Super-Computer macht Biotech-Analysen in Genf
Der grösste privatwirtschaftlich genutzte Computer der Welt steht derzeit wohl in der Schweiz - aber nicht im Dienste einer Bank, sondern der Biotechnologie. Das Unternehmen GeneProt will damit Proteine analysieren und erfassen.
Die Zahlen sind mehr als gigantisch: Der Supercomputer von Compaq hat eine Rechenleistung von 1,8 Teraflops ( das sind 1,8 Billionen Berechnungen in der Sekunde). Der Rechner schafft es mit der Leistung seiner 1’420 Alpha-Prozessoren leicht unter die Top-Ten der 500 grössten Rechner der Welt, wenn man die letzte aktuelle Liste vom November 2000 als Grundlage nimmt.
Noch leistungstärkere Rechner werden meist für die Atomwaffenforschung, etwa zur Simulation von Nuklearexplosionen eingesetzt. Inzwischen aber geht es auch in Biotechnik oder Genforschung nicht mehr ohne Supercomputer, wie auch die Genom-Projekte zeigten.
GeneProt versteht sich nicht als Forschungsinstitut oder Labor mit wirtschaftlichem Anspruch, sondern als Fabrik, wie Firmenchef Cedric Loiret-Bernal bei der offiziellen Präsentation des neuen Firmensitzes in Genf erläuterte. In industriellem Massstab sollen hier Gewebeproben untersucht, Daten über Proteine gewonnen, analysiert und dann auch verkauft werden.
Für die Analyse werden 51 Massen-Spektrometer eingesetzt, die die Proteine nach ihrer Grösse und Beschaffenheit untersuchen. Aufbereitet werden die Daten dann von Bioinformatikern. Sie machen fast die Hälfte der derzeit 90 Mitarbeiter von GeneProt aus.
Ziel ist es nach Angaben von Loiret-Bernal, den Kunden – das werden hauptsächlich Pharmafirmen sein – spezifische Daten über Proteine, ihre Charakteristika und Funktionen zu geben, damit diese wesentlich schneller als bisher wirksame Medikamente entwickeln können. Hauptkunde von GeneProt ist derzeit der Schweizer Pharmakonzern Novartis, der auch finanziell an dem Unternehmen beteiligt und zweitgrösster Anteilseigner ist.
Nach dem hochkomplexen Genom nun die Proteine
Proteine sind die eigentlichen Bausteine des Lebens: Sie regeln mit ihren vielfältigen Formen alle wesentlichen biologischen Funktionen im menschlichen Körper. Weil kaum etwas so komplex ist wie sie, gestaltet sich ihre Untersuchung aber als äusserst schwierig. Das Genom sei jetzt zwar entschlüsselt, erklärt der wissenschaftliche Leiter von GeneProt, Professor Denis Hochstrasser, «aber es ist immer noch völlig unbekannt, wie viele Proteine denn das menschliche Blut hat». Blutplasma werde das erste Gebiet sein, mit dem sich GeneProt beschäftigte.
Bei der Speicherung der Daten aus der Protein-Analyse wird wie schon bei der Genom-Forschung nur in Terabyte gerechnet (ein Terabyte sind 1’000 Gigabyte). Die Verwaltung der Datenspeicherung hat ebenfalls Compaq übernommen. 50 Terabyte sollen bis Jahresende zur Verfügung stehen, 40 Terabyte werden dann wohl jedes Jahr an Speicherplatz anfallen. Und da die Protein-Daten das eigentliche Produkt von GeneProt sind, wird alles nicht nur mehrfach gesichert, sondern auch noch einmal auf Bandlaufwerken archiviert. Das Ganze geschieht unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen.
Hohes pokern
GeneProt ist ein ehrgeiziges Vorhaben. Vor gerade mal einem Jahr im März 2000 gegründet, wurden danach Geldgeber gesucht, dann das Firmengebäude in Genf gegen Ende des Jahres in nur vier Monaten komplett umgebaut und mit den modernsten Geräten und Computern ausgerüstet. Möglich war dies nur, weil es den Firmengründern, darunter etlichen renommierten Wissenschaftlern, gelang, die wichtigsten Lieferanten in diesem Bereich auch zu einer finanziellen Beteiligung zu bewegen.
Möglicherweise noch in diesem Jahr soll der Börsengang erfolgen. Die Gewinnzone will das Unternehmen in drei Jahren erreichen.
swissinfo und Klaus Gürtler (ap)
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