Solco Basel wird von kalifornischer ICN übernommen
Das Pharmaunternehmen Solco Basel AG ist von der kalifornischen ICN Pharmaceuticals mit Konzernchef Milan Panic gekauft worden. Die Transaktion fordert keine Arbeitsplätze. Solco will im Gegenteil wieder wachsen und neue Stellen schaffen.
Die Übernahme durch die kalifornische ICN erfolgte per 1. Juli. Über den Kaufpreis machten die Verantwortlichen der in den frühen neunziger Jahren von einer schweren Krise erschütterten Solco AG mit Sitz in Birsfelden BL am Mittwoch (05.07.) vor Medienvertretern keine Angaben. Für die Zukunft der weltweit tätigen Firma mit 310 Beschäftigten gaben sie sich zuversichtlich.
Die Solco AG wird künftig als ICN-Tochter unter dem bisherigen Namen neben eigenen auch Medikamente des US-Konzerns herstellen und vertreiben. Seit Oktober 1999 stellt Solco Pharma-Spezialitäten für ICN im Lohnauftrag hergestellt. Die Firma verfügt in Polen über ein weiteres Produktionswerk.
ICN mit erzielt weltweit einen Umsatz von 750 Mio. Dollar. Sie baut in Birsfelden zusätzlich ein internationales Logistikzentrum auf. Dadurch sollen ebenfalls neue Arbeitsplätze entstehen.
Die Firmen ergänzen sich sowohl bei der Produktepalette wie bei der geographischen Abdeckung des Weltmarkts ideal, hiess es weiter. Profitieren könne namentlich auch die ICN, die vom schillernden Serbo-Amerikaner und zeitweiligen jugoslawischen Regierungschef Milan Panic geleitet wird. Dieser hatte 1988 gar ein Auge auf den Pharmagiganten Roche geworfen.
Roche-Connection
Die Roche-Connection hat letztlich auch zum Deal zwischen Solco und ICN geführt. Die US-Firma hatte 1997 von Roche eine Reihe von Medikamenten erworben und diese mit Bargeld und Aktien bezahlt. Wie viele Aktien von ICN Roche heute noch hält und wie gross deshalb das Interesse der Basler am ICN-Börsenkurs ist, war beim Konzern nicht zu erfahren.
Mit der Produktion und Vermarktung der früheren Roche-Produkte tat sich ICN indes bisher eher schwer, wie die Solco-Führung durchblicken liess. Mit der Akquisition in der Pharma-Hochburg Basel kann ICN nun direkt vom Know How einer Schweizer Firma in Produktion, Logistik und Vertrieb profitieren.
Turnaround-Management übernahm Firma
Die Solco AG gehörte bis vor drei Jahren zur Basler Hopf-Gruppe, die in finanzielle Schieflage geraten war. 1997 wurde die Solco von einem 1995 eingesetzten Turnaround-Management übernommen, an dessen Spitze Verwaltungsratspräsident Peter Böhler stand. Dieser schied nun aus. Geschäftsleiter Paul Beyeler behält hingegen auch unter ICN seinen Posten.
Die Solco AG erzielte in den letzten Jahren bei einem Umsatz von rund 50 Mio. Fr. einen Cash-Flow von über zehn Prozent und schrieb laut Böhler schwarze Zahlen. Hauptumsatzträger ist mit einem Anteil von über 20 Prozent ein Wundheilmittel, das aus einem Extrakt aus Kälberblut hergestellt wird. Rang zwei belegt ein blustillendes Produkt aus Schlangengift.
swissinfo und Agenturen
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