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Raver-Welt tanzte im Regen

Viel nackte Haut trotz kühlem Wetter. Keystone

Die 11. Zürcher Street Parade fiel am Samstag voll ins Wasser. Trotzdem waren am Umzug 650'000 Techno-Fans aus dem In- und Ausland dabei.

Zürich lief Berlin dieses Jahr wegen des schlechten Wetters nicht den Rang ab. Höhepunkt war der Umzug mit 29 «Lovemobiles» rund ums Zürcher Seebecken. Gefeiert wird noch bis am Montagmorgen.

Die Organisatoren der Zürcher Street Parade hofften auf eine Million Raverinnen und Raver. Laut Schätzungen vom Samstagabend waren es aber nicht mehr als 650’000. Knapp 2000 Techno-Freaks hatte die erste Street Parade im Jahr 1992 anzulocken vermocht. Das Motto der 11. Ausgabe lautete friedvoll «Peace».

Muntermacher

Gegen die grosse Wirtschaftskrise tanzte die diesjährige Street Parade an. «Sie soll auch ein Zeichen setzen, dass in der heutigen ‚etwas gedämpften Stimmungslage in der Welt‘ mit positiver Kraft viel erreicht werden kann» hiess es in einer Mitteilung der Veranstalter.

Mit Galgenhumor reagierte Michel Loris-Melikoff, Präsident des Vereins Street Parade, auf die samstägliche Regenparade. Es habe einen neuen Trend gegeben: Noch nie habe er so viele Regenschirme gesehen. Allerdings hoffe er, dass dieses Accessoire nächstes Jahr wieder verschwinde.

Keine Störungen von rechts

Befürchtete extremistische Zwischenfälle sind ausgeblieben. Wie Radio DRS berichtet hatte, wollten auf einem der Lovemobiles Leute von rechts aussen, die «Patrioten», dabei sein. Sie betreiben eine Internet-Seite, auf welcher nationalistische und latent ausländerfeindliche Aussagen verbreitet werden.

Die Veranstalter der Streetparade erhielten auf diese Meldung hin massenhaft böse E-Mails, wie Stefan Epli gegenüber swissinfo erklärte. Sie wüssten aber nichts von dieser Gruppe.

Polizei zurückhaltend

Auch die Stadtzürcher Polizei hat keine Kenntnisse von einer rechten Gruppe. Sie erwartete eine friedliche Veranstaltung. «Dieses Volk hat Freude an der Musik und produziert sich lieber selber, statt Radau zu machen», sagte Walter Gehriger gegenüber swissinfo. Er hätte in Zürich «lieber dreimal Street Parade als einmal 1. Mai.»

Drogen-Toter

An der «Energy» im Hallenstadion, der grössten Party im Anschluss an die Parade, brach am Sonntag um 02.30 Uhr ein 27-jähriger Deutscher zusammen. Er wurde unverzüglich ins Spital gebracht, wo er verstarb. Laut Polizei deuten die ersten medizinischen Befunde auf einen übermässigen Drogenkonsum. Zudem starb ein 58jähriger Mann am Rande der Parade an einem Herzversagen.

Immer wieder wird die Street Parade im gleichen Atemzug mit Drogen erwähnt. Ecstasy, GHB (Gamma-Hydroxybutyrat), Methamphetamine und Cannabis sollen die Partystimmung anheizen. Nun ist eine neue Droge auf dem Vormarsch: die PMA-Pillen.

Diese sehen gleich aus wie die Ecstasy-Pillen. Doch weil sie anfangs keine Wirkung zeigen, wird oft nachgedoppelt – mit fatalen Folgen. Denn Dosen über 50 Milligramm oder eine Kombination mit anderen Drogen oder Alkohol könne zum Tod führen, warnte das Bundesamt für Gesundheit BAG.

Kenner der Szene schätzen, dass 20% bis 30% der Street-Parade-Besucher Drogen einnehmen. Bis am späten Samstagabend nahm die Zürcher Stadtpolizei gegen 20 Männer wegen Drogenhandels fest.

Ecstasy-Hotline

Zum fünften Mal bot die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) an der Parade ihre Ecstasy-Hotline an. Unter der Nummer 0800 104 104 war ein Beraterteam rund um die Uhr bereit, auf die Fragen von Raverinnen und Ravern einzugehen.

SBB: Grosseinsatz

Die SBB boten mit 150 Extrazügen laut eigenen Angaben das grösste je für eine Street Parade bereitgestellte Angebot. Auch nach Mitternacht fuhren Züge bis nach Genf, Neuenburg, Basel, Luzern, Rorschach, Chur und Konstanz.

Im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) verkehrten S-Bahn und lokale Anschlüsse bis Sonntagmorgen um 3 Uhr. Die Trams in Zürich fuhren sogar während der ganzen Nacht.

Christian Raaflaub

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