Swiss Re wird grösster Rückversicherer der Welt
Swiss Re übernimmt das Versicherungs-Geschäft des US-Mischkonzerns General Electric. Der Rückversicherer wird somit weltweit Nummer eins.
Der Kaufpreis beträgt rund 9 Mrd. Franken (6,8 Mrd. Dollar). Hunderte von Arbeitsplätzen werden abgebaut, aber nicht in der Schweiz.
Elefantenhochzeit in der Versicherungsbranche: Die Swiss Re kauft vom US-Mischkonzern General Electric den grössten Teil des Versicherungsgeschäftes für 6,8 Mrd. Dollar (rund 9 Mrd. Franken). Damit wird die heutige Nummer zwei zum grössten Rückversicherer der Welt.
Der bisherige Branchenprimus Münchener Rück wird von seinem Spitzenplatz verdrängt. «Grösse war in diesem Geschäft nie wichtiger als heute», sagte der auf Ende Jahr scheidende Swiss-Re-Chef John Coomber am Freitag vor den Medien in Zürich.
Die Kunden der Rückversicherer, die Erstversicherer, seien in den vergangenen Jahren durch Zusammenschlüsse grösser geworden. Daher müssten auch Rückversicherer an Masse zulegen, um den Anforderungen der Erstkunden und der Versicherungsvolumen gerecht zu werden.
Denn die Risiken veränderten sich. Allein in diesem Jahr habe es fünf schwere Hurrikane gegeben, darunter «Katrina», die den grössten Schaden der Versicherungsgeschichte verursacht habe.
Grösster Kauf der Geschichte
Mit der Übernahme macht die Swiss Re einen Sprung nach vorne. GE Insurance Solutions ist der fünftgrösste Rückversicherer der Welt und nahm im letzten Jahr Nettoprämien von 6,2 Mrd. Dollar ein. Die Swiss Re kam auf ein Nettoprämienvolumen von 25,8 Mrd. Dollar. Gemeinsam würden beide Versicherer die Münchener Rück überholen, die im letzten Jahr 28,9 Mrd. Dollar einnahm.
Für die grösste Akquisition in der 142-jährigen Geschichte der Swiss Re sei ein Kaufpreis von 6,8 Mrd. Dollar vereinbart worden, sagte Coombers designierter Nachfolger Jacques Aigrain.
Bis zum Abschluss der Transaktion Mitte nächsten Jahres werde General Electric noch Verpflichtungen des Versicherers beseitigen, so dass die Swiss Re dann eine Gesamtvergütung von 7,6 Mrd. Dollar bezahlen müsse, sagte Finanzchefin Ann Godbehere.
«Schnäppchen»
Der Kaufpreis sei attraktiv, sagte Aigrain. Nicht eingeschlossen in den Deal sei das US-Leben- und Krankenversicherungsgeschäft von General Electric.
Beide Rückversicherer würden sehr gut zueinander passen. Die Kundenbasis in den USA und Europa werde breiter. Die Überlappungen seien beschränkt. Bereits ab 2007 solle GE Insurance Solutions mit Sitz in Kansas zur Gewinnverdichtung beitragen.
Hunderte Stellen weg
Im nächsten Jahr werde die Rechnung von einmaligen Restrukturierungskosten in Höhe von 250 Mio. Dollar (325 Mio. Fr.) belastet. Diese würden aber durch die Synergien wettgemacht, die jährlich 300 Mio. Dollar bringen sollen.
Um diese zu erzielen, muss auch das Personal bluten: In den USA und mehreren europäischen Ländern würden einige hundert Stellen gestrichen, sagte Aigrain, ohne eine genaue Zahl nennen zu wollen. Die Schweiz sei allerdings nicht betroffen. GE Insurance Solutions beschäftigt 2500 Angestellte in 22 Ländern.
Für die Finanzierung der Transaktion werde Swiss Re bis zu 9,8 Mrd. Fr. neues Kapital aufnehmen. General Electric erhalte 55% des Kaufpreise in bar und Anleihen. Der Rest werde mit Swiss-Re-Aktien abgegolten.
Damit wird der US-Konzern 10 bis 13% der Aktien bekommen und zum grössten Aktionär des Schweizer Rückversicherers aufsteigen. Zudem zieht GE-Vizepräsident Dennis Dammerman in den Verwaltungsrat von Swiss Re ein.
Analysten halten die Übernahme langfristig für sinnvoll. An der Börse brach die Aktie nach Wiederaufnahme des Handels zunächst ein, lag dann aber gegen Ende des Börsentages um 0,6% im Plus auf 93.40 Fr..
swissinfo und Agenturen
Der Rückversicherer Swiss Re kauft das Versicherungs-Geschäfts des US-Konzerns General Electric.
Die Transaktion beläuft sich auf 6,8 Mrd. Dollar in Form von Bargeld, Aktien und Anleihen.
Bisher figurierte Swiss Re als Nummer 2 hinter der «Münchner Rück». Jetzt rückt der Schweizer Rückversicherer auf weltweit die Nummer 1 vor.
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