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USA wollen für Millionen «Swiss Cheese» kaufen – aber nicht aus der Schweiz

Ein grinsender Mann mit einem Käsehut und einer Brille in Form zweier US-Flaggen, im Hintergrund viele weitere Personen mit Käsehüten
Die US-Bundesstaaten Ohio und Wisconsin sind die führenden Produzenten von Schweizer Käse in den USA. Keystone / AP

Vom Ertrag aus den US-Zöllen will die amerikanische Regierung Schweizer Käse von amerikanischen Landwirt:innen kaufen, und damit die heimische Agrarindustrie unterstützen. Denn diese ist unter Druck – wegen ebenjener Zölle, die nun den Preis für Düngemittel in die Höhe treiben.

Am 19. Februar verkündete die US-Agrarministerin Brooke Rollins, das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) wolle Milchprodukte und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von bis zu 263 Millionen US-Dollar (208 Millionen Schweizer Franken) von amerikanischen Landwirt:innen aufkaufen.

Die Produkte sollen an Lebensmittelbanken für Bedürftige weitergegeben oder für Schulmahlzeiten für benachteiligte Kinder verwendet werden.

Die Hauptnutzniesser:innen allerdings sind die amerikanischen Landwirt:innen: «Indem wir Ernteerträge in Mahlzeiten verwandeln, stabilisieren wir nicht nur die landwirtschaftlichen Einkommen und sichern Arbeitsplätze im ländlichen Raum – wir versorgen unsere Nation mit Nahrung und unterstützen die Landwirte, die Amerika ernähren», wird Rollins in einer Pressemitteilung zitiertExterner Link.

«Unter der Führung von Präsident Trump stärken diese Investitionen die Lebensmittelversorgung, sichern ländliche Gemeinden und festigen die Landwirtschaft als Eckpfeiler der wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit.»

Auf der Einkaufsliste des USDA findet sich auch ein unerwartetes Produkt: Schweizer Käse. So will der Agricultural Marketing Service des Ministeriums Schweizer Käse im Wert von zehn Millionen US-Dollar von amerikanischen Landwirt:innen kaufen. Dies entspricht rund 11% des Werts der Schweizer Käseexporte in die USA.

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Der in den USA hergestellte Schweizer Käse wird vom USDA gemäss Abschnitt 32 des Agriculture Adjustment Act von 1935 gekauft. Das Gesetz sieht vor, dass 30% der Zolleinnahmen zur Förderung des inländischen Konsums von Agrarprodukten, besonders von Überschussprodukten, verwendet werden sollen.

Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Insolvenzen von landwirtschaftlichen Betrieben in den USA um 46% im Vergleich zum Vorjahr. Grund dafür sind wiederum die Zölle der Trump-Regierung, welche die Kosten von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln wie Dünger in die Höhe treiben.

Seit Einführung der Zölle sind die Düngemittelpreise um bis zu 100 US-Dollar pro Tonne gestiegen. Mit dem Krieg gegen den Iran dürften diese noch weiter steigen.

Generischer Name in den USA

Jeder in den USA hergestellte Käse darf als Schweizer Käse bezeichnet werden, sofern er die entsprechenden USDA-StandardsExterner Link erfüllt: Er sollte durch mikrobiologische Aktivität entstandene Löcher oder «Augen» aufweisen, nicht mehr als 41% Feuchtigkeit und nicht weniger als 43% Milchfett enthalten, zudem sollte er mindestens 60 Tage lang gereift sein.

In den USA hergestellter Schweizer Käse (auch als Emmentaler bekannt) wird in drei Qualitätsklassen, A, B und C, eingeteilt. Er kostet in den USA zwischen 15 und 20 US-Dollar pro Kilo. Zum Vergleich: Aus der Schweiz importierter Gruyère kostet 60 US-Dollar pro Kilo.

Am meisten Schweizer Käse wird im Bundesstaat Ohio produziert: 146,2 Millionen Pfund, respektive 66,3 Millionen Kilogramm, waren es 2024. Das ist etwa das Fünffache der Menge an Emmentaler, der in der Schweiz jährlich hergestellt wird. Hinter Ohio folgt Wisconsin mit 15,4 Millionen Pfund.

«Schweizer Käse hat in Wisconsin, dank unserer grossen Bevölkerung mit Schweizer Wurzeln, zweifellos eine treue Anhängerschaft», schreibt Grace Atherton, Kommunikationsdirektorin der Wisconsin Cheese Makers Association, gegenüber Swissinfo per E-Mail. Der Käse sei auch ein wichtiger Bestandteil ihrer florierenden Spezialitätenkäseindustrie, so Atherton.

Ein Käse mit Löchern
Baby Swiss ist eine amerikanische Variante des Schweizer Käses, die in Ohio von der Guggisberg Cheese Company entwickelt wurde, die der Schweizer Einwanderer Alfred Guggisberg 1950 gegründet hat. Keystone / AP

Trotz ihres Namens vertritt die Wisconsin Cheese Makers Association auch Hersteller von Schweizer Käse aus anderen US-Bundesstaaten. Atherton ist überzeugt, dass der Entscheid des US-Landwirtschaftsministeriums, Schweizer Käse im Wert von zehn Millionen US-Dollar zu beschaffen, der gesamten amerikanischen Milchwirtschaft zugutekommen wird.

«Für unsere Mitglieder in Bundesstaaten wie Ohio mit bedeutender Schweizer Käseproduktion ist diese Nachricht besonders willkommen», schreibt sie. «Wir glauben, dass eine steigende Flut alle Boote hebt und dass mehr gekaufte Milchprodukte eine stärkere, widerstandsfähigere Milchwirtschaft für alle bedeuten.»

Rechtliche und politische Rückschläge

Die Entkopplung von Schweizer Käse und der Schweiz lässt sich auf zwei bedeutende juristische Rückschläge zurückführen, die seine Stellung im Ausland geschwächt haben.

So hatten Käsehersteller:innen rund um das historische Städtchen Gruyères in der Westschweiz versucht, den Begriff «Gruyère» in den USA als zertifizierte Marke eintragen zu lassen. Nachdem ihr Antrag auf Markenschutz abgelehnt worden war, reichten sie im Bundesstaat Virginia Klage ein, verloren jedoch Anfang 2022 in erster Instanz.

Im März 2023 bestätigte das US-Berufungsgericht für den vierten Bezirk in Virginia das Urteil. Die Begründung: Die USA verfügten nicht über denselben Schutz für die Bezeichnungen von Lebensmitteln wie Europa.

«Käse – unabhängig von seinem Herstellungsort – wird in Amerika seit Jahrzehnten als Gruyère gekennzeichnet und verkauft», erklärte das Gericht. Dies betreffe Käse, der in Wisconsin, aber auch etwa in den Niederlanden, Deutschland oder Österreich hergestellt werde.

Einige Monate später wurde die Marke «Schweizer Käse» noch weiter geschwächt. Dieses Mal durch einen Entscheid aus der Europäischen Union auf einen Antrag von Emmentaler Switzerland: Demnach, so entschied das Gericht der EU (EuG) im Mai 2023, würden Konsumentinnen und Konsumenten in der EU «Emmentaler» als eine Käsesorte und nicht als Hinweis auf die geografische Herkunft wahrnehmen.

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Der endgültige Schlag war die Ablehnung eines Antrags im Schweizer Parlament, den Schutz von Schweizer Lebensmitteln wie Gruyère und Emmentaler in allen künftigen Handelsabkommen zu verankern.

Wirtschaftsminister Guy Parmelin, selbst Landwirt, warnte, dass die Durchsetzung der Marke in Abkommen den Handlungsspielraum der Schweiz im Aussenhandel einschränken und sogar den Abschluss neuer Abkommen verhindern könnte.

Der Antrag wurde 2023 zwar im Nationalrat angenommen, 2024 jedoch im Ständerat abgelehnt. Stattdessen schlug die kleine Kammer einen abgeschwächten Alternativantrag vor, der die Schweizer Regierung dazu ermutigen sollte, ihre derzeitigen Bemühungen zum Schutz von Schweizer Produkten im Rahmen der verfügbaren finanziellen und personellen Ressourcen fortzusetzen.

Auswirkungen auf die Schweizer Käseindustrie

Désirée Stocker von «Switzerland Cheese Marketing» betont, dass sich der Begriff «Swiss Cheese» in diesem Zusammenhang nicht auf Käse aus der Schweiz beziehe. «Dies hat historische Wurzeln und hat sich auf dem angelsächsischen Markt als etablierter Sammelbegriff durchgesetzt. Leider können wir daran nichts ändern.»

Das Fehlen rechtlicher und politischer Rückendeckung zur Durchsetzung geschützter geografischer Angaben für Schweizer Käse im Ausland hat Konsequenzen. Im Jahr 2024 stieg die Produktion von Schweizer Käse in den USA um 7% an und erreichte mit 360 Millionen Pfund einen neuen Höchststand.

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Die im August 2025 eingeführten US-Zölle haben die Lage aus Schweizer Sicht weiter verschärft. In jenem Jahr gingen die Schweizer Käseexporte in die USA um etwa 20% zurück.

Gleichzeitig sanken die US-Käseimporte insgesamt um 11% – ein Hinweis darauf, dass die Schweiz überdurchschnittlich stark betroffen ist.

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Begrenzte Möglichkeiten

Der geografische Schutz von Schweizer Käse ist in rund 60 Ländern gewährleistet, welche die Genfer Akte des Lissabonner Abkommens der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) unterzeichnet haben. Die USA sind kein Unterzeichnerstaat. Sie sind also nicht verpflichtet, die geografische Herkunftsbezeichnung von Produkten zu respektieren.

Der Bundesrat äusserte sich zu der Frage, wie er mit der heiklen Frage des Schutzes der Identität von Schweizer Käse im Fall eines Handelsabkommens mit den USA umgehen würde, vage.

Auf eine im Dezember 2025 eingereichte parlamentarische AnfrageExterner Link versprach er lediglich, das Anliegen anzusprechen, falls das Thema in den Verhandlungen zur Sprache käme.

Derzeit liegt der Schwerpunkt eher auf der Förderung der Marke «Swiss Made» als auf deren Schutz durch rechtliche oder politische Massnahmen. So erklärte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) auf Anfrage von Swissinfo, es unterstütze die Schweizer Käseherstellenden so weit wie möglich im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten.

«Angesichts dieser schwierigen Situation stellte das BLW im vergangenen Jahr rund 800’000 Schweizer Franken an zusätzlicher finanzieller Unterstützung für die Vermarktung und den Export von Käse bereit, um die negativen Auswirkungen der US-Zölle und Wechselkursschwankungen abzumildern», heisst es.

Editiert von Virginie Mangin/gw, Übertragung aus dem Englischen: Meret Michel/raf

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