Schweizer Firmen wagen sich in den Osten
Der Osten blüht: Auf dem Weg, die Märkte der neuen EU-Länder in Mittel- und Osteuropa zu erobern, sind Schweizer Unternehmen mutiger geworden.
Das Interesse an der traditionellen Drehscheibe Österreich lässt spürbar nach.
Immer weniger Unternehmen aus der Schweiz siedeln über die Austrian Business Agency (ABA) im Donaustaat an. Im Jahr 2006 kamen von 152 ausländischen Neuansiedlungen gerade mal 5 aus der Schweiz. Noch 2001 waren es von 120 Neuansiedlungen 16 schweizerische.
«Wir spüren eine deutlich geringere Nachfrage», bestätigt Jürg Schweri, Generalsekretär der Handelskammer Schweiz-Österreich und stellvertretender Leiter des Swiss Business Hub in Wien.
Schrecken verloren
Den Grund sieht Schweri im Image der neuen Mitgliedänder der Europäischen Union (EU): «Während früher viele Schweizer Unternehmen Österreich als Standort gewählt haben, um die etwas bizarren Ostmärkte zu bearbeiten, wagen sich die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) jetzt vermehrt direkt in die Länder vor.»
Dieser Ansicht ist auch Siamak Rouhani, Länder-Verantwortlicher für Südosteuropa beim Staatssekretariat für Wirtschaft (seco): «Seit dem EU-Beitritt haben die Oststaaten ihren Schrecken deutlich verloren», sagt Rouhani.
Nicht mehr auf Österreich angewiesen
Seit der Einbindung in die Europäische Union sei die Rechtssicherheit gegeben, und viele Schweizer Unternehmen seien nicht mehr darauf angewiesen, diese Länder von Österreich aus zu betreuen.
Die Handelszahlen mit den neuen EU-Ostländern haben sich denn auch sehr gut entwickelt – obschon der Schweizer Teil am Kuchen kleiner geworden ist. «Diesbezüglich können wir nicht mit unseren Nachbarn konkurrenzieren», erklärt Rouhani. Aufgrund der geografischen Nähe und der historischen Gegebenheiten seien sowohl Deutschland wie auch Österreich im Osten deutlich aktiver.
Zukunftsmusik
Ein Ass haben die Eidgenossen gemäss Experten aber noch im Ärmel: der hohe Qualitätsstandard. Vermehrt sei in den Ostländern Spitzentechnologie gefragt. «Die östliche Maschinenindustrie muss zunehmend Qualität liefern, da sie im Preiskampf von den asiatischen Märkten längst übertrumpft worden ist», begründet Schweri vom Swiss Business Hub in Wien.
Auch bei den Konsumgütern wird offenbar vermehrt Wert auf Qualität gelegt. «Immer mehr Menschen im Osten können sich Topmarken leisten», sagt seco-Experte Rouhani. Doch da spielt viel Zukunftsmusik mit: Noch liegt die durchschnittliche Kaufkraft deutlich unter jenem der übrigen Europäer.
swissinfo und Dagmar Zumstein (sda)
Am 1. Mai 2004 traten Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern der EU bei (5. Erweiterung oder Osterweiterung Teil I).
Die EU bestand damit bis zur neuerlichen Erweiterung um Bulgarien und Rumänien aus 25 Mitgliedstaaten.
Am 1. Januar 2007 traten Bulgarien und Rumänien der EU bei (6. Erweiterung oder Osterweiterung Teil II).
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