mittels einer Befragung bei 2000 Schweizerinnen und Schweizern im Alter von 18 bis 74 Jahren erhoben.
swissinfo und Agenturen
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