Swiss Re: Gewinn um über 90% eingebrochen
Der Schweizer Rückversicherer hat im ersten Halbjahr 2002 einen massiven Gewinn-Einbruch auf 118 Mio. Franken erlitten.
An der Börse kam es darauf zu Massenverkäufen. Doch das Prämienvolumen stieg in diesem Zeitraum.
Grund für den massiven Rückgang des Gewinnes sei die Talfahrt der Kapitalmärkte. Sie habe zu Wertberichtigungen auf dem Portfeuille in der Höhe von 917 Millionen geführt, teilte Swiss Re am Donnerstag mit.
In der Vorjahresperiode hatte der Rückversicherer noch einen Gewinn von 1345 Mrd. Franken ausgewiesen.
«Wir haben unsern fairen Anteil an den Schwierigkeiten seit vergangenem Herbst abgekommen», sagte Swiss-Re-Konzernchef Walter B. Kielholz am Donnerstag in Zürich. Sein Konzern steht im Branchenvergleich nicht allein schlecht da.
Erstaunt, aber nicht enttäuscht
Analysten reagierten erstaunt ob der Höhe des Einbruchs. Die Resultate seien unter ihren Erwartungen, schreibt etwa das Bankhaus Pictet.
Doch offensichtlich sei dies nur ein kurzfristiger Taucher. Swiss Re bleibe weiterhin eine gute Anlage, denn die Schätzungen fürs ganze Jahr sähen gut aus.
Swiss Re rechnet in zweiten Halbjahr mit einer operativen Entwicklung im Rahmen des jetzt vorgelegten ersten Halbjahres. Falls sich die Situation auf den Finanzmärkten verbessert, rechnet das Unternehmen Ende Jahr mit einem Gewinn.
Den weiteren Jahresverlauf machte Kielholz somit stark von der Entwicklung der Finanzmärkte abhängig. Der Konzern profitiere davon, dass die Krise zu einer «Flucht in die Qualität» führe.
So stieg das gesamte Prämienvolumen der Gruppe im ersten Semester verglichen zum 1. Halbjahr 2001 um 16% auf 13,836 Mrd. Franken. Die verdienten Prämien erhöhten sich um 3% auf 6,654 Milliarden.
11. September
Das letzte Jahr war auch für die Rückversicherer hart. Nach den Anschlägen vom 11. September setzte sich der Abschwung der Börsen- und Finanzmärkte verstärkt fort. Dazu kommen nun die Folgen der Überschwemmungen in Europa. Swiss Re schätzt dort den eigenen Schadenaufwand auf rund 250 Mio. Franken.
Doch CEO Kielholz sieht darin auch eine Chance: «Solche Momente sind immer auch gute Gelegenheiten für die stärksten Anbieter auf dem Markt. Die Swiss Re wird davon profitieren.»
An der Börse sackten am Donnerstag die Aktien der Swiss Re ab. Sie belasteten damit den Versicherungssektor in ganz Europa. Die Aktien der deutschen Versicherungen «Münchener Rück» und «Allianz» fielen um mehr als vier Prozent.
Grübel nicht mehr VR
Nicht einmal vier Monate nach seiner Wahl von Anfang Mai ist Oswald J. Grübel bereits wieder aus dem Verwaltungsrat von Swiss Re zurückgetreten. Grübel wolle möglichen Interessen-Konflikten zuvorkommen, die sich aus seinem neuen Posten bei der Credit Suisse Group ergeben könnten, sagte Swiss-Re-Konzernchef Kielholz.
Nachfolger soll Novartis-Finanzchef Raymund Breu werden.
Auch Münchner Rück hat Sorgen
Die anhaltende Börsenkrise machte auch dem weltgrössten Rückversicherer, der Münchener Rück, schwer zu schaffen. Auch dieser Konzern musste im ersten Halbjahr massive Abschreibungen auf seinem Aktienportefeuille vornehmen.
Im zweiten Quartal erwirtschaftete die Münchener Rück deshalb und wegen Problemen bei ihrer US-Tochter American Re einen Vorsteuerverlust in Milliardenhöhe.
Im ersten Halbjahr hat die Münchener Rück Abschreibungen von 1,5 Mrd. Euro (rund 2,2 Mrd. Franken) auf Wertpapiere vorgenommen. Der Konzernumsatz wuchs von 17,1 auf 20,4 Mrd Euro. Dies vor allem wegen der kräftigen Preiserhöhungen nach den Terroranschlägen vom 11. September.
Vor Steuern sank der Ertrag im zweiten Quartal von 769 Mio. Euro auf minus 1,3 Mrd. Euro. Unter dem Strich entstand durch Steuervorteile nur ein Verlust von 383 Mio. Euro. Damit schmolz der Überschuss im ersten Halbjahr von 4,5 Mrd. Euro Ende März auf 4,1 Mrd. Euro zusammen.
1. Halbjahr 2001: 1345 Mio. Fr. Gewinn
1. Halbjahr 2002: 118 Mio. Fr. Gewinn
Prämienvolumen um 16% gesteigert
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