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Tiermehl: Entsorgung durch Verbrennung

Tiermehl aus Schlachtabfällen soll in Zementöfen entsorgt werden. Keystone

Das Schweizer Tiermehl, das niemand mehr will, soll in Zementöfen verbrannt werden. Diese Entsorgung wird rund 45 Mio. Franken kosten. Die Tiermehl-Produzenten verlangen vom Bund, dass dieser einen Teil der Kosten übernimmt.

Seit letzter Woche kann praktisch kein Tiermehl mehr aus der Schweiz exportiert werden. Mit Deutschland und Holland haben auch die letzten Abnehmer von Schweizer Tiermehl ihre Grenzen dichtgemacht. Die Tiermehl-Produzenten sitzen jetzt auf rund 40’000 Tonnen wertlosem Tiermehl.

Zementöfen als Rettung

Um dieses jetzt loszuwerden haben sich die Schlachtabfall-Verwerter der Firma Centravo, das Bundesamt für Veterinärwesen (Bvet) und der Verband der Schweizerischen Zementindustrie «cem suisse» eine Lösung gefunden: Das Tiermehl soll als Brennstoff für die Zementöfen verwendet werden. Bezüglich einer Infektionsgefahr mit dem BSE-Erreger sei die Verbrennung bei den hohen Temperaturen von 2000 Grad «unbedenklich», schreibt das BVET.

Die vier Zementwerke, die bereits Tiermehl verbrennen, verfügen über eine Kapazität von 27’500 Tonnen, es handelt sich dabei um Risikomaterial wie Rückenmark oder Gehirn, die schon vor dem Verbot nicht verfüttert wurden. Weitere vier Werke sollen auf die Verbrennung von Tiermehl umgerüstet werden. In der Zwischenzeit wird das Tiermehl in Frutigen gelagert.

Kosten als Streitpunkt

Wer die Kosten für diese Entsorgungs-Aktion berappen muss, darüber wird gestritten. Die Folgekosten werden auf 45 Mio. Franken geschätzt. Die Centravo, grösster Schweizer Tiermehlfabrikant, verlangt vom Bund, dass dieser einen Teil der Kosten übernehme. Centravo-Direktor Hans Hofer appellierte an den Bundesrat, einen dringlichen Bundesbeschluss innert dreier Wochen zu erlassen. BVET-Sprecher Hans Wyss erklärte, die Frage der Verteilung der Folgekosten sei letztlich eine politische Frage.

Im Ende werden die Konsumentinnen und Konsumenten in ganz Europa für die Verfehlungen der staatlichen Behörden, einer marktorientierten Nahrungsmittel-Industrie und dem Wunsch nach günstigem Fleisch bezahlen – auch mit der Gesundheit.

swissinfo und Agenturen

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