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Spannung in der Luft

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Die Generalversammlung der Crossair vom Donnerstag wird Weichen stellen für die künftige Schweizer Airline. Spannungen sind vorprogrammiert.

Im Zentrum der ausserordentlichen Generalversammlung steht die Neuausrichtung der Crossair von einer europäischen Regionalflug-Gesellschaft zu einer globalen Airline.

Hochspannung bei den Wahlen

Das brisanteste Thema wird die Wahl des neuen Verwaltungsrates für die nächsten drei Jahre sein. Der Steuerungs-Ausschuss unter dem ehemaligen Präsidenten der CS-Group und heutigen Néstle-Verwaltungsrats-Präsident Rainer E. Gut hat für den neuen Verwaltungsrat 11 Männer vorgeschlagen.

Zum neuen VR-Präsidenten soll Pieter Bouw gekürt werden, der ehemalige Chef der niederländischen Fluggesellschaft KLM. Mit dieser Wahl würde der amtierende VR-Präsident und Crossair-Gründer Moritz Suter zurückgestutzt.

Um einem Eklat vorzubeugen, hatten der Steuerungs-Ausschuss und auch der Bundesrat Suter das symbolische Ehrenpräsidium sowie ein Beratermandat angeboten. Suter lehnte dies jedoch ab.

Widerstand der UBS und aus Basel

Vor allem die Region Basel reagierte pikiert darauf, dass Moritz Suter nicht zu den künftigen VR-Mitgliedern gehören soll. Auch die UBS setzte sich für Suter ein. Sein Wissen und seine Erfahrung müssten für die «neue Crossair» weiterhin zum Tragen kommen, hiess es.

Dennoch dürfte die beiden Mehrheitsaktionäre UBS und CS Group den neuen Verwaltungsrat unterstützen. Eine entscheidende Rolle kommt dabei dem Zürcher Wirtschaftsanwalt Peter Forstmoser zu. Forstmoser ist Mitglied des Steuerungs-Ausschusses und soll an der GV das Stimmrecht der beiden Grossbanken ausüben.

Forstmosers Rolle ist umstritten, da sich UBS und CSG beim Kauf ihrer Aktienmehrheit dazu verpflichtet haben, ihre Stimmrechte an der GV lediglich für die vorgesehene Kapitalerhöhung einzusetzen. Kritiker monieren, dass die Übertragung des Stimmrechts an Forstmoser in erster Linie einen juristischen Winkelzug der CSG darstelle, durch den bei der Wahl des neuen Verwaltungsrats Moritz Suter ausgehebelt werden soll. Nach Einschätzung von Crossair-Sprecher Andreas Schwander ist allerdings noch offen, ob Forstmoser an der GV sein gewaltiges Stimmrecht überhaupt wird anwenden können.

Die beiden Grossbanken UBS und CS-Group halten über 70% der Aktien an der neuen Airline. Beteiligt sind auch der Bund und andere Unternehmen. Rainer E. Gut sass früher im Swissair-Verwaltungsrat. Auch die CS war bisher vertreten – zuletzt durch Lukas Mühlemann – und trägt damit eine Mitschuld an der gescheiterten Hunter-Strategie der Swissair.

GV unter Suters Leitung

Die ausserordentliche und mit Spannung erwartete Generalversammlung vom 6. Dezember findet unter Leitung von Noch-VR-Präsident Moritz Suter statt.

Für die wohl mehrere Stunden dauernde GV in der St. Jakobshalle in Basel haben sich rund 4500 Aktionäre angemeldet, wie Crossair-Sprecher Andreas Schwander, erklärte. Erscheinen würden erfahrungsgemäss aber weniger.

«Wir haben alles im Griff»

Wie sich Suter an der GV verhalten wird, wollte er nicht verraten: «Ich werde diese Generalversammlung ehrenvoll und in Anbetracht dessen, was geschehen ist, würdig leiten», sagte Suter.

Er rechne nicht mit einem Desaster, sagte Crossair-Sprecher Schwander gegenüber swissinfo. Schliesslich gehe es nicht um Leben oder Tod. «Wir haben alles im Griff. Alles wird in geordneten Bahnen ablaufen, und wir werden einen handlungsfähigen Verwaltungsrat haben.»

Gaby Ochsenbein

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