The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter

Schrumpfkurs bei der Mobiliar-Versicherung

Massiver Stellenabbau bei der Mobiliar-Versicherung. Keystone

Der grösste Sachversicherer der Schweiz greift zu radikalen Sparmassnahmen und streicht fast 10% seiner Stellen.

Bis 2005 will das Unternehmen in der Schweiz 368 von 3900 Arbeitsplätzen abbauen.

Die Krise in der Schweizer Versicherungs-Branche verschärft sich weiter. Nach zwei Verlustjahren hat die Berner Mobiliar-Versicherung am Donnerstag den Abbau von 368 Stellen angekündigt.

Über 60 Vertretungen werden aufgehoben. Dies sie nötig, um wieder in die Gewinnzone zurückzufinden, sagte der neue Mobiliar-Chef Urs Berger.

Generalagenturen stark betroffen

Nur knapp einen Monat nach seinem Amtsantritt lieferte Berger somit Konkretes zur bereits angekündigten Restrukturierung der ältesten Schweizer Privatversicherung.

Die Mobiliar will bis 2005 fast 10% ihrer Stellen abbauen. Am stärksten betroffen sind dabei die Generalagenturen: 12 werden aufgehoben. An Standorten wie Glarus, Sargans, Martigny oder Yverdon ist die Mobiliar in Zukunft nicht mehr vertreten. Zudem werden 50 kleinere Aussenstellen geschlossen.

Abbau auch in Nyon

Geschröpft wird auch der Standort Nyon. Die dort ansässige Providentia, der Lebensversicherungs-Zweig der Mobiliar, gibt die Sammelstiftungen auf und konzentriert sich im Kollektivgeschäft auf die Rückversicherung von Vorsorge-Einrichtungen.

In Nyon fallen dadurch 74 der 350 Stellen weg. Am Berner Hauptsitz werden 94 Stellen gestrichen. Die Mobiliar wird in Zukunft nicht mehr von drei separaten Geschäftsleitungen geführt, sondern von einem zentralen Führungsstab um Berger.

Der Stellenabbau soll zum Grossteil über natürliche Abgänge sowie Pensionierungen erfolgen. Trotzdem sei aber mit Kündigungen zu rechnen, hiess es in der Mitteilung des Unternehmens.

Schwieriger Arbeitsmarkt

Deren Anzahl hängt auch davon ab, wie weit die Angestellten zu Arbeitszeitreduktionen bereit sind. Für die Entlassenen besteht ein Sozialplan.

Die Gewerkschaften befürchteten einen Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Finanzindustrie. Die Suche nach einer neuen Stelle werde immer schwieriger, sagte Susanne Erdös vom Kaufmännischen Verband. Die Fluktuation sinke branchenweit.

Neuer Chef räumt auf

Als Nachfolger von Alfred Lauper hatte Berger von Beginn weg die Aufgabe, die grösste Schweizer Betriebs- und Haushaltversicherung auf Erfolgskurs zu trimmen.

Abstand nahm Berger vom Umbau der Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft. «Das genossenschaftliche Gedankengut und die gelebten Werte unterscheiden uns deutlich von der Konkurrenz», so Berger.

Verlustgeschäft

Durch das Massnahmenpaket verspricht sich die Mobiliar Kostensenkungen von 90 Mio. Franken.

Im vergangenen Jahr hatte sie einen Verlust von 84 Mio. Franken eingefahren, im Jahr zuvor waren es sogar doppelt so viel gewesen.

Man mache nun die Hausaufgaben, sagte Mediensprecher Christoph Stalder. Die Rückkehr in die Gewinnzone sei aber auch von der Entwicklung der Finanzmärkte abhängig.

swissinfo und agenturen

Die Schweizer Mobiliar-Versicherung streicht 10% ihrer Stellen.

Sie baut 368 von insgesamt 3’900 Stellen ab und strafft gleichzeitig ihre Vertriebsorganisation.

Damit will das Unternehmen 90 Mio. Franken einsparen.

2002 verzeichnete die Mobiliar Bruttoprämien von 2,6 Mrd. Franken und einen Verlust von 84 Mio. Franken.

Das 177-jährige Unternehmen hat nach eigenen Angaben 1,3 Mio. Kunden.

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft