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Swiss: Synergien als Chance

Synergien mit Lufthansa gäbe es zahlreiche, meint Jochen Leibfritz, Swiss Sales Manager Germany. swissinfo.ch

An der weltgrössten Tourismusmesse, ITB, in Berlin sahen Reiseprofis in der Übernahme der Swiss auch neue Chancen für die Flugreisenden.

Auch für den Hub Zürich ergäben sich neue Möglichkeiten, sagt Swiss-Verkaufsmanager Jochen Leibfritz im swissinfo-Gespräch.

Jochen Leibfritz ist Sales Manager Germany für die Swiss mit Sitz in Freiburg im Breisgau.

swissinfo: Wie reagierten Ihre Geschäftspartner auf die Ankündigung, dass Lufthansa die Swiss übernehmen will?

Jochen Leibfritz: Ursprünglich waren wir für die ITB davon ausgegangen, dass sich die Messegespräche um die Nullprovision drehen würde. Doch dann kamen die Gespräche rasch auf die möglichen Synergiewirkungen, die eine Übernahme den Travel Managern und ihren Kunden zusätzlich bieten könnte.

swissinfo: Befürchteten die Travel Manager nicht eher ein preisliches Zusammenrücken von Swiss mit Lufthansa, zum Nachteil der Reisenden?

J.L.: Sicher gab es Ängste, dass künftig Swiss in Absprache mit der Lufthansa die Tarife erhöht. Doch die Themen Netzwerk und Hubs überwogen. Das kombinierte Netzwerk Swiss-Lufthansa wird attraktiver. Und die Hub-Strategie der Lufthansa wird nun durch den Hub Kloten erweitert. Diese Kombination erscheint vielen Reiseprofis sehr attraktiv.

swissinfo: Wie wirkt sich das konkret aus, wenn Swiss in die grosse Allianz Eingang findet?

J.L.: Denkbar wäre zum Beispiel ein Einheitstarif für Flüge nach Chicago oder nach China, egal von welchem Hub der Reisende abfliegt. Denkbar wäre auch, von Frankfurt oder München nach Chicago zu fliegen und nach Zürich zurückzukehren. Zu gleichem Preis.

Die Passagiere aus Deutschland, haben Zürich immer gerne als Drehscheibe genutzt. In letzter Zeit waren es vor allem die Norddeutschen, während die Süddeutschen wegen dem schwierigen politischen Umfeld etwas zurückhaltender waren.

Der Drehscheibe Zürich kommt zu Gute, dass Swiss im Geschäftsjahr 2004 bei den Ferndestinationen gut abgeschnitten hat. Aus dem deutschen Markt nimmt die Nachfrage nach fernen Destinationen wieder zu. In Richtung USA wuchs 2004 das Volumen um 12%. Damit konnte die Swiss ihre Flieger gut auslasten. Davon profitiert natürlich auch der Flughafen Zürich.

swissinfo: Was haben Sie als Deutscher, der für Swiss arbeitet, den wegen der bevorstehenden Fusion enttäuschten Schweizern gesagt?

J.L.: Bei den Deutschen liegt die Marke Swiss hoch im Kurs, was für Zürich-Kloten spricht. Jetzt müssten die Schweizer die Chancen sehen, die ihnen die Kombination Lufthansa-Schweiz beim Incoming bringen könnte.

Beispielsweise China. China wird ja von den Schweizern als Riesenmarkt erachtet. Die Chinesen kommen aber gegenwärtig noch alle über Frankfurt in die Schweiz. Denn die Swiss fliegt in China nur Hongkong an, die Lufthansa jedoch mehrere Destinationen. Sie könnte die Chinesen direkt in die Schweiz bringen.

Wichtig ist doch, dass die Swiss produktiver fliegt, dass sich ihre Flugzeuge mehr in der Luft bewegen. Und das ist mit dem Verbund mit der Lufthansa eher gegeben.

Ausserdem liegt der internationale Flugmarkt bereits wieder auf dem Niveau, auf dem er sich vor dem Katastrophenjahr 2001 befand.

swissinfo-Interview Alexander Künzle

ITB: Internationale Tourismusmesse Berlin. Weltweit grösste Messe der Branche. Findet jährlich jeweils Mitte März statt.

Incoming-Tourismus: Jener Teil des Tourismus, der Gäste aus dem Ausland ins Ferienziel Schweiz führt.

Nullprovision: Bisher erhielten Reisebüros eine Kommission auf den verkauften Tickets einer Fluggesellschaft. Heute buchen immer mehr Passagiere über das Internet.

Die Kommission wird aufgehoben und eventuell durch andere Vergütungsarten ersetzt.

Swiss beschäftigt im Reisebereich 27 Mitarbeitende in Deutschland.

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