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Schweizer Konjunktur stagniert

Vor allem in der Industrie hat sich das Konjunkturbild merklich verschlechtert. Keystone Archive

Der Konjunkturverlauf der Schweizer Wirtschaft zeigt nach unten. Im dritten Quartal dieses Jahres hat das reale Brutto-Inlandprodukt (BIP) praktisch stagniert.

Der Schweizer Konjunkturverlauf hat sich weiter abgekühlt. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal (Sommer) nur noch um 0,1 Prozent gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg das BIP um 0,8 Prozent. Die Zahlen liegen aber deutlich unter den Erwartungen. Die Wachstumsraten im dritten Quartal 2001 waren damit die schwächsten seit knapp drei Jahren. Im vierten Quartal 1998 lag das BIP-Wachstum wegen der Asienkrise letztmals tiefer (0,0 Prozent).

In den meisten Sektoren der Wirtschaft sei im dritten Quartal des laufenden Jahres eine Schrumpfung zu verzeichnen gewesen, teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) am Donnerstag mit.

Konsum stabil

Der Blick auf die einzelnen Komponenten des Bruttoinlandprodukts zeigt, dass im dritten Quartal einzig der private Konsum noch einen namhaft positiven Wachstumsbeitrag leistete. Diese mit Abstand wichtigste Komponente nahm gegenüber dem Vorquartal um 2,2 Prozent zu und erweist sich damit als überraschend robust.

Eine spürbare Verlangsamung wurde einzig bei Nahrungs- und Genussmitteln beobachtet. Seco-Chefökomom Aymo Brunetti bezeichnete das Konsumverhalten als bemerkenswert stabil. Er geht davon aus, dass sich der private Konsum auch im laufenden vierten Quartal als Konjunkturmotor erweist.

Spürbare Abschwächung

Ökonomen hatten im Vorfeld im Durchschnitt mit einem Wachstum gegenüber dem Vorjahr von 1,4 Prozent und von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal gerechnet.

Hauptsächlich die deutliche Abkühlung der Weltwirtschaft, aber auch der gestiegene Aussenwert des Frankens hätten dämpfend gewirkt, stellt das seco fest. In den vergangenen drei Monaten sei es zu einem synchronen Abschwung in den USA und der EU gekommen. Zu dieser Phase konjunktureller Schwäche sei noch der Schock des 11. Septembers gekommen.

Das seco geht davon aus, dass die Konjunkturschwäche vorerst noch anhalten wird. Die Weltkonjunktur werde sich aber ausgehend von einer positiven Entwicklung in den USA im Verlauf des Jahres 2002 erholen.

Ökonomen: Nahe einer Rezession

Für Ökonomen zeigen die neusten BIP-Zahlen, dass sich die Schweiz sehr nahe einer Rezession befinde. Sie rechnen in den nächsten zwei Quartalen mit einer weiteren Abschwächung.

«Es ist möglich, dass im vierten Quartal 2001 und im ersten Quartal 2002 ein negatives Wachstum resultiert», sagt Bernard Lambert von der Bank Pictet & Cie auf Anfrage.

Für Janwillem Acket von der Bank Julius Bär zeigen die BIP-Zahlen, dass die Schweiz keine Insel mehr ist. Im ersten Halbjahr 2001 hatte das Wachstum noch deutlich über demjenigen der anderen europäischen Länder und der USA gelegen.

Andreas Höfert von der UBS Warburg hält es für sehr wahrscheinlich, dass im vierten Quartal 2001 und im ersten Quartal 2002 ein negatives Wachstum zu vermelden sein wird.

Festhalten an Prognosen

Die Expertengruppe des seco hält weiterhin an ihrer Wachstumsprognose für das ganze Jahr 2001 von 1,6 Prozent fest. Für 2002 rechnet sie mit einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Für 2003 lautet die Prognose auf 2,0 Prozent BIP-Wachstum und eine spürbare Beschäftigungs-Zunahme.

Auch die Schweizerische Nationalbank bekräftigt ihre BIP-Wachstumsprognose für das laufende Jahr (1,5 Prozent) und für das Jahr 2002 (1 Prozent). Die ungünstigen Zahlen für das dritte Quartal, die sich nun bestätigt hätten, seien darin mehr oder weniger berücksichtigt worden, sagt SNB-Sprecher Werner Abegg.

swissinfo und Agenturen

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