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Swiss einigt sich mit den Piloten

Obgleich das Schiedsgericht die Haltung der Piloten gestützt hatte, verzichten sie auf die Durchsetzung. Keystone Archive

Die ehemaligen Crossair-Piloten akzeptieren 559 Kündigungen und ziehen sämtliche Klagen zurück. Die Betroffenen enthalten eine Abfindung. Die ehemaligen Swissair-Piloten reduzieren ihre Pensen auf 85%.

Damit hat sich das Unternehmen weitgehend durchgesetzt.

Immer wieder hatte Swiss-Chef André Dosé öffentlich erklärt, es gebe keinen Spielraum, ohne Einlenken der Piloten sei Swiss am Boden.

Am 24. Juni, bei der Bekanntgabe der Restrukturierung mit dem Abbau von 3000 Stellen, hatte Dosé den Swiss Pilots zudem mit der Kündigung des Gesamtarbeitsvertrags gedroht, sollten die Piloten nicht Hand bieten zu einer Einigung und Abstrichen bei den Löhnen.

Nun kam es zum Durchbruch im Streit zwischen der Swiss und den Ex-Crossair-Piloten: Die Swiss zahlt den entlassenen 559 Piloten gegen 60 Mio. Franken Abfindung. Im Gegenzug ziehen die Piloten die Klagen zurück.

Im Fall der 830 Ex-Swissair-Piloten soll der notwendige Stellenabbau statt mit Entlassungen durch Teilzeitarbeit bei allen Piloten gelöst werden.

Bei den Verhandlungen mit dem Boden- und Kabinenpersonal steht eine Einigung weiter aus.

Keine Umsetzung des Schiedsgerichtsurteils

Die Swiss Pilots (die ehemaligen Crossair-Piloten) verzichten gemäss einer von beiden Seiten unterzeichneten Vereinbarung auf die Umsetzung des umstrittenen Schiedsgerichtsurteils.

Demnach hätten Kündigungen proportional bei Ex-Crossair- und Ex-Swissair-Piloten durchgeführt werden müssen. Während Swiss diese Lösung für zu teuer hielt, hatten die Swiss Pilots lange Zeit auf deren Umsetzung bestanden.

Abfindungen in der Grössenordnung von 60 Mio. Franken

Im Gegenzug wird die Swiss den entlassenen früheren Crossair-Piloten eine einmalige Abfindung zahlen. Gemäss den Swiss Pilots erhalten die entlassenen Kapitäne 140’000 Franken und die Kopiloten 85’000 Franken Abgangsentschädigung. Die ausländischen Piloten, denen die Aufenthaltsbewilligung nicht verlängert wurde, erhalten 50’000 Franken.

Das sei ein akzeptables Angebot, sagte Swiss Pilots-Sprecher Martin Gutknecht.

Ex-Swissair-Piloten: Pensen reduzieren

Die Verhandlungen mit Aeropers, der Vereinigung der ehemaligen Swissair-Piloten, sind ebenfalls erfolgreich abgeschlossen worden. Trotz des Kahlschlags bei der Swiss wird keiner der 830 Ex-Swissair-Piloten auf die Strasse gestellt. Der notwendige Stellenabbau von 150 bis 200 Angestellten wird laut Aeropers durch Teilzeitarbeit bei allen rund 830 Piloten gelöst.

Ab dem Winterflugplan werden alle Piloten im Teilzeitpensum von durchschnittlich 85 Prozent arbeiten, wie Christian Frauenfelder, Vize-Präsident der Aeropers (Ex-Swissair-Piloten), sagte.

Mit Kabinen- und Bodenpersonal noch keine Einigung

Noch keine Einigung gibt es mit dem Kabinenpersonal (Kapers) wie auch mit den Personalverbänden des Bodenpersonals (Gata).

Am Dienstag hatten sich die Vertreter der Gata gemäss eigenen Angaben von den Verhandlungen zurückgezogen, da die Swiss weiterhin nicht habe sagen können, wo die Stellen eingespart werden sollten.

Die GATA will gegen die Fluggesellschaft Klage wegen Verletzung der gesetzlichen Bestimmungen bei Massenentlassungen einreichen. «Wir beharren auf einem akzeptablen Konsultationsverfahren», sagte GATA-Vizepräsident Philipp Hadorn.

Die Kapers kämpft weiter für mehr Transparenz beim Abbau bei den Flight Attendants der Swiss. «Die Kündigungen müssen sowohl für die Entlassenen wie für die Verbleibenden transparent und nachvollziehbar sein», sagte Kapers-Präsident Urs Eicher.

Die Swiss fordert von den Gewerkschaften für die Umsetzung der Restrukturierung eine Änderung der Gesamtarbeitsverträge. Die Gewerkschaften hatten in den vergangenen Tagen betont, dass der Spielraum für Lohnsenkungen stark begrenzt sei.

Probleme seit Beginn

Bereits vor der Gründung der Swiss war absehbar, dass eines der Hauptprobleme die Zusammenführung der beiden Pilotencorps sein würde.

Die Einigung mit den Piloten sei eine äusserst wichtige Voraussetzung, um die Restrukturierung der Airline erfolgreich durchführen zu können, teilte die Swiss weiter mit.

Dem stimmen auch Analysten zu: Seien es Gerüchte um Partnerschaften oder gar eine Übernahme der Swiss – immer wieder hiess es, zuvor brauche es eine Einigung mit den Piloten.

Die Swiss will insgesamt 3000 Stellen abbauen, davon rund 1500 beim Bodenpersonal, 850 bei den Kabinenangestellten und rund 700 bei den Piloten. Zusammen mit den Abstrichen bei der Flotte und beim Streckennetz sollen die Kosten dadurch um 1,6 Mrd. Franken gesenkt werden.

swissinfo und Agenturen

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