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Swissair: Das Geld reicht nicht

Fliesst kein Geld, bleiben Gepäckwagen leer und die Flotte steht still. Keystone

Swissair-Töchter brauchen dringend Millionen - sonst droht ein Grounding und damit wohl das Ende der neuen nationalen Fluggesellschaft. Der Bund springt nicht in die Lücke.

200 bis 300 Mio. Franken müssten bis am kommenden Mittwoch zur Überbrückung der kurzfristigen Liquiditäts-Engpässe bei der Wartungsfirma SR Technics, dem Informatik-Unternehmen Atraxis und der Frachtabfertigungs-Firma Swissport bereitgestellt werden, sagt Crossair-Chef André Dosé in einem Interview der «SonntagsZeitung».

Bei der Finanzierung der «Neuen Crossair» sei die Wartungsfirma SR Technics vollständig vergessen worden, hatte SR Technics-Konzernchef Ulrich Beyeler in einem Interview mit dem Zürcher «Tages Anzeiger» am Samstag gesagt.

Um allen Verpflichtungen nachzukommen, benötige die Firma für die Übergangsphase bis im Februar oder März einen Liquiditäts-Einschuss von total 240 Millionen.

Der SR Technics seien bedeutende Liquiditäten entzogen worden, weil die Swissair Group die Forderungen nicht mehr bezahlt habe, begründet Beyeler die Krise. Die Gesellschaft baut zur Zeit den Personalbestand um 800 auf rund 2’800 Mitarbeiter ab.

Falls jedoch die für die Übergangsphase benötigten 240 Mio. Franken nicht gefunden werden, müsse die SR Technics sofort in die Nachlass-Stundung gehen. Dies hätte den Zusammenbruch des Geschäfts mit anderen Airlines zur Folge und würde die Entlassung von weiteren 2’200 Angestellten auslösen.

Grounding droht

Der Crossair sei die Bedeutung der Wartungsfirma durchaus bewusst. Denn die von der Swissair übernommenen Flugzeuge würden bei einer Nachlass-Stundung wohl am Boden bleiben. Dies würde das Aus der neuen nationalen Airline bedeuten, sagt Beyeler weiter. «Wir brauchen auf jeden Fall einen neuen Besitzer», die Zeit dränge.

Dosé kann sich durchaus vorstellen, dass die SR Technics eine Crossair-Tochtergesellschaft wird. Für Atraxis liefen Verkaufsverhandlungen. Der Zürcher Flughafen zeige ebenfalls Interesse an Teilen des flugnahen Geschäftes.

Bund springt nicht in die Lücke

Erstaunt bis verärgert reagiert man in Bern auf diese Alarmrufe. Finanzminister Kaspar Villigers Kommunikationschef, Daniel Eckmann, erinnerte daran, dass die Engpässe bei den flugnahen Betrieben bekannt seien und dass deshalb eine spezielle Projektgruppe eingesetzt worden sei, die vom Kanton Zürich präsidiert werde und in der Banken, Unternehmen, die Flughäfen, die Standortkantone, der Sachwalter und der Bund vertreten seien. Dort sollten die Probleme gelöst werden und nicht in den Medien, sagte Eckmann in Anspielung auf die öffentlichen Alarmrufe seitens der betroffenen Betriebe und von Crossair-Chef André Dosé.

Zur Rolle des Bundes hob der EFD-Sprecher hervor, dass das Milliarden-Darlehen des Bundes für den Flugbetrieb nur dann fliesse, wenn die betriebsnotwendigen Funktionen in den flugnahen Bereichen auf anderem Weg sicher gestellt würden. «Sonst kann der Bund den Einsatz dieser Mittel nicht verantworten», betonte Eckmann und erinnerte daran, dass auch die Finanzdelegation des Parlaments am vergangenen Montag klar auf die Zweckbestimmung des Darlehens hingewiesen habe. Sie habe unmissverständlich klar gemacht, dass das gesprochene Geld erstens für den Flugbetrieb sei und zweitens reichen müsse.

Die neue Airline wird kaum Swissair heissen

Zu den Plänen für die neue Airline machte Crossair-Chef Dosé deutlich, dass er das Top-Management vorwiegend aus Crossair-Leuten zusammenstellen will. Platz für gute Leute der Swissair habe es auf der zweiten und dritten Führungsstufe. Beim Namen der neuen Fluggesellschaft kommt Swissair für den Crossair-Chef aus heutiger Sicht wegen der rechtlichen Probleme nicht in Frage.

Keine Garantie für 26/26

Zudem gebe es keine Garantie, dass die Crossair das Ziel zur Übernahme von 26 Lang- und 26 Kurzstreckenmaschinen von der Swissair erreichen werde, sagt Dosé zum Geschäftsplan der Crossair. Das Ziel sei konjunkturabhängig.

Wenn sich die Wirtschaft über längere Zeit nicht erhole, dann werde das Ziel nicht erreicht. Das Modell müsse sich betriebswirtschaftlich rechnen. «Wir werden sicher nicht mit leeren Flugzeugen herumfliegen», sagt Dosé. Bleibe es beim Modell 26/26, dann bleibe es auch beim gegenwärtigen Stellenabbau.

swissinfo und Agenturen

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