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Schwerer Wiederaufbau in Zalezlice

Mutter und Sohn in Zalezlice nach der Räumung ihres total zerstörten Hauses. Keystone Archive

Das Dorf Zalezlice im Norden Tschechiens wurde total überschwemmt. Die meisten Häuser mussten abgerissen werden.

Die Menschen leben in Provisorien. Ein Augenschein.

Toastbrot auf dem Heizkörper, Besteck im Bücherregal, Akten und Papiere gestapelt neben der Mikrowelle. Der Raum ist klein, eng und feucht.

Inmitten des Chaos sitzt Antonin Burger: «Alles war zerstört, alle meine Bücher unter Wasser, die Werkstatt kaputt, das ganze Erdgeschoss total überschwemmt.»

Den Schrecken nicht vergessen

Auch ein halbes Jahr nach der Katastrophe hat Burger den Schrecken nicht vergessen. Am 13. August war das Wasser von der wenige Kilometer weit entfernten Moldau nach Zalezlice gekommen.

Von Mittwoch bis Samstag stand das gesamte Dorf, 150 Häuser, eine Kirche, eine Kneipe und zwei Lebensmittelgeschäfte, unter Wasser.

Erst dann ging es langsam zurück und hinterliess ein Bild der Verwüstung. Kaputte Gebäude, zerstörte Strassen und auf den Feldern viel Hergeschwemmtes: Mobiliar, Tierkadaver, Abfall, Müll.

Das Militär war gekommen, hatte aufgeräumt und vor allem weggeworfen. Nichts konnte oder durfte man behalten, alles war kontaminiert.

Wohnen im Provisorium

Man lebt jetzt bei Verwandten, Bekannten oder in mobilen Wohncontainern. Der Wiederaufbau hat begonnen. Am Ende der Dorfstrasse erkennt man Rohbauten: Kleine Häuser mit zwei bis vier Wohnungen für die älteren Obdachlosen. Errichtet werden sie von der Gemeinde mit staatlichen Hilfsgeldern.

Vom Staat erhält die Gemeinde 600’000 tschechische Kronen für jede neue Wohnung, die sie baut; 1 Mio. gar, wenn die Wohnung bis Ende Jahr fertig gestellt ist. Im Gemeindehaus selbst werden in den oberen Stockwerken Wohnungen für die Bedürftigsten eingerichtet.

Die meisten Dorfbewohner helfen sich jedoch selbst. Sie haben ihre eigene Überlebensstrategie entwickelt. Geld wird bei Freunden, Bekannten und Verwandten ausgeliehen, nicht bei der Bank. Das Vertrauen fehlt und der Zins ist zu hoch.

Angst vor Schulden

Private könnten sogar beim Staat ein Sonder-Darlehen aufnehmen, 850’000 Kronen für jedes abgebrochene Haus, verzinst würden jährlich zwei Prozent, und zurückbezahlt werden müsste die Summe innerhalb von zwanzig Jahren. Doch nur wenige profitieren davon. Man kann sich diesen Zins nicht leisten und hat Angst vor Schulden.

Hilfe ist gekommen, rasch, doch nur am Anfang. Aus dem Aus- und Inland wurden Pumpen, Entfeuchter und Infektionsmittel geliefert. «Viele Hilfsorganisationen sind gleich nach der Katastrophe zu uns gekommen, haben Listen gemacht und aufgeschrieben, was wir brauchen», sagt Josef Sulc, Bürgermeister von Zalezlice.

«Aber geschickt haben sie nur Dinge wie Kleider und Esswaren. Finanzielle Hilfe haben wir nicht bekommen, dabei haben wir das am nötigsten. Wir müssen Backsteine, Zement, Baumaterial kaufen, um die Häuser möglichst bald wieder aufbauen zu können.»

Schlechte Stimmung

Die Stimmung im Dorf ist mies. «Wir leiden an der U-Boot-Krankheit», beschreibt Antonin Burger die Lage. «Wir leben nun schon viel zu lange in kleinen Zimmern oder Containern, alle aufeinander, seit Monaten in Provisorien, seit Wochen immer in der Kneipe, weil man keinen Platz zu Hause hat.»

Und Burger betont: «Man hat kein Privatleben mehr; jeder weiss alles vom anderen – und trotzdem funktioniert die Informationspolitik nicht.»

Burgers haben zu spät erfahren, dass sie Anspruch auf einen Notgroschen – 20’000 Kronen – gehabt hätten. «Wir haben kein Anschlagsbrett mehr, kein Dorfradio, Mitteilungen werden nur schwer verbreitet. Und die Politiker gehen nicht zu den Menschen.»

swissinfo, Carole Gürtler, Prag

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